Leidenfrost ' s outrirte Grillen das im Atelier beliebte Melanie-Thema wieder in Gang kam . Heinrichson zog sich einen eleganten Frack an und rief : Leidenfrost profanirt das Atelier ! Er zeichnet hier Grundrisse zu Pferdeställen ! Seine Phantasieen von Kalmücken und hereinbrechenden Baschkiren sind nun erklärlich . Wie können Künstler so sich von der Unruhe des Tages erschüttern , ja wegreißen lassen ! setzte er ärgerlich hinzu . Proletariat , Communisterei ... welche Worte in einem Atelier , das Sie selbst so schön , so poetisch in Ihrem gefeierten Bilde geschildert haben ! Ist Das auch nichts , daß wir Künstler und Genossen von Ihnen Alle verspottet wurden , daß Sie mich darstellten , wie ich in Fräulein Schlurck eine Sphinx sahe - Reichmeyer warf hinein : Und ich ein Meerweib mit goldenen Schuppen am Leib - Beide Collegen wurden boshaft , worunter mehr Siegbert als Leidenfrost litt , der jedoch Siegberten durch eine Bemerkung beisprang , die er so obenhin einwarf . Warum nicht eine Leda ! sagte er . Heinrichson hätte dann nicht nöthig gehabt , die Auguste Ludmer zu copiren . Die Wirkung dieses Namens war auf die Maler eine komische . Man lachte und sah zu dem ärgerlich die Augen niederschlagenden Heinrichson hinüber ... Leidenfrost hatte ein zweideutiges Mädchen genannt . Wissen Sie , wo Auguste Ludmer jetzt wohnt ? fuhr Leidenfrost boshaft fort . In der Brandgasse Nr. 9 , Zimmer Nr. 17. Sie sind maliciös , sagte Heinrichson , und dennoch loben wir Sie ! Solche Gesinnung ist also auch nichts ? Künstleraufopferung , Hingabe aller Eitelkeit , rein der Idee des Schönen wegen , ist Das auch nichts ? Oder ist es eine Gesinnung , würdig der bezahlten Sklaven , die den Reichen die Honneurs machen ... Ich prophezeie Ihnen - Vergessen Sie Ihre Rede nicht , Heinrichson , sagte Leidenfrost , da will Sie eben ein Abgesandter des versammelten Volkes von Athen sprechen ! Freier Künstler , wahrscheinlich sollen Sie für den delphischen Apoll eine Skizze zu einem geschmackvolleren Dreifuß machen , damit Ihre Prophezeiung besser gedeiht .. Heinrichson wandte sich um . Ernst , der Bediente der Frau von Harder , stand in glänzender Livree schon länger hinter ihm , hatte mit schlauem Lächeln die Späße über die verstoßene Nichte der alten Ludmer gehört und richtete den Auftrag aus : Frau Geheimräthin lassen Herrn Heinrichson ersuchen , heut Abend zum Thee zu kommen . Es wird große Gesellschaft sein . Als Heinrichson bejahend und etwas erröthend genickt und Ernst sich kurz und bündig entfernt hatte , rief Leidenfrost : Tusch ! Hurrah ! Tatterata ! Tusch ! Er blies dabei , als sollte ein ganzes Orchester sein Vivat unterstützen ... Bester Freund , setzte er zuletzt spottend hinzu , gilt die Einladung dem Maler oder Ihnen selbst , sozusagen als schönem Modell ? Ist Das einfache Anerkennung oder Anerkennung der Anerkennung ? Sollen Sie dieser alten Pythia an dem Theekessel der Begeisterung Liebe einflößen ? O heiliger Apollo , ich schwöre dir , auf diese Verirrung eines Collegen mach ' ich keine Satire , denn statt einer Sphinx wäre ich da versucht , eine alte Nachteule aus dem Geschlechte der großen Neuntödter zu malen . Heinrichson biß sich auf die Lippen . Äußerlich aber nahm er den Spott nicht übel , sondern antwortete in der ihm eignen feinen und gewandten Art : Damit würden Sie die ganze Wahrheit treffen , bester Freund ; denn die Eule ist der Vogel der Minerva . Ich lerne Weisheit bei jener Frau . Man sieht Ihnen an , daß Sie nicht zu ihren Protégé ' s gehören ... Reichmeyer wandte sich und bemerkte verstimmt : Gesellschaft bei Harder ' s ? Schade ! Wie so ? fragte Heinrichson . Ich komme da in Verlegenheit ... Ruhe ! Stille ! rief Leidenfrost spottend . Apelles und Polygnot schütten ihre Verlegenheiten aus ... Aspasia hätte wol auch Beide zum Thee laden können ! Leidenfrost , schweigen Sie ! sagte Heinrichson zornig . Was ist ? wandte er sich leise zu Reichmeyer . Ich wollte den Abend zur Geheimräthin , sagte Reichmeyer , da mir die Gräfin d ' Azimont , der ich heute freilich schon sehr früh um elf meine Aufwartung machen wollte , um sie als Pariser Gönnerin zu begrüßen , sagen ließ , sie wäre unfähig mich anzunehmen und ersuche mich , wenn ich sie sehen wollte , heute Abend zur Harder zu kommen , falls ich dort eingeführt wäre . Sie würde sich dort einige Augenblicke zeigen . Zweiter Tusch ! rief Leidenfrost . Vornehme Verachtung ! Sie würde sich da einige Augenblicke zeigen ! Für Geld sehen lassen ! Vielleicht läßt sie beim Vorüberschlüpfen eine gnädige Bestellung fallen , die Spiegelprinzessin ! Siegbert lächelte still für sich über diesen ungeschlachten Gesellen und arbeitete . Sie irren , sagte Reichmeyer zu Leidenfrost gereizt . Die Gräfin weiß sehr wohl , daß ich den Grund ihrer Zurückgezogenheit verstehe . Sie hat ein Verhältniß mit dem Prinzen Egon von Hohenberg , der in Paris mit ihr gebrochen hat . Sie ist ihm nachgereist , hat ihn sehr krank gefunden und ist davon wahrscheinlich so erschüttert , daß sie sich vor Niemandem sehen läßt , außer , wo sie muß ... Außer auf der großen Parade heute bei Heinrichson ' s Minerva - ergänzte Leidenfrost . Haltet Euch an sie , Jungen ! Sie braucht eine öffentliche Demonstration ihres Schmerzes . Wie wär ' s mit einer weinenden Heiligen aus dem Kalender ? Oder mit Miniaturen zu einem Gebetbuche , das ihre Augen benetzen werden ? Hundert Louisdors für eine Magdalena , die zur Abwechselung einmal im gelben Duft interessante Thränen weint ! Heinrichson , ohne auf diese impertinenten Zwischenreden weiter zu achten , sagte zu Reichmeyer , er sollte ganz einfach zur Harder kommen , er würde ihr so willkommen sein wie immer und ihm gewiß den Gefallen thun , auch ihn mit der so vielgerühmten jungen Halbfranzösin bekannt zu machen ... Siegbert hatte bei