und 1801 hatte er Reisen in die Mark , besonders in die Oderbruchgegenden gemacht und dabei die Frau von Friedland , eine Tochter des Generals von Lestwitz , sowie deren Tochter und Schwiegersohn , den Landrat Grafen von Itzenplitz kennengelernt . Der Aufenthalt in Kunersdorf , dem schönen Gute der Frau von Friedland , wo diese ausgezeichnete , mit allen Details der Wirtschaftsführung vertraute Frau lebte , war ihm genuß- und lehrreich gewesen und vielfach erstarkt und ermutigt , war er nach seinem Landgütchen an der Aller zurückgekehrt . Die Hauptbedeutsamkeit dieser Reisen lag aber darin , daß sie zu seiner Übersiedelung nach Preußen erheblich mitwirkten . Die nächste Veranlassung zu dieser Übersiedelung entsproß aus der politischen Lage . Der Wiederausbruch des Krieges zwischen Frankreich und England hatte zur Besetzung Hannovers durch die Franzosen geführt . Die Not des Landes schmerzte ihn tief , trotzdem er persönlich unter der französischen Okkupation nicht zu leiden hatte . Ja , General Mortiers Anordnungen behandelten ihn als Verfasser der » Englischen Landwirtschaft « mit besonderem Respekt . Nichtsdestoweniger konnte ihn sein persönliches Gesichertsein über die allgemeine Lage nicht trösten . In dieser Zeit war es , daß Thaer sein Auge auf Preußen richtete , auf Preußen , das er für die einzige feste Vormauer gegen hereinbrechende Anarchie und Despotismus hielt . Die Idee einer Übersiedelung kam ihm ; Briefe , nach Kunersdorf hin gerichtet , sprachen verwandte Wünsche aus und Graf Itzenplitz – übrigens bei Hardenberg und Beyme dem entschiedensten Entgegenkommen begegnend – führte mit Umsicht und Gewandtheit die ganze Angelegenheit zu einem glücklichen Ende . Schon im Februar 1804 erhielt Thaer einen Brief vom Minister Hardenberg , in dem es hieß : » Für mich würde nichts erwünschter sein , als die Möglichkeit , mich recht oft Ihres angenehmen und lehrreichen Umgangs erfreuen zu können , aber noch weit größer würde meine Zufriedenheit sein , wenn ich Sie dem preußischen Staate erwerben könnte ... Eröffnen Sie mir freimüthig Ihre Wünsche und die Bedingungen , die Sie verlangen würden . « Thaer reiste gleich nach Eingang dieses Briefes nach Berlin , » um das Eisen zu schmieden , so lang ' es noch heiß sei « , und bereits am 19. März erhielt er folgendes Königliche Schreiben : Mein Herr Leibmedicus ! Ich habe mit Vergnügen vernommen , daß Sie entschlossen sind , sich in Meinen Staaten niederzulassen und Ihr landwirthschaftliches Lehrinstitut hierher zu verlegen , wenn Sie für die mit dieser Veränderung verbundenen Schäden und Kosten entschädigt und in den Stand gesetzt würden , Ihre gemeinnützlichen Arbeiten für die Verbesserung der Landwirthschaft , welche künftig vorzüglich die Landescultur in den preußischen Staaten bezwecken werden , fortzusetzen . Da Ich mir nun von Ihrem rühmlichst bekannten Eifer , Fleiße und Kenntnissen den größten Nutzen für die Landescultur verspreche , so habe Ich Ihnen sehr gern die gemachten Bedingungen , wie Sie aus der abschriftlich anliegenden erlassenen Ordre ersehen werden , bewilligt und wünsche , daß Sie recht bald im Stande sein mögen , Ihre Niederlassung in Meinen Staaten auszuführen . Bis dahin verbleibe Ich Ihr gnädiger Friedrich Wilhelm Die beigelegte Order enthielt , außer der Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften und dem Charakter als Geheimer Kriegsrat , folgende Zugeständnisse : 1. drei bis vierhundert Morgen Acker des Amts Wollup in Erbpacht ; 2. die Erlaubnis , diese Erbpacht zu veräußern und ein Rittergut dafür zu kaufen ; 3. Schutz und Begünstigung des landwirtschaftlichen Instituts . Thaer nahm an ; verkaufte den ihm in Erbpacht gegebenen Teil des später durch Koppe so berühmt gewordenen Amtes Wollup , erstand dafür das Rittergut Möglin nebst dem Vorwerk Königshof , schloß im Herbst ( 1804 ) sein bis dahin in Celle fortgeführtes Lehrinstitut , » dem der Ruhm verbleiben wird , die erste landwirtschaftliche Lehranstalt in Deutschland gewesen zu sein « und wanderte , einige Wochen später , mit dreiundzwanzig Personen in sein neues Vaterland ein . Thaer hatte in Celle zunächst eine Experimentalwirtschaft , dann – nachdem seine Versuche fast durchgängig von Erfolg gekrönt worden waren – eine Modellwirtschaft geführt ; in Möglin wurde die Modellwirtschaft zu einer Musterwirtschaft . Hierin liegt der alleinige Unterschied zwischen der Celler und der Mögliner Wirtschaftsführung ausgesprochen . Die Modellwirtschaft in Celle legte denen , die sie kennengelernt hatten , die Mühewaltung , oft auch geradezu die Schwierigkeit des Transponierens aus kleinen in große Verhältnisse auf , die Mögliner Wirtschaft hingegen war für die Mehrzahl der Fälle ohne weiteres ein Muster . Natürlich innerhalb der Grenzen , wie sie sich auf einem Gebiet , das einem lebendigen Organismus gleicht , von selbst verstehn . Möglin war Muster , Celle war Modell , aber den räumlichen Unterschied beiseite gelassen , liefen im übrigen , um es zu wiederholen , beide Wirtschaften in ihren Prinzipien und Qualitäten auf dasselbe hinaus . Deshalb werden wir hier , in Erwägung , daß wir die Celler Wirtschaft ausführlich besprochen haben , bei der Mögliner nur kurz verweilen und nur dasjenige betonen , wodurch sich dieselbe sachlich und qualitativ von der Celler Wirtschaft unterschied . Es war dies vorzüglich die Einführung einer veredelten Schafzucht , die Herstellung einer ausgezeichneten Wolle , der besten , die bis dahin in Deutschland produziert worden war . Die Kunst , die Thaer zwanzig oder dreißig Jahre früher , halb spielend geübt hatte , als es sich in seinem Celler Garten um Gewinnung immer neuer und immer schönerer Nelken- und Aurikelarten gehandelt hatte , – diese Kunst der Kreuzung kam ihm jetzt trefflich zustatten . Was ihm innerhalb der vegetabilischen Welt überraschend geglückt war , glückte ihm innerhalb der animalischen doppelt und dreifach . Er erschien wie auserwählt für diesen wichtigen Zweig landwirtschaftlicher Tätigkeit : physiologisches Wissen , angeborene feine Instinkte und eine glückliche Hand , – alles vereinigte sich bei ihm , um zu den überraschendsten Resultaten zu führen . Nicht gleich in den ersten Jahren seines Mögliner Aufenthalts , vielmehr erst 1811 – 1813 , nachdem Koppe als Gehilfe und Wirtschaftsführer bei ihm eingetreten war , hatte Thaer