den Entschluß nicht , als mir nach Abtrag dessen , was ich dem Manne und andern noch etwa schuldig war , von dem bei Herren Joseph Schmalhöfer erworbenen Reichtume nicht so viel übrigblieb , womit ich hätte fahren können . Es reichte vielmehr zur Not für eine Fußwanderung hin , wenn ich das Geld genau einteilte , Tag und Nacht im Freien blieb und nur wenig Nahrung genoß . Um nun aber in den abgetragenen Kleidern nicht völlig einem Landfahrer ähnlich zu sehen , griff ich zum letzten Hilfsmittel , nämlich zu den Bildchen , die ich bei dem jüdischen Kunstschneider hängen hatte . Ohne Zeit zu verlieren , ging ich zu ihm , nahm auch jenes etwas größere , auf der Ausstellung verunglückte Stück mit und frug ihn , ob er mich für die drei Malereien neu und gut kleiden und was er noch an barem Gelde herauszahlen wolle . Zu letzterm war er natürlich nicht zu bewegen ; dafür fiel der Anzug leidlich gut aus , den zu liefern er nach seiner Geschäftsmaxime gleich bereit war ; er ließ sich sogar zur Leistung eines festen stattlichen Hutes herbei , dessen Rand den Hals gegen den Regen zu schützen versprach . Ich fand mich bei alledem wohl bedient und beraten und schied zufrieden von dem Nothelfer , nachdem ich in einer Hinterstube die Kleider gewechselt und ihm den abgelegten Habit als Zeichen meiner Erkenntlichkeit für menschenfreundliche Behandlung überlassen . Auf dem Rückwege schwankte ich , ob ich nicht den alten Schmalhöfer noch aufsuchen und von ihm Abschied nehmen solle . Ich besorgte jedoch , er könnte mich von neuem zu einem nichts entscheidenden und geisttötenden Arbeitsgewinne verlocken ; also vermied ich sein Haus , holte bei der Behörde noch meine Ausweispapiere und eilte , da der Abend nahte , nach Hause ; denn ich wollte mit angebrochener Nacht unverweilt die Wanderschaft antreten . Das war auch geraten , da der Wirt bereits den sämtlichen Hausrat fortgebracht und auch mein Bett weggeräumt hatte , unbekümmert , wo ich diese letzte Nacht noch schlafen möge . Ich fand ihn , wie er ganz allein in der stillen Wohnung stand , die von unsern Tritten und Worten einen ungewohnten Widerhall hören ließ , weil sie gänzlich leer war . Nur etwas Kleider und kleines Geräte lagen noch beieinander , was er nicht zusammenzupacken wußte , da es ihm an einer Kiste fehlte . Ich sagte ihm , er könne sich meines großen Koffers bedienen , den ich zunächst nicht brauche . Das nahm er ohne Dank an , wofür ich ihm auch einen Streich spielte . Denn als ich nun in meine zwei Zimmer ging , in eine Reisetasche ein Restchen Wäsche und meine schön gebundene Jugendgeschichte gesteckt hatte und mich umsah , was etwa noch zu tun wäre , entdeckte ich zu meinem Schrecken noch den Schädel des Albertus Zwiehan , der allein unversorgt zurückblieb . Erschüttert nahm ich das unselige Sphäroid , das nicht zur Ruhe kommen konnte , in die Hand und fühlte Gewissensbisse . Armer Zwiehan ! dachte ich , du bist einst von Ostindien nach der Schweiz gereist , von da nach Grönland und wieder zurück , dann hierher , und nun mag Gott wissen , was aus dir wird , den ich so leichtfertig vom Friedhofe genommen habe ! Aber das half nun nichts ; ich hob den Deckel meines leeren Koffers und legte den alten Schädel hinein , die weitere Fürsorge dem auf dem Sprunge stehenden Hauswirte überlassend , der sich in seinem Unstern so wenig liebenswürdig gegen mich benahm , obgleich ich seit länger als fünf Jahren an den Unterhalt seiner Familie so manchen guten Taler beigetragen . Dann trat ich mit umgehängter Tasche aus meiner besonderen Trauerwohnung in die allgemeine hinaus , gab dem Manne rasch die Hand und stieg die Treppe hinunter . Kaum war ich aber auf dem Flur angelangt , so rief der Unhold von oben her meinen Namen und schrie : » Da , nehmen ' s den auch mit , der gehört Ihnen ! « Gleichzeitig kollerte und polterte der Totenkopf die lange hölzerne Treppe herunter und schlug mir unsanft an die Fersen . Ich hob ihn auf ; in der vorgerückten Dämmerung ließ er erbärmlich den Unterkiefer fallen , der in Drähten hing , und schien so zu bitten , ihn nicht zurückzulassen . » So komm mit « , sagte ich , » wir wollen wieder zusammen heimgehen ! Es war eine merkwürdige Reise ! « Ich zwängte den Schädel mit Mühe in die Wandertasche , wodurch diese ein unförmliches Aussehen gewann , wie wenn ein Kommißbrot oder ein Kohlkopf darinsteckte . Nun hatte ich noch ein einziges Geschäft zu verrichten , das mir nicht leichtfiel . Seit dem sonderbaren und unverhofften Liebesabenteuer mit Hulda war ein Sonnabend von mir unbenutzt verstrichen und jetzt eben der zweite da . Durch die Nachrichten des hochzeitreisenden Landsmannes sowie durch die erfahrenen Traumgesichte waren mir Mut und Lust zur Verwirklichung der tannhäuserlichen Glückspläne vergangen ; und doch drängte mich jetzt ein Gefühl von warmer Dankbarkeit , selbst von zärtlicher Zuneigung und Erinnerung , nicht ohne ein Wort des Abschiedes , der Verständigung davonzugehen . Ich hoffte , das süße und ehrenwerte Geschöpf mit dem Geständnisse , daß ich kein Handwerksgeselle , sondern ein verarmter Künstler sei , der nicht wisse , was noch aus ihm werden solle , und vorerst das Land verlassen müsse , unschwer von seinen Gedanken abzubringen , über den abermaligen Verlust eines Liebhabers zu trösten und so im Frieden zu scheiden . Mit Tasche und Stab schon auf der Wanderschaft , schlug ich die Richtung nach der Straße ein , wo sie wohnte . Da es noch etwas zu früh war , trat ich in ein Gastbaus , um ein letztes Abendbrot in dieser Stadt zu mir zu nehmen . Dann fand ich bald im Laternenlichte das Haus und setzte mich im Schatten einer gegenüberstehenden Brunnensäule auf ein kleines Bänklein . Nun kam die anmutige