ist allerdings eine wichtige und ihre richtige Beantwortung von der größten Bedeutung ; aber eben die richtige Beantwortung in allen ihren Einzelnheiten dürfte eine der schwersten Aufgaben sein , und ich getraue mir nicht , von mir zu behaupten , daß ich diese richtige Beantwortung zu geben im Stande wäre . Auch liegt dieser Gegenstand unserem heutigen Gespräche zu ferne , und wir können ein anderes Mal von ihm reden , so weit wir im Urteile über ihn zu kommen vermögen . Das ist gewiß : wenn auch im gegenwärtigen Staatsdienste Veränderungen notwendig sein sollten , und wenn die Veränderungen in dem früher angeführten Sinne vor sich gehen werden , so hat der gegenwärtige Zustand doch in den allgemeinen Umwandlungen , denen der Staat so wie jedes menschliche Ding und die Erde selbst unterworfen ist , sein Recht , er ist ein Glied der Kette und wird seinem Nachfolger so weichen , wie er selber aus seinem Vorläufer hervor gegangen ist . Wir haben schon vielmal über Lebensberuf gesprochen , und daß es so schwer ist , seine Kräfte zu einer Zeit zu kennen , in welcher man ihnen ihre Richtung vorzeichnen , das heißt , einen Lebensweg wählen muß . Wir hatten bei unsern Gesprächen hauptsächlich die Kunst im Auge , aber auch von jeder andern Lebensbeschäftigung gilt dasselbe . Selten sind die Kräfte so groß , daß sie sich der Betrachtung aufdrängen und die Angehörigen eines jungen Menschen zur Ergreifung des rechten Gegenstandes für ihn führen , oder daß sie selber mit großer Gewalt ihren Gegenstand ergreifen . Ich hatte außer den Eigenschaften meines Geistes , die ich Euch eben darlegte , noch eine besondere , deren Wesenheit ich erst sehr spät erkannte . Von Kindheit an hatte ich einen Trieb zur Hervorbringung von Dingen , die sinnlich wahrnehmbar sind . Bloße Beziehungen und Verhältnisse sowie die Abziehung von Begriffen hatten für mich wenig Wert , ich konnte sie in die Versammlung der Wesen meines Hauptes nicht einreihen . Da ich noch klein war , legte ich allerlei Dinge an einander und gab dem so Entstandenen den Namen einer Ortschaft , den ich etwa zufällig öfter gehört hatte , oder ich bog eine Gerte , einen Blumenstengel und dergleichen zu einer Gestalt und gab ihr einen Namen , oder ich machte aus einem Fleckchen Tuch den Vetter , die Muhme ; ja sogar jenen abgezogenen Begriffen und Verhältnissen , von denen ich sprach , gab ich Gestalten , und konnte sie mir merken . So erinnere ich mich noch jetzt , daß ich als Kind öfter das Wort Kriegswerbung hörte . Wir bekamen damals einen neuen Ahorntisch , dessen Plattenteile durch dunkelfarbige Holzkeile an einander gehalten wurden . Der Querschnitt dieser Keile kam als eine dunkle Gestalt an der Dicke der Platte quer über die Fuge zum Vorscheine , und diese Gestalt hieß ich die Kriegswerbung . Diese sinnliche Regung , die wohl alle Kinder haben , wurde bei mir , da ich heran wuchs , immer deutlicher und stärker . Ich hatte Freude an allem , was als Wahrnehmbares hervorgebracht wurde , an dem Keimen des ersten Gräsleins , an dem Knospen der Gesträuche , an dem Blühen der Gewächse , an dem ersten Reife , der ersten Schneeflocke , an dem Sausen des Windes , dem Rauschen des Regens , ja an dem Blitze und Donner , obwohl ich beide fürchtete . Ich ging zusehen , wenn die Zimmerleute Holz aushauten , wenn eine Hütte gezimmert , ein Brett angenagelt wurde . Ja die Worte , die einen Gegenstand sinnlich vorstellbar bezeichneten , waren mir weit lieber als die , welche ihn nur allgemein angaben . So zum Beispiele traf es mich viel mächtiger , wenn jemand sagte : der Graf reitet auf dem Schecken , als : er reitet auf einem Pferde . Ich zeichnete mit einem Rotstifte Hirsche , Reiter , Hunde , Blumen , mit Vorliebe aber Städte , von denen ich ganz wunderbare Gestalten zusammensetzte . Ich machte aus feuchtem Lehm Paläste , aus Holzrinde Altäre und Kirchen . Ich nenne diesen Trieb Schaffungslust . Er ist bei vielen Menschen mehr oder minder vorhanden . Eine noch größere Zahl aber hat die Bewahrungslust , von der der Geiz eine häßliche Abart ist . Selbst in späteren Jahren trat diese Lust nicht zurück . Da ich einmal an unserem schönen Strome zu wohnen kam , und im ersten Winter zum ersten Male das Treibeis sah , konnte ich mich nicht satt sehen an dem Entstehen desselben und an dem gegenseitigen Anstoßen und Abreiben der mehr oder minder runden Kuchen . Selbst in den nächst folgenden Wintern stand ich oft stundenlange an dem Ufer und sah den Eisbildungen zu , besonders der Entstehung des Standeises . Das , was vielen so unangenehm ist , das Verlassen einer Wohnung und das Beziehen einer andern , machte mir Lust . Mich freute das Einpacken , das Auspacken und die Instandesetzung der neuen Räume . In den Jünglingsjahren trat eine weitere Seite dieses Triebes hervor . Ich liebte nicht bloß Gestalten , sondern ich liebte schöne Gestalten . Dies war wohl auch schon in dem Kindertriebe vorhanden . Rote Farben , sternartige oder vielverschlungene Dinge sprachen mich mehr an als andere . Es kam aber diese Eigenschaft damals weniger zum Bewußtsein . Als Jüngling begehrte ich die Gestalten , wie sie als Körper aus der Bildhauerei und Baukunst hervor gehen , als Flächen , Linien und Farben aus der Malerei , als Folge der Gefühle in der Musik , der menschlich sittlichen und der irdisch merkwürdigen Zustände in der Dichtkunst . Ich gab mich diesen Gestalten mit Wärme hin , und verlangte Gebilde , die ihnen ähnlich sind , im Leben . Felsen , Berge , Wolken , Bäume , die ihnen glichen , liebte ich , die entgegengesetzten verachtete ich . Menschen , menschliche Handlungen und Verhältnisse , die ihnen entsprachen , zogen mich an , die andern stießen mich ab . Es war , ich