hatten und in die Stadt zu schaffen trachteten . Um aber jeden Mißbrauch und alles Übermaß bei jenen Spenden fernzuhalten , überwachte der König selbst diese Austeilungen : und Mataswintha , die ihn einmal mitten unter den bettelnden und dankenden Haufen angetroffen , hatte sich neben ihn auf die Marmorstufen der Basilika von Sankt Apollinaris gestellt und ihm geholfen , die Körbe mit Brot verteilen . Es war ein schöner Anblick , wie das Paar , er zur Rechten , die Königin zur Linken , vor der Kirchenpforte standen und über die Stufen hinab dem segenrufenden Volk die Spende reichten . Während sie so standen , bemerkte Mataswintha unter der drängenden , flutenden Volksmasse , - denn es war viel Landvolk ja auch von allen Seiten vor den Schrecken des Krieges in die rettenden Mauern zusammengeströmt , - auf der untersten Stufe der Basilika seitwärts ein Weib in schlichtem , braunem , halb über den Kopf gezogenem Mantel . Dies Weib drängte nicht mit den andern die Stufen hinan , um auch Brot für sich zu fordern : sondern lehnte , vorgebeugt , den Kopf auf die linke Hand und diesen Arm auf einen hohen Sarkophag gestützt , hinter der Ecksäule der Basilika und blickte scharf und unverwandt auf die Königin . Mataswintha glaubte , das Weib sei etwa von Furcht oder Scham oder Stolz abgehalten , sich unter die keckern Bettler zu mischen , die auf den Stufen sich stießen und drängten : und sie gab Aspa einen besondern Korb mit Brot , hinabzugehen und ihn der Frau zu reichen . Sorglich bemüht häufte sie mit mildem Blick und mit den beiden weißen Händen tätig das duftende Gebäck . - Als sie aufsah , begegnete sie dem Auge des Königs , das , sanft und freundlich gerührt , wie noch nie , auf ihr geruht hatte . - Heiß schoß ihr das Blut in die Wangen und sie zuckte leise und senkte die langen Wimpern . Als sie wieder aufsah und nach dem Weib im braunen Mantel blickte , war diese verschwunden . Der Platz am Sarkophag war leer . Sie hatte , während sie den Korb füllte , nicht bemerkt , wie ein Mann mit einem Büffelfell und einer Sturmhaube , der hinter der Frau stand , sie beim Arme gefaßt und mit sanfter Gewalt hinweggeführt hatte . » Komm , « hatte er gesagt , » hier ist kein guter Ort für dich . « Und wie im wachen Traum hatte das Weib geantwortet : » Bei Gott , sie ist wunderschön . « » Ich danke dir , Mataswintha ! « sprach der König freundlich , als die für heute bestimmten Spenden verteilt waren . Der Blick , der Ton , das Wort drangen tief in ihr Herz . Nie hatte er sie bisher bei ihrem Namen genannt , immer nur die Königin in ihr gesehen und angesprochen . Wie beglückte sie das Wort aus seinem Munde - und wie schwer lastete doch zugleich diese Milde auf ihrer schuldbewußten Seele ! Offenbar hatte sie sich zum Teil seine wärmere Stimmung durch ihr werktätiges Mitleid mit den Armen erworben . » O er ist gut , « sagte sie , halb weinend vor Erregung , » ich will auch gut sein . « Als sie mit diesem Gedanken in den Vorhof des ihr angewiesenen linken Flügels des Palastes trat - Witichis bewohnte den rechten - eilte ihr Aspa geschäftig entgegen . » Ein Gesandter aus dem Lager , « flüsterte sie der Herrin eifrig zu . » Er bringt geheime Botschaft vom Präfekten einen Brief , von Syphax ' Hand , in unsrer Sprache - er harrt auf Antwort ... « - » Laß , « rief Mataswintha , die Stirne furchend , » ich will nichts hören , nichts lesen . Aber wer sind diese ? « Und sie deutete auf die Treppe , die aus der Vorhalle in ihre Gemächer führte . Da kauerten auf den roten Steinplatten Weiber , Kinder , Kranke , Goten und Italier durcheinander , in Lumpen gehüllt - eine Gruppe des Elends . » Bettler , Arme , sie liegen hier schon den ganzen Morgen . Sie sind nicht zu verscheuchen . « - » Man soll sie nicht verscheuchen ! « sprach Mataswintha , nähertretend . » Brot , Königin ! Brot , Tochter der Amalungen ! « riefen mehrere Stimmen ihr entgegen . » Gib ihnen Gold , Aspa , alles , was du bei dir trägst und hole ... - « - » Brot ! Brot ! Königin , nicht Gold ! um Gold ist kein Brot mehr zu haben in der Stadt . « » Vor des Königs Speichern wird es umsonst verteilt . Ich komme gerade davon her , warum wart ihr nicht dort ? « » Ach Königin , wir können nicht durchdringen , « jammerte eine hagere Frau . » Ich bin alt , und meine Tochter hier ist krank , und jener Greis dort ist blind . Die Gesunden , die Jungen stoßen uns zurück . Drei Tage haben wir ' s umsonst versucht : wir dringen nicht durch . « - » Nein , wir hungern , « grollte der Alte . » O Theoderich , mein Herr und König , wo bist du ? Unter deinem Zepter hatten wir vollauf . - Da kamen die Armen und Siechen nicht zu kurz . Aber dieser Unglückskönig ... - « » Schweig , « sprach Mataswintha , » der König , mein Gemahl « und hier flog ein wunderschönes Rot über ihre Wangen - » tut mehr als ihr verdient . Wartet hier , ich schaffe euch Brot . Folge mir , Aspa . « Und rasch schritt sie hinweg . » Wohin eilst du ? « fragte die Sklavin staunend . Und Mataswintha schlug den Schleier über ihr Antlitz , als sie antwortete : » Zum König ! « Als sie das Vorgemach des Witichis erreicht , bat sie der Türsteher