mußt Du seiner Gnade vertrauen , die so barmherzig für uns arme Sünder ist , wenn wir nur ein wenig guten Willens waren . « » Ja ! « sagte sie , und ein Freudenstrahl trat in ihr Auge , » ich schmücke mich mit dem Purpur und den Rubinen seines heiligsten Blutes . Das wird mir zum Königsmantel und zum Brautgeschmeide . « » Hast Du je bedauert , der Welt und dem Erdenglück entsagt zu haben ? « fragte Levin nach einer Pause . » Niemals ! « entgegnete sie . » Die Gottverlassenheiten waren meine Prüfung . « » Die gehören gerade zum vollkommenen Opfer . Wer den Gott alles Trostes besitzt , muß dessen Tröstungen entbehren können , « sagte Levin ernst . » Ach bitte für mich , « sagte sie schmerzlich , » daß der liebe Gott nicht nach seiner Gerechtigkeit mit mir verfahre und mich auf ewig von seinem Angesicht verbanne ; in seinem strengen Gericht könnte ich nimmermehr bestehen . Jetzt sehe ich freilich ein , daß meine geringen Leiden ein Maientau für meine elende Seele waren und sie zum Grünen gebracht haben . « » Im Himmel wird sie aufblühen , « sagte er . » Wäre nur nicht das lange Purgatorium , « seufzte Regina . » Gott war immer so gnädig für Dich , daß er Dir vielleicht Deine schwere , lange Krankheit als Purgatorium anrechnet und Dich bald in den Himmel ruft ! « » Ja , wenn Du recht viel für mich betest und mir die Gnadenströme des heiligen Meßopfers zuwendest , und wenn auch hier alle Schwestern für mich beten . « Die Oberin zerdrückte still ihre Tränen , und die beiden Schwestern weinten bitterlich . Regina fragte , was es an der Zeit sei , und als Levin erwiderte , es gehe auf Mitternacht , sagte sie mitleidig : » Ach , lieber Onkel Levin , so bricht die Fastenzeit noch einmal für Dich an , während ich mein seliges Genügen finde ! « Es war nämlich die Nacht vor dem Aschermittwoch . Sie atmete immer mühsamer , stoßweise und ächzend ; ihre Hände ließen das Kruzifix sinken und machten auf der Decke jene seltsamen Bewegungen des Haschens , die den Sterbenden eigentümlich sind . Die Anwesenden beteten und sie bewegte bisweilen die Lippen , als ob sie ihnen folge . Plötzlich sagte sie : » Dürfte ich nicht den Leib des Herrn empfangen ? « Die Oberin erwiderte , daß er ihr vor kaum zwei Stunden gespendet sei . Da sagte sie : » So vergißt man die Zeit , wenn die Ewigkeit naht . « Auf die Bemerkung der Oberin , daß sie gleich nach der ersten heiligen Messe , die um fünf Uhr gelesen wurde , mit dem Brot der Engel gestärkt werden dürfe , antwortete sie mit einem seligen Lächeln : » Ach , wenn meine Sünden es nur nicht hindern , so könnte ich Ihn dann vielleicht schon schauen , wie Er ist . « Sie fiel in die Agonie zurück und verlor die Sprache , aber nicht das Bewußtsein . Schlug sie einmal die Augen auf , so war ihr Blick klar , liebevoll und dankbar auf ihre Umgebung gerichtet ; und verstummte einmal deren Gebet vor Wehmut und Herzeleid , so gab sie durch Zeichen zu verstehen , daß man es fortsetzen möge . Eine schmerzenreiche halbe Stunde ging auf diese Weise vorüber . Da hub Regina zu aller Überraschung mit ganz kräftiger Stimme an : » Lieber Onkel ! jetzt bete die Commendatio anima ! die Mutter Gottes holt mich , der Bräutigam kommt . « Und sanft wendete sie ihr Haupt , machte das heilige Kreuzzeichen , schloß die Augen und entschlief mit immer leiseren Atemzügen wie ein müdes unschuldiges Kind , während ihre Seele zu dem Gott flog , den sie von dem Augenblick an , wo ihr junges Herz zu lieben anfing , mit unerschütterlicher Liebe geliebt hatte . Da lag sie nun tot in der dürftigen Zelle , auf dem armseligen Lager , aufgerieben von entsetzlicher Krankheit , fern von den Nächsten , die keine Ahnung von ihrem Scheiden und Leiden hatten - diese Regina , dies Kind des Gebetes , die bei ihrem Eintritt in die Welt mit einem Jubelruf der Freude von zwei Familien begrüßt , von zwei Müttern als Tochter geliebt und gleichsam in goldener Wiege gewiegt wurde . Da lag sie nun tot zwischen den kahlen Wänden - diese Regina , der alles zu Gebot stand , was man auf Erden Glück nennt , was man begehrt , ersehnt , beneidet - und die alles gelassen beiseite legte , als Dinge , die für den Himmel keinen Wert hatten . Jetzt stand sie auf der Höhe , wo der wahre Standpunkt für die Würdigung des irdischen Glückes ist und wo die vergänglichen Freuden im Licht der Ewigkeit ihre wahre Beleuchtung finden . Jetzt stand sie mit ihrem von jungfräulicher Christusliebe durchflammten Herzen , das von keiner Neigung zu den Staubesgebilden beschwert war , vor dem Thron ihres Gottes , dessen Kelch sie zu ihrem Erbe und Anteil für hienieden gewählt hatte , und Levin , dem all diese Bilder am inneren Auge vorüberzogen , während er die Nacht neben ihrer entseelten Hülle betend durchwachte , konnte nicht anders , als wieder und immer wieder sagen : O Kind , du bist nicht vergeblich der heiligen Gottesmutter , der Himmelskönigin Maria , geweiht worden ! Als deine Mutter es tat , hat sie nicht geahnt , daß du bei sechsundzwanzig Jahren als Klosterjungfrau von hinnen scheiden würdest , und alle weltlichen Verhältnisse waren ja auch dagegen . Aber die Mutter Gottes , die mächtige Königin , rang dich ihnen ab , wählte dein Los , ließ es vor dir aufleuchten , ebnete deinen Weg , zeigte dir dein hohes Ziel , gab dir ein Herz , das der Höhe des Zieles entsprach , und hat dich jetzt geholt zum himmlischen