eine Schäferei – wozu er Merinoschafe aus Sachsen erhielt – einzurichten begonnen . Es ging auch nicht von Anfang an alles vortrefflich , aber schon 1815 und 1816 wurde seine Wolle auf dem Berliner Wollmarkt für die beste erklärt . 1817 schrieb er an seine Frau : » Für mich ist der diesmalige Wollmarkt zwar nicht der pekuniär beste , aber der gloriöseste , den ich erlebt habe . Meine Wolle ist 20 Prozent geringer verkauft , als im vorigen Jahre , aber um 20 Prozent höher , als irgendeine Wolle hier und in ganz Deutschland verkauft ist und werden wird . Unter allen Wollhändlern und allen Wollproduzenten ist es ganz entschieden angenommen , daß meiner Wolle keine in ganz Europa nahe komme , viel weniger ihr an die Seite zu setzen sei . Dies ist so das Tagesgespräch geworden und so über das Gemeine hinweggehoben , daß ich auch keine Spur des Neides bemerke . Jeder erkennt es an , daß ich das Außerordentliche errungen , worauf kein anderer Anspruch machen kann . › Solche Wolle , sagt man , kann man erzeugen , denn Möglin hat sie erzeugt . ‹ Wenn ich auf den Markt komme , so steht alles mit dem Hut in der Hand . Ich heiße bereits der Wollmarktskönig ! « Thaer erzielte dies alles durch sein Kreuzungsprinzip und die geschickte , scharfsinnige Handhabung desselben . Jedem wäre es freilich nicht geglückt . Einem sehr erfahrenen Wollhändler sagte er : » Zeigen Sie mir nur irgendein Vließ , wie Sie es zu haben wünschen , und ich werde Ihnen in der dritten oder vierten Generation einen Stamm herstellen , der nur solche Vließe liefert . « Man hielt dies für Übertreibung , überzeugte sich aber bald , daß er nicht zuviel gesagt hatte . Es glückte ihm mit der Wollproduktion wie dem berühmten englischen Viehzüchter Backwell mit der Fleischproduktion , der Schafe herstellte , die vor Beleibtheit auf ihren kurzen Beinen kaum gehen konnten , so daß er sich veranlaßt sah , allmählich wieder Schafe mit längeren Beinen zu machen . Man sagte von ihm : » es sei , als ob er sich ein Schaf nach seinem Ideale schnitzen und demselben dann das Leben geben könne . « Dies paßte auf Thaer so gut wie auf Backwell . Es konnte nicht ausbleiben , daß das Thaersche Züchtungsverfahren , das geniale Operieren mit der Natur , auch Gegner fand . Diese warfen ihm vor , daß er , bei seiner Art und Weise der Züchtung , die Natur schließlich dahin zwinge , wohin sie nicht wolle , und daß er sie dadurch schwächen und ermüden werde . Denn die Kunst , wie groß auch , werde nie die natürlichen Anlagen ersetzen können . Er rechtfertigte sich mit Shakespeares tiefgeschöpfter Lehre ( Wintermärchen IV , 4. ) : » Doch wird Natur durch keine Art gebessert , Schafft nicht Natur die Art. So , ob der Kunst , Die wie du sagst , Natur bestreitet , gibt es Noch eine Kunst , von der Natur erschaffen . Du siehst , mein holdes Kind , wie wir vermählen Den edlern Sproß dem allerwildsten Stamm ; Befruchten so die Rinde schlechtrer Art Durch Knospen edler Frucht . Dies ist ' ne Kunst , Die die Natur verbessert – mindstens ändert : Doch diese Kunst ist selbst Natur . « Thaer erfuhr Angriffe , aber sie waren vereinzelt , und speziell auf dem Gebiete der Schafzucht ward er mehr und mehr eine europäische Autorität . Bei Errichtung ( 1816 ) der beiden auf Rechnung des Staates gegründeten Stammschäfereien zu Frankenfelde in der Mark und zu Panten in Schlesien wurde Thaer zum Generalintendanten derselben ernannt und 1823 , als auf seine Veranlassung in Leipzig der erste » Wollzüchterkonvent « zusammentrat , huldigte man ihm nicht nur als dem Präsidenten , sondern speziell auch als dem Meister der Versammlung . Aber der Weg zu diesen Erfolgen war ein weiter und mühevoller . Unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen waren ihm die ersten Jahre seiner Mögliner Wirtschaftsführung vergangen . Zu den Sorgen und Fehlschlägen , die , namentlich nach dem unglücklichen Kriege von 1806 , alle damaligen Grundbesitzer trafen , gesellten sich für ihn noch ganz besondere Schwierigkeiten : sein relatives Fremdsein in der neuen Heimat und – das » Institut « . Die Herstellung einer landwirtschaftlichen Lehranstalt war , wie bereits erwähnt , bei Thaers Übersiedelung nach Möglin allerdings in Erwägung gezogen , aber von seiten der preußischen Regierung mehr als ein Anspruch , den Thaer erheben könne , wie als eine Pflicht , die er zu erfüllen habe , angesehen worden . Thaer ging indes sofort an die Errichtung eines » Instituts « , ähnlich dem , das er in Celle geleitet hatte . Und in der Tat , alles ließ sich vielversprechend an . Schon im Jahre 1805 traf er Vorbereitungen zum Bau eines Instituthauses ; da es jedoch an den erforderlichen Mitteln gebrach , so machte er den Plan , den Bau auf Aktien zu unternehmen . Von allen Seiten kamen Zuschriften ; schon im Juli 1806 konnte er bekanntmachen , daß die Unterzeichnung nunmehr geschlossen sei . Ziemlich um dieselbe Zeit berichtete Thaer dem König , » daß die Eröffnung des Mögliner Instituts in der Mitte des Oktober erfolgen werde . « Und wirklich , das Wohnhaus mit vierundzwanzig Zimmern , außer dem Souterrain , stand fertig da ; einundzwanzig junge Leute hatten sich zum Eintritt gemeldet ; alles versprach einen glänzenden Anfang . Aber die Mitte des Oktober 1806 brachte andere Ereignisse ; der siegreiche Feind überschwemmte die Marken und statt der angemeldeten einundzwanzig jungen Leute kamen drei . Im Frühjahr 1807 waren es acht . Die Zahl wuchs später , da aber , bei der völligen Zerrüttetheit aller Geldverhältnisse , viele Söhne sonst wohlhabender Eltern mit ihren Pensionen im Rückstande blieben , andere , die Aktien genommen hatten , ihre Aktienbeiträge nicht zahlen konnten , so entstanden , ohne daß von irgendwelcher Seite her eine Verschuldung