des Erlösungswerkes in schuldiger Ehrfurcht zu bekennen . Auf der Kanzel und in ihren Schriften schmückten sie sich mit dem dem Protestantismus und der Philosophie abgeborgten Schaugepränge . Und vorzugsweise war es unser Deutschland , wo die Kirche am Abgrunde des Verderbens stand ! Eine Literatur , die man zur classischen gestempelt noch bei Lebzeiten jener maßlos vergötterten Herren von Goethe und Schiller , drang bis tief in die untersten Volksschichten und erzeugte dies noch immer andauernde Doppelleben unserer Nation , politisch und kirchlich sowol wie moralisch , letzteres in einer mühsam behaupteten positiven Welt und einem sogenannten idealen Weltbürgerthum : Ueberall sah man auf diese Art unsere Entwürdigung ! Und der Staat , mit Verzweiflung kaum sich selbst behauptend in dem großen Revolutionssturm Bonaparte ' s , der rächte sich dann auch wieder seinerseits bis zur Schamlosigkeit gegen die schwachen Untergebenen , zunächst die Diener Gottes . Die kleinen Fürstenthümer , die entweder selbst unter geistlicher Obhut standen oder nur unsern Glauben bekannten , waren an sich schon leider dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen . Wilde , zerstörende , neuernde Gedanken , die von Aufbau sprachen und den Riß ihrer Pläne nach Modellen der Phantasie entwarfen , blieben damals ohne alle Rücksicht auf das Gegebene . Nichts galt für geistvoll , nichts für schön , nichts für groß , was nicht dem Wesen des Freimaurerthums entsprach . Ich will von dem Elend nicht sprechen , das bekenntnißtreue französische Bischöfe in der Verbannung auf englischem Boden zu Bettlern machte ; im eigenen Vaterland konnte man erleben , daß die Mittel fehlten , dem äußern Gottesdienst den letzten Rest seiner erhabenen Würde zu erhalten . Ja , aber wie ist das nun alles mit Gottes Beistand so wunderbar anders geworden ! So groß , so herrlich , mein lieber Herr von Asselyn , und kaum nach einem einzigen Menschenalter ! Lediglich durch die gewaltige Widerstandskraft und firmamentfeste Vis inertiae des zuwartenden und seine rechte Zeit erkennenden römischen Princips ! Bonaventura wagte auf die herablassende Vertraulichkeit des Sprechers zu erwidern ... Er wagte den in die Tiefe gehenden deutschen Geist selbst zu nennen als den , der hier dem römischen Princip die stärkste Hülfe gebracht hätte . Ja er wagte , da der Kirchenfürst schwieg und ruhig seine Pfeife ausklopfte und sie aus einer gewöhnlichen , mit grüner Schnur besetzten Tabacksblase neu füllte , die Literatur und die Kunst zu nennen und ließ die Namen einiger Geister fallen , die man in dieser Verbindung zu nennen pflegt ... Der Graf hörte ruhig zu , rauchte wieder und ermunterte durch sein Schweigen fortzufahren . Ob vielleicht im Vorzimmer noch jemand wartete , ob ein Brief seines Königs unerbrochen lag , alles das schien ihm jetzt völlig unwesentlich ... Das gedemüthigte deutsche Vaterland , sagte Bonaventura , mußte sich aus seiner Gegenwart flüchten und neue Kraft sammeln in der Erinnerung an seine Vergangenheit ! Fehlende deutsche Treue , Tapferkeit und Muth lagen nur noch in den Beispielen unserer alten deutschen Tage ! Aus den gebrochenen Burgen auf unsern Bergesspitzen erhoben sich im Dämmerschein der Dichtung die Geister der abgeschiedenen Zeiten , aber zur glücklichsten Vorbedeutung ; die Nebel fielen dann , und die Welt , die wir vergessen wollten , ja die wir vergessen mußten , diese lag nun nicht mehr vor uns ; eine neue hatte sich aufgethan , es war die Welt , die uns die Forschung errungen hatte . Die Rosen in den bunten Domesfenstern fingen wieder an zu glühen ; die steinernen Bilder an den Kreuzwegen sprachen wieder dem ermüdeten Wanderer mit lebendigem Munde ; eine Pilgerschar , die mit einer Fahne voraus und dem Bilde des geopferten Lamms durch goldene Saatfluren auf einen Berg mit einer wunderthätigen Erinnerung zog , war kein Zug von Narren mehr , die man verspottete . Künstler folgten und setzten sich auf einen Vorsprung dieses Berges und zeichneten die Scene voll Andacht und Hingebung . Kunst und Poesie verjüngten den abgestorbenen Glauben . Die Zeit war es , wo man um jene Marieen , die mit dem Lilienstengel in der Hand , mit Myrte und Maßlieb im Haar der Verkündigung sich neigen , um Bilder alter Meister , die man früher verlacht hatte , jetzt goldene Rahmen zog , größere und prachtvollere , als die einfachen kleinen Bilder selbst waren ! Der Kirchenfürst ging auf und nieder und ließ eine Pause beiderseitigen Stillschweigens ... Dann erwiderte er : Sie waren gestern in Begleitung des Franciscanermönchs , Pater Sebastus ? Ein : Ja , Eminenz ! erstarb auf Bonaventura ' s Lippen , der diese Erwiderung nicht erwartet hatte , aber ahnte , was sie als Antwort sagen konnte . Ich ließ den Pater durch Michahelles rufen ! fuhr der Graf fort . Er wird jetzt , denk ' ich , da sein ! Ja , ich wünschte , daß Ihr berühmter Name , Ihr edler Geist , Ihre großen Talente sich zum Heil der Kirche bewährten , Herr von Asselyn ! Aber das Gebiet auch Ihrer Anschauungen muß sich erweitern oder vielleicht verengern , je nachdem . Das Leben des Volkes ist der wahre Tummelplatz eines Priesters , der dem Reiche Gottes dienen will . In dem gesunden Gefühl der Völker - Doch treten Sie dort hinüber ! Hören Sie eine nothwendige Verhandlung mit dem Pater ! Eine Scene wird uns mehr verständigen , als eine Debatte , und Sie wissen , die Zucht des Priesters beruht auf Gegenseitigkeit . Bonaventura begriff nicht , was der Kirchenfürst beginnen konnte ... Priester Immanuel aber hob einen Vorhang , der sich in dem Winkel befand , auf den er gedeutet hatte , und sagte : Ich mache Sie nicht zum Lauscher ! Der Mönch wird später selbst erfahren , daß Sie zugegen waren und gehört haben , was ich mit ihm verhandelte ! Es sei ein Exercitium ! Und eines für uns - alle drei ! Perinde ac cadaver essetis ! Gehorsam , als wenn ihr Leichname wäret ! sagte eine Stimme in Bonaventura ' s