hiemit zum ersten , zweiten und dritten Male . « - Der Verhüllte , von dem früher gesprochen , wankte heran , umgeben von seinen Begleitern . - » Schöppe ; « sprach der Freigraf ernst : » wir finden Eure Klage ungegründet . Wollt Ihr sie beschwören auf Euern Eid , oder beweisen , daß Ihr den beklagten Mann ergriffen auf handhafter That ? oder weiter führen die Klage vor die Kammer des Reichs zu Dortmund ? « - Der Kläger schüttelte den Kopf , und sprach mit halberloschner Stimme : » Nein , mein Herr Graf . Nimmer soll das geschehen . Die schwerste Pflicht hab ' ich als redlicher Freischöppe in Treuen und Wahrhaftigkeit zu erfüllen geglaubt . Der Himmel will , daß ich erliege mit meiner Klage . Ich schwöre nicht auf meinen Eid und meine Pflicht ; denn dieser wäre dann verloren , und Gott will , daß er frei ausgehe . Auf handhaftiger That hab ' ich ihn nicht ergrisfen , und kann nicht Zeugniß stellen ohne Lüge , und vor dem Spiegel der rothen Erde trage ich meine Schande fürder nicht . « - Das Blut in Dagobert ' s Adern starrte , denn die Stimme seines leiblichen Vaters war in der des Klägers nicht zu verkennen . Gewaltsam mußte er an sich halten . Als aber der Gedemüthigte fortfuhr : » So unterwerfe ich mich denn der Strafe , die des Freigerichts Ordnung selbst gegen den Wissenden verhängt , und biete meinen Hals der Weide , wie der Beklagte hätte thun müssen ; ... « da konnte Dagobert nicht ferner schweigen ; sondern stürzte mit dem Ausrufe : » Barmherziger Himmel ! mein Vater ! « gegen den Stuhl hin : » mein armer getäuschter Vater sterben für mich ? O ihr Herren der Vehme ! Das nicht , das nicht dem ärmsten betrogenen Greise , den ein grausam Verhängniß gezwungen hat , den Sohn selbst anzuklagen auf peinliche Strafe ! « - Der Freigraf winkte ihm Stille zu . Indem trat ein Andrer auf , dessen Rede und Geberde den Oberstrichter verrieth : » Herr Graf , « sagte er : » Dieses heutige Freigeding ist merkwürdig durch den leichten Sieg , den eines Jünglings beredte Zunge und scheinbare Freimüthigkeit sonder Beweise über eines Wissenden Klage davon getragen . Jedoch ; Euer Spruch , ihr Herren , ist einmal geschehen , und unumstößlich für uns . Übt jedoch Nachsicht gegen den Kläger , der mit Ehren seit langer Frist unter uns gesessen . Seine Klage war Pflicht ; eine gebotene . Die klare Wahrheit ist noch nicht am Tage . Sprecht daher kein blutig Urtheil . Es sey hinlänglich , ihn unfähig zu machen , ferner zu sitzen und zu klagen an gespannter Bank . « - » Diese Schande ? « rief Diether heftig entgegen : » Nimmermehr ! nehmt meinen Kopf , damit jener Mensch lebe ! « » Vater ! Vater ! « sagte hier Dagobert mit überwallendem Schmerze : » Vater ! Ihr versündigt Euch an mir . Habt Ihr denn mein Leben gewollt ? O dann Ihr Herren , nehmt es hin . Nehmt es in diesem Augenblicke . Haßt mich gleich der Vater unverdient , so will ich dennoch lieber alle Missethat bekennen , die man mir aufgebürdet , und als Ketzer und Ehrenschänder sterben , als daß nur ein Haar meines Vaters gekrümmt , seine Ehre nur mit einem Hauche verletzt werde . « - » Und diesen Sohn konntet Ihr verfolgen , Schöppe ? « fragte der Freigraf mit strengem Vorwurf : » Und die verderbliche Leidenschaft tobt noch in Euch ? Weniger zu hassen , als zu bemitleiden seyd Ihr , ein Spielwerk in den Händen des Zufalls und falscher Freunde . Ich sah voraus , in welchen Kampf Eure Seele gerathen würde , bei dieser unseligen Klage , die ich mit blutendem Herzen angenommen habe . Um dieses Mitleid zu üben , greife ich zu dem Mittel , das schon als ein letztes bereit lag , wäre auch der junge Mann überwiesen worden der Beschuldigung . Denn - nicht solle es heißen , daß unter meinem Vorsitze der Vater den Sohn gemordet habe auf der Stätte des Gerichts . Ich erkläre daher unsern Spruch nicht als ein kräftig Unheil , sondern weise die Klage ab . Der Junker Dagobert Frosch ist gefreit von der Vehme . Er ist der Kirche verlobt , und schon als Cleriker zu halten . Null und nichtig ist die Freisprechung , die ihm Johannes , der Papst , zugewendet . Johann war seines heiligen Amtes entsetzt , hatte selbst die Formel der Absetzung verlesen im Concilio , und war nicht mehr befugt , ein solches Kirchenrecht zu üben . Sein Mund konnte nicht mehr lösen was gebunden war durch fromme Gelübde : Dagobert Frosch , des Altbürgers Sohn , ist demnach noch Priester , frei von dem Zwang der Vehme , und wir überlassen es dem geistlichen Amte und dem Bischof , ihn zu seinen Kirchenpflichten anzuhalten , von welchen wir , da wir die Ladung gaben , nichts gewußt . Also haben wir abgeurtheilt nach altem Herkommen und Gesetzen des Kaisers und des Reichs , und zum Frommen legen wir dem Beklagten den Eid auf , geheim und hehr zu halten , was er an diesen Schranken des Freigedings westphälischen Gerichts gesehen und gehört . « - Dagobert wollte zwar anfangs mit keckem Muthe widersprechen , da der Freigraf von der Nichtigkeit feiner Freisprechung durch den Papst handelte , aber der Gedanke , daß dieses der einzige Weg sey , sich und den Vater von Schimpf und Schmach zu retten , verschloß ihm den Mund . Eben so willig leistete er den verlangten Eid auf das vorgehaltne Schwert , und ließ sich von dem Frohnboten wieder von dannen bringen . Der gute Mann nahm theilnehmend Abschied von dem Junkherrn , und sagte : » Ja , Herr ; Gott hat es wohl gemacht ; aber