Gegentheil ein gar nicht unbedeutendes Vergnügen gewährte . » Na , die alte Schachtel mit den « - hier machte der Mann eine Bewegung mit der rechten Hand an der Achsel herunter , in welcher eine lebhafte Phantasie flatternde Locken zu erblicken glauben konnte . » Sie meinen vielleicht Fräulein Duff ? lieber - wie heißen Sie denn eigentlich ? « sagte ich . » Wilhelm Kluckhuhn « , erwiederte der Mann . » Sie können mich , der Kürze wegen , immerhin Wilhelm nennen . « » Danke verbindlichst ! Also , lieber Wilhelm , weshalb meinen Sie , daß ich ein Landsmann von Fräulein Duff sei ? « » Na , die Alte hat Sie mir ja erschrecklich auf die Seele gebunden , und daß Sie dies Zimmer hier nach dem Garten heraus haben müßten , das eigentlich unserm Fräulein ihr Zimmer ist , und das sie auf einmal vor drei Tagen , Gott mag wissen warum , zum Fremdenzimmer gemacht hat . Es kam uns gleich ein bischen spanisch vor , denn Sie sind ja wohl man Arbeiter in unserem Herrn seiner Maschinenfabrik in Berlin , wie der Herr heut über Tisch einmal sagte . Ich bin auch aus Berlin , müssen Sie wissen ; na , und dann weiß man doch , daß so ein Maschinenbauer auch nicht gerade der Großmogul ist . Aber was soll man machen ? Wir müssen doch schließlich tanzen , wie die Alte pfeift , denn sonst verklatscht sie uns bei dem Fräulein , gnädigen Fräulein wollt ' ich sagen , und die bringt ' s denn an den Herrn , na , und dann ist natürlich der Teufel los . « » Also das ist der Geschäftsgang , « sagte ich lachend , » von Fräulein Duff durch das gnädige Fräulein zum Herrn Commerzienrath . « » Na , manchmal geht es auch umgekehrt , « erwiederte der philosophische Wilhelm , » was aber nicht so schlimm ist , denn mit der alten Schachtel wird man schon fertig , das ist eine ewige Wahrheit . « Ich mußte , als ich die Lieblingsphrase meiner guten Freundin aus dem frechen Munde dieses ironischen Schelmes hörte , mich umwenden , um nicht geradezu herauszulachen . » Na , und dann soll ich Sie auch fragen , ob Sie noch zu Abend essen wollen ? Unten wird in einer halben Stunde Thee getrunken . Dazu giebt es aber nichts , als alten Zwieback und dünne Butterstullen , und da meinte sie denn , Sie würden Hunger haben . « » Und den habe ich auch , lieber Freund , « sagte ich , » und Sie würden mir einen großen Gefallen thun , wenn Sie mir so ein kaltes Huhn und ein Glas Wein , oder was Sie sonst haben , bringen wollten . Und dann noch eins , lieber Wilhelm , ich bin nicht eigentlich ein Landsmann von Fräulein Duff ; aber Sie würden mich doch verbinden , wenn Sie der Dame fürderhin in meiner Gegenwart nicht anders als in ehrerbietiger Weise Erwähnung thun wollten . So , jetzt können Sie gehen , und dann fragen Sie bei dem Herrn Commerzienrath an , ob ich ihm noch vor dem Thee meine Aufwartung machen darf ! « Ich hatte diese letzten Worte in bedeutendem Tone gesagt , wahrhaftig nicht , um meinen Freund in der Livrée zu demüthigen , sondern nur , weil ich es , als Gast des Hauses , für meine Schuldigkeit hielt . Der scherzhafte Wilhelm sah mich halb verwundert , halb mißtrauisch an , und mochte finden , daß das alte Sprichwort trau , schau , wem ! auch ein Stück von einer ewigen Wahrheit enthalte . Während er meine Aufträge auszuführen ging , blickte ich mich , nicht ohne einige Neugier , in dem Gemache um , das bis vor drei Tagen das Zimmer des schönen launischen Mädchens gewesen sein sollte . Wunderlich ! so wunderlich , daß es kaum glaubbar schien ! Und doch sah es nicht aus wie ein Gastzimmer , und noch dazu für einen so bescheidenen Gast . Ein dicker , weicher Teppich in türkischem Muster bedeckte den Boden in seiner ganzen Ausdehnung . Die Vorhänge an den Fenstern , die Portièren an den Thüren waren von schwerem Damast , ebenfalls in einem bunten , phantastischen Geschmack , mit kostbaren Schnüren und Troddeln reich verziert . Mit dieser in meinen Augen orientalischen Pracht harmonirte die übrige Ausstattung . Ein sehr niedriger und sehr breiter Divan zog sich beinahe um drei Seiten des Gemaches herum , während auf der vierten , der Fensterseite , niedrige Sessel in den Nischen standen , und zwischen den Fenstern ein kostbarer , mit Perlmutter ausgelegter Schrank aus Rosenholz angebracht war . Von der Decke hing an vergoldeten Ketten eine Ampel von rothem Glase herab , welche trotz der beiden Kerzen , die auf dem Tische standen , ein sanftes Licht in dem Zimmer verbreitete . Als ich den einen Vorhang , hinter welchem ich eine Thür vermuthete , auseinanderzog , erblickte ich in einer tiefen Nische ein breites , niedriges Bett mit seidenen Kissen und Decken . Ich ließ den Vorhang wieder fallen . Und abermals blickte ich mich in dem Zimmer um , in immer tieferer Verwunderung über den sonderbaren Empfang , den man mir hier bereitet hatte . Auf dem Rosenholzschrank stand eine Vase mit frischen Blumen : Hyacinthen und Krokus . Als ich mich über die Vase beugte , den Duft einzuathmen , fiel mir ein blaues Seidenband in die Augen , welches sich durch die Blumen schlängelte . Auf dem Bande schienen Buchstaben mit goldenen Zeichen gestickt , aus denen ich , als ich genauer zusah , die Worte entzifferte : Suche treu , so findest Du ! In einem plötzlichen Uebergang meiner Stimmung , als müßte ich mich wehren gegen den wunderlichen Spuk , lachte ich gerade heraus , lachte ganz toll , schwieg aber plötzlich und ließ schnell die blaue rätselhafte Schlange wieder