ohne daß wir einen Augenblick aus unserer wahren Bestimmung und Eigenschaft herausgehen . Wenn nun schon unter den hervorragenden Existenzen jenes künstlichen Ernährungsverkehres ein solches Durcheinander von Geltung , Pflicht , Ehre und Zweckmäßigkeit herrscht , so daß diese in jedem Augenblicke und an jeder Stelle einen andern Maßstab und eine andere Anerkennung verlangen , eine andere Energie und eine andere Geschicklichkeit , wie schwierig wird diese Verwickelung erst für den unbefangenen und einfach gearteten Neuling , Kleinen und Werdenden ! Weit entfernt , sein wahres Wesen hervorkehren zu dürfen und dieses einfach wirken zu lassen , soll er tausend kleine Künste und Fähigkeiten lügen oder gewaltsam erwerben , welche zu allem , was er sonst ist , treibt und gelernt hat , sich vollkommen unsinnig und zweckwidrig verhalten . Er soll lernen , auf den Vorteil zu schießen , wie eine Spinne auf die Mücke , während vielleicht die besondere Natur seines Berufes langsam , gründlich und beschaulich ist ; er soll demütig und kriechend sein , wo er stolz sein möchte , und hinwieder unverschämt und prahlerisch , wo er nur bescheiden sein kann ; er muß geizig und zurückhaltend sein mit dem Reifen und Fertigen , das sich wie die Frucht von dem Baume seines Daseins ablösen will , und er muß hinwieder mit blutendem Herzen freigebig sein mit dem Unreifen und Werdenden und es wegwerfen um des Erwerbes willen . Wenn er nimmt , was ihm gebührt , so muß er dafür danken , und erst wenn er empfängt , was ihm nicht gebührt , so ist er des Dankes quitt und hat Ehre davon , so daß schon die notwendige Angewöhnung und Gewandtheit des Erwerbes unwillkürlich nach einem verwerflichen Ziele führt . Welch eine Menge von kleinen persönlichen und gesellschaftlichen Verumständungen gehört dazu , wenn es dem jungen Künstler gelingen soll , sein Erstlingswerk an den Mann zu bringen , und von diesem einzigen Erfolge hängt meistens das weitere glückliche Fortschreiten der nächsten fünf , ja zehn Jahre ab , die Entscheidung , ob die lange Jugend bis tief in die Männerjahre hinein eine blühende und glückliche Zeit oder eine dürre und finstere sein , freilich auch oft , ob der Mann auf der leichtfertigen und oberflächlichen oder auf der tieferen und nachhaltigen Seite des Lebens stehen soll . Gleich dem armen Weibe , dessen Leben im Niedergange ist und welches aus zarter Baumwolle und etwas Goldschaum ein Schäfchen wickelt , dasselbe auf den Weihnachtsmarkt trägt und dort mit seinen vier steifen Beinchen auf einen trockenen Stein setzt , gewärtigend , ob einer von den tausend Vorübergehenden seinen Blick auf das Schäfchen lenke und dasselbe kaufe , stellt in der Regel der junge Kunstmann , dessen Leben im Aufgange ist , sein erstes Werk an einen öffentlichen Ort , und all sein Vertrauen und seine Hoffnung auf das , was er gelernt und geleistet hat , vergessend , ist er schon bereit , nur den Zufall zu preisen , der einen geneigten Käufer vor sein Weihnachtslämmchen führt und durch ein halbes Almosen vielleicht seinem Lebenslaufe den Ausschlag gibt . Als Heinrich zu Ende des ersten Jahres seinen letzten Taler in der Hand hielt , und vorher keinen Augenblick , machte er endlich ernstliche Anstalten , sich sein Brot zu erwerben , und zweifelte nicht im mindesten , daß dieses bei der ersten offenen Bemühung sofort gelingen werde , zumal er täglich Arbeiten verkaufen sah , welche zustande zu bringen er für kein Hexenwerk hielt . Er beschloß , ein Bild auszustellen , und ersann zu diesem Ende hin ein anmutiges und reichhaltiges Motiv , welches nicht nur die Entfaltung poetischer Einfälle und feiner Zeichnung , sondern auch schöne Farbenverhältnisse von selbst bedingte und mithin ein sehr glücklich und richtig gewähltes war . Als er es entworfen hatte , ersuchte er einen Künstler , welchem er vom Sehen einigermaßen bekannt war , ihn einmal mit seinem Besuch zu beehren und seines guten Rates teilhaftig zu machen . Der Künstler , ein stattlicher verheirateter Mann mit einem ansehnlichen Leibe , war einer von denen , die in der Wolle sitzen , und er verdiente es auch vollkommen ; denn er war ein gesunder und meisterhafter Kumpan und schritt mit seinen schön und energisch gemalten Bildern , die von selbst eine glänzende Kritik alles Schwächlichen waren , rüstig über den krabbelnden und kletternden Anspruch des gedankenlosen Haufens hinweg . Sein Wahlspruch war » Erst etwas recht lernen und dann gute Musik machen ! Nichts trübseliger , als allerlei lernen und dann schlecht musizieren ! « Es war seit Jahren das erste Mal , daß ein erfahrener Meister wieder Heinrichs Arbeit beriet und kritisierte , und dieser fand alle Ursache , über sein eigenes Ungeschick zu erstaunen , als der Mann in seinem Entwurfe herumwirtschaftete und denselben so trefflich behandelte und zusammenrückte , daß durch die Anwendung der kräftigen und praktischen Meisterkünste des dicken Herrn Heinrichs Idee erst schön und wahrhaft idealisiert wurde . Es zeigte sich , daß das reale technische Wissen und Empfinden allein die Gedanken gut macht und noch bessere von sich aus vermittelt und hervorzurufen imstande ist . Durch das bloße Besprechen und Durcharbeiten der äußeren technischen Seite des Gegenstandes taten sich mehrere ganz neue und glückliche Motive auf , welche gewissermaßen in der Natur der Sache lagen und doch die ursprünglichen Erfindungen des armen Heinrich , so geistreich dieselben waren , an Wirkung weit hinter sich ließen . Der Künstler hatte in einer halben Stunde , immerfort sprechend , auf ein besonderes Blatt seine Meinung hingezeichnet und so in aller Raschheit eine treffliche Meisterskizze hergestellt , welche füglich für eine wertvolle Handzeichnung gelten konnte und welche Heinrich mit äußerstem Wohlgefallen betrachtete . Als aber die Audienz beendigt war , faltete der Meister ruhig das Blatt zusammen , steckte es in die Tasche und überließ den dankbaren Heinrich freundlich seinen weiteren Bestrebungen . Dieser setzte sich denn auch rüstig an die Arbeit ; allein hier ahnte er eben nicht , woran es lag , daß