für jenen ihm ganz Fremden eintreten ! ! ! Er konnte dies schon wagen , zumal noch ein andrer sogenannter Freund Leonharts sich würdelos , trotz der überwiegend gegentheiligen Stimmung der Anwesenden , für die sogenannte » Ehre « jener Dame einsetzte , weil derselbe ebenfalls die geheime Gunst derselben zu erringen hoffte . Und Schnapphahnitzkoy spekulirte wieder auf die Gunst dieses Herrn aus Geschäftsgründen . Ergo ! Leonhart , immer geneigt von seinen Nebenmenschen besser zu denken , als seine pessimistische Menschen- und Physiognomieenkenntniß ihn sonst lehrte , hielt die Sache jedoch für einen bloßen Spaß und suchte daher den p.p. Schnapphahnitzkoy in dessen Redaktion persönlich auf , um diese wesenlose Angelegenheit durch gemüthliche Aussprache aus dem Wege zu räumen . Allein bald mußte er erkennen , daß er einen schweren Fauxpas gemacht . Denn mit kaltblütiger Tücke bestand dieser ritterliche Shylok auf seinen Schein , sein Pfund Fleisch , sein liebes kleines Duell . Er gab zu , daß ihn die Sache nichts angehe , daß sie überhaupt unbedeutend sei , auch daß er selbst noch nie ein Duell gehabt habe . Trotzalledem aber müsse er darauf bestehn , sich mit Leonhart zu schießen , damit sein empfindliches Ex-Lieutnantsgefühl beruhigt werde . Leonhart stellte ihm die volle Unmöglichkeit der Motivirung vor , falls das Duell ernst sein solle - sei es aber als bloße gemeint , so danke er für solche Zeitvergeudung . Das Duell könne seinen guten Sinn haben ( Schnapphahnitzkoy verschanzte sich dahinter , daß Leonhart ja das Duell an sich noch nicht verwerfe ) , falls es sich um ernsthafte Ehrverletzung drehe , aber nur so . Obschon nun Schnapphahnitzkoy recht wohl wußte , daß jedes Ehrengericht ihn als Rowdie-Raufbold verurtheilen und jeder Gerichtshof ihm das höchste Strafmaß des neu verschärften Duellgesetzes aufbrummen würde , - obschon ferner klar auf der Hand lag , daß er als guter Bekannter Leonhart ' s , wenn in seinem militairischen Ehrbegriff gekränkt , umgekehrt grade für denselben den Anrempler desselben fordern mußte , um seinem Anstandsgefühl genüge zu thun , - so ergötzte es doch das verkrüppelte Seelchen des Kleinen , den beneideten Großen in dieser Mausefalle zappeln zu sehn . Uebrigens fürchtete er auch ein ernstes Duell nicht . Erstens schoß und focht er meisterlich , wußte sich also von vornherein Sieger . Zweitens lag ihm wenig an seiner traurigen Existenz . Denn , eigentlich kerngesund , dichtete er sich ein aristokratisches Asthma an und sicherte sich nur noch kurze Lebensdauer zu . Es harmonirte damit , daß auch jener unglückliche Liebhaber der hinter den Coulissen spielenden Donna , welcher ebenfalls an Leonhart seine Rittersporen wenigstens schimpfend verdienen wollte , eingestandenermaßen an einem gewissen unheilbaren Leiden kränkelte . Daher der Todesmuth dieser Todeskandidaten . Nun erfuhr zwar Leonhart bald darauf von verschiedenen Seiten überraschende Dinge über seinen edeln Feind , welche er jedoch schweigend ad acta legte . Auch das sonstige einstimmige Urtheil über den Trefflichen lautete gleich ungünstig . Nicht mal mit der Duell-Bravour hatte es seine Richtigkeit , da er kurz vorher erbleichend » kniff « , als einige gefährliche Studenten ihn wegen einer cynischen Bemerkung über das gesammte weibliche Geschlecht ( daher Chef der » Töchterzeitung « ) zur Rechenschaft forderten . Aber der Dichter , dessen Mensuren und Schlachten auf ganz anderem Gebiete lagen als auf dem der pöbelhaften Klopffechterei , schien ihm ein bequem wehrloser Prügeljunge , während er selbst vor seinem Todfeind Schmoller zitterte wie Espenlaub , wenn er diesem zufällig auf dem Pferdebahn-Perron begegnete , » zerschmettert von meinem Blicke , « wie der große Sittenschilderer ausschmückend hinzufügte . Kurz , von welcher Seite man den ritterlichen ironischen Kneiferhelden auch betrachten mochte , - überall blieb er die gleiche einnehmende Überflüssigkeit , die ihre ganze Existenzberechtigung aus dem Wörtchen » von « herleitete . Einen Augenblick empfand Leonhart , als die fischblütige Ruhe dieses Wouldbe-Gentleman an ihm die hartnäckige Betonung der Duell-Nothwendigkeit » aus unsern gesellschaftlichen Verhältnissen heraus « wie eine Schraubentortur weiterquetschte , das Gelüst aufzuspringen : » Sie sind ja ein Bube , Sie ! « Sein Stock zitterte in seiner Hand , es schwamm ihm roth vor den Augen und er sah gleichsam das Blut langsam die wachsbleiche abgelebte Todtenmaske heruntertropfen , wenn er quer durch die hohngrinsende Fratze hieb . Denn dieser gutmüthig weiche Charakter durfte leider mit Hamlet gestehen : » Wenn ich auch mild bin von Natur , so ist doch was Gefährliches in mir , das ich zu scheuen bitte . « Es war nur ein Augenblick , es ging vorüber . Er überlegte blitzschnell , was denn eigentlich daraus werden solle . Von höchstem moralischen Muthe , fühlte sich der Dichter , zwischen Jähzorn und Niedergeschlagenheit schwankend , so nervös herabgestimmt , daß eine allgemeine Schwäche der persönlichen Initiative ( neben höchster Anspannung des Willencentrums in rein geistigen Dingen ) ihn vor rohen Aeußerlichkeiten zurückbeben ließ . Sollte er sich hier persönlich mit dem gefährlichen Lauerer herumwürgen ? Derselbe war allem Anschein nach wohl stärker , wie denn rauflustige Memmen immer nur dem physisch Schwächeren gegenüber Muth schöpfen , da ihnen ja nichts imponirt als körperliche Züchtigung . Von physischem Muth kann ja überhaupt nur dem Stärkeren oder gleich Starken gegenüber die Rede sein . Die Renommisten der Fechtböden , prahlend mit ihrem muskulösen Arm , die minder Gewandten abfertigend , laufen oft in der Schlacht davon . Duell ! Sollte er sein kostbares Loben , von welchem die Zukunft der Poesie abhing , aufs Spiel setzen , um einem werthlosen Junkerlein als Zielscheibe seiner Schießkunst zu dienen ? ! Nein , diese Farce der Selbstentehrung , zu Ehren eines formvollendeten Rowdie für das Gerippe einer moderzerfressenen After-Ehre , sollte nicht den Mephisto des Zufalls ergötzen . Leonhart erhob und empfahl sich kurz , mit lebhaftem Bedauern , daß ihre Auffassungen so weit auseinander gingen . Schnapphahnitzkoy geleitete ihn mit stummer Verbeugung bis zur Thür . Von beiden Seiten war kein zuchtloses Wort gefallen . In dieser Hinsicht wenigstens verleugnete jener merkwürdige