ihren schönen Augen vielleicht oftmals nach der Thüre blickt , durch welche ich nicht herein treten werde , dabei ein angefangenes , so süßes Gespräch im Herzen , das ich heute nicht fortsetzen kann . - Und die Frage , ob sie wirklich nach mir gesehen , ob sie mich gegrüßt ! Heute hätte ich um eine Antwort in sie dringen können . - Ach ! und es ist so süß , von der Geliebten eine Antwort zu erstehen , ihr eine Bejahung zu erschmeicheln . - Wenn ich aber morgen oder in einigen Tagen davon wieder anfangen will , so kann ich mich lächerlich machen . - Das Alles steht für mich auf dem Spiel . - Ah ! und noch viel mehr ! - Vielleicht das ganze Glück meines Lebens , denn wer weiß , ob ich sobald wieder eine ähnliche günstige Gelegenheit finde , mich gegen sie aussprechen zu können . - Verdammt ! - Nein , sage noch Jemand , irgend ein Mensch auf dieser Erde habe seinen freien Willen ! Das ist eine Lüge , kein Mensch ist frei ! Der Wille von Niemanden reicht über die nächste Minute hinaus , Jeder hat die Kette am Fuß , er fühlt sie nur zuweilen weniger , wenn nämlich das Schicksal nicht gerade Lust hat , dieselbe schärfer anzuziehen . « - Unter diesen anmuthigen Betrachtungen war der Graf an das uns bekannte Fenster getreten , stützte sich mit der Hand auf die Stuhllehne und starrte in den kleinen Hof hinaus . Dieser war jetzt bei Nacht wo möglich noch trostloser als bei Tage ; ein paar einsame Gaslaternen in den Ecken warfen einen zitternden und ungewissen Schein in einem kleinen Kreise um sich her , einen Schein , der sich ordentlich vor der Dunkelheit zu fürchten schien , denn dort draußen , wo er mit ihr in Berührung kam , zuckte er jeden Augenblick zaghaft zusammen , und wenn er sich auch zuweilen etwas weiter ausdehnte , so flog er doch gleich darauf wieder erschrocken zurück und räumte der finsteren Nacht das Feld . - Und diese finstere Nacht hatte sich so behaglich in dem Hofe niedergelassen : die hohen Mauern der angrenzenden Gebäude lagen fast ganz finster da ; nur hie und da sah man ein schwach beleuchtetes Fenster , oder es schimmerte ein Lichtstrahl durch die Ritze irgend eines Ladens . » Und ihre Fenster ! « dachte traurig der junge Mann , indem er die Scheibe neben dem Tisch , an welchem er stand , öffnete und sich hinaus lehnte , um sie zu betrachten . Man sah gar nichts von ihnen : Alles war eine einzige schwarzgraue Fläche ; - Alles , Alles war verschwunden , was er heute Nachmittag so liebend angeblickt ; verschwunden die Blumen dort oben , verschwunden auch die goldene Fahne auf dem Dach mit ihrem kleinen Sonnenstrahl , der ihm entgegen geglänzt wie eine süße Hoffnung . - » Und der Herzog ! « dachte er plötzlich und richtete sich hoch auf ; » was mag er vorhaben , daß er sich bei dem Spiel seiner Mutter entschuldigt ? - Auf jeden Fall etwas Wichtiges , sonst hätte er es nicht gethan . - Bah ! wer weiß , wo er herumschwärmt ! - Nein , nein , « sprach er ängstlich nach einer Pause zu sich selbst , » das ist nicht möglich ; das wäre ja schrecklich ! - Aber er sagte Eugenie einige leise Worte , er fragte sie etwas - sie antwortete ihm , und dann sah er wie verklärt aus . - Ah , Teufel ! - wenn da etwas dahinter steckte ! Wenn sie absichtlich mit mir so freundlich gewesen wäre , um allen Verdacht zu entfernen ! - Wenn man ein abgekartetes Spiel mit mir getrieben ! - Wenn der Herzog statt meiner hinginge ! - Aber nein , nein ! der Major wird und kann so etwas nicht dulden . - Dulden ! « wiederholte er darauf grimmig lachend ; » dulde ich nicht auch ? - Und ist er nicht eben so gut Sklave seiner Verhältnisse wie ich ? - Ich werde hier zum Spiel kommandirt , ihm wird dort befohlen , den Herzog freundlich zu empfangen . - Wenn ich alles das wirklich glauben könnte , « sagte er nach einer Weile mit ruhigerem Tone , » so stände ich wahrhaftig nicht für einige Unannehmlichkeiten , die mir heute Abend bei der allerhöchsten Whistpartei geschehen dürften . - Deßhalb nein , nein ! - nein ! - aller Welt zum Trotz ! « Da hörte er die Stimme eines Lakaien , der unten im Hofe laut und deutlich rief : » Der Wagen des Herrn Herzogs ! « - Darauf rollte eine Equipage mit dumpfem Tone unter das gewölbte Thor , der Schlag wurde geöffnet , der Tritt fiel herab ; es mußte Jemand eingestiegen sein , - jetzt dasselbe Geräusch beim Schließen des Wagens . Worauf die Stimme von vorhin abermals rief : » Nach dem Hause des Herrn Major v. S. « - Im gleichen Augenblicke öffnete einer der Kammerdiener die Thüre zum Adjutantenzimmer und sagte mit leisem angenehmem Flüstern : » Euer Erlaucht werden verzeihen - es schlagt soeben acht Uhr ; die allerhöchsten Herrschaften begeben sich in ' s Spielzimmer . « Siebenundfünfzigstes Kapitel . Die Spielmarken des Herzogs . Man spielte in den Apartements der Frau Herzogin . Das waren zierliche , elegant eingerichtete Gemächer , nicht von den übergroßen Dimensionen derer Ihrer Majestät , und deßhalb für eine kleine Gesellschaft angenehmer und behaglicher . Die Frau Herzogin liebte den Komfort und eine freundliche Umgebung . Deßhalb hatte sie aus ihren Zimmern die unvermeidlichen steifen Sopha ' s mit den dazu gehörigen zwölf Sesseln , ein gewöhnliches Ameublement der Schlösser , das an einer furchtbaren Familienähnlichkeit leidet , sowie die zopfigen Vasen , die allzu derben Tabourets und die Tische von Holz , Messing und Marmor entfernen lassen und dagegen ihre Einrichtung