Augen . In einfachen Worten erinnerte er sich der Scenen von früher . Er freute sich zu hören , daß Bonaventura von seiner Mutter wenig wußte und über die Lebensverhältnisse des Stiefvaters nur ganz oberflächlich unterrichtet war . Bonaventura sah , daß Benno ' s Voraussetzung , er sollte zur Vermittlung bei der erwarteten außerordentlichen Mission seines Stiefvaters gebraucht werden , eine unbegründete war . Der Kirchenfürst rauchte aus einer kurzen Meerschaumpfeife . Er machte den Eindruck eines Oberjägermeisters alten Stils oder , wenn man erwog , daß er den Brief eines Königs unerbrochen lassen konnte , eines jener Fürsten , die wenn auch nur über wenig Quadratmeilen gebietend doch um Kaiser und Reich sich wenig kümmern , wenn sie auf irgendeinem in ihrer Souveränetät begründeten Rechte glauben verharren zu dürfen . Wir müssen aus dem Geiste leben ! sagte er im Anknüpfen der ersten Begrüßung an die frühere Begegnung und in den Intervallen des Rauchens . Jede Geburt und Wiedergeburt bringt Schmerzen ! Ist eine Mutter ein großes Wort , ist der Geist ein größeres ! Unsere Mutter ist die Kirche ! Und dann , als wäre die ganze Welt in Frieden mit ihm und keine andere Wolke für ihn zu zerstreuen , als die aus seiner Meerschaumpfeife , erkundigte er sich nach Bonaventura ' s Bildungsgang . Auf- und abgehend , wünschte er von den Ergebnissen seiner Seelsorge zu hören , kam auf das nahe gelegene Kocher am Fall , vermied des Dechanten zu erwähnen , rühmte aber den dortigen Aufschwung der Gemüther und deutete offenbar die Bestrebungen des Stadtpfarrers an , wenn er sagte : Nur ist es unsere Pflicht , bei solchem Festhalten an dem Felsen , auf dem der Herr seine Kirche gegründet wissen wollte , Seltsames und Auffallendes zu vermeiden ! Es sind mancherlei Gaben und mancherlei Aemter . Nur pflege und warte man jener ebenso im Geiste der Mäßigung , wie dieser nur im apostolischen Sinne ! Die Grenzlinie erlaubter Bewährung eines Talentes , wo sie plötzlich Ruhmsucht wird , ist bald überschritten . Ich sag ' es nicht zuerst : Selig sind die Armen am Geist ! Mit diesem Seitenblick auf Hunnius ' schriftstellerische Thätigkeit forderte er Bonaventura auf , sich zu setzen . Da er es selbst nicht that , verhielt sich Bonaventura zögernd ... Der Kirchenfürst eröffnete ihm jetzt , daß er ihn an die Kathedrale zunächst als ersten Vicar berufen , demnächst aber auch für die erledigte Domherrenstelle vorschlagen wolle . Von Widerspruch konnte nicht die Rede sein . Er hoffe , fuhr der Kirchenfürst fort , daß Herr von Asselyn den Geist besäße , den jetzt die Kirche brauche , nicht Hirten allein , auch Reisige ... Wir haben schon Großes errungen und werden mehr erringen ! sagte er und blickte dabei ruhig auf das rothe Siegel des uneröffneten Königsbriefs . Bald bemerkte Bonaventura , daß der Kirchenfürst noch mehr auf dem Herzen zu haben schien , irgendetwas , das er noch Anstand nahm sofort auszusprechen . Offenbar wollte er erst den Geist ergründen oder bestärken , der seine weitern Aufträge vernehmen und ausführen sollte . Wenn ich zurückdenke an meine Jugend ! begann er , ruhig fortrauchend und dabei auf- und abgehend , während Bonaventura stehen blieb und nur auf die Lehne des von ihm ergriffenen Sessels sich stützte ... Als ich in Ihrem Alter war , Herr von Asselyn , welche Zeit , welche Welt damals ! Bonaparte haßte die Kirche ! Er haßte sie mit dem Ingrimm eines tückischen Italieners , für den das Heilige seinen Zauber verloren hat , da er diesem Zauber zu nahe steht ! Bonaparte trug alle Merkmale des Antichrists ! Aus der Revolution und dem Atheismus hervorgegangen , hatte er den ganzen Hochmuth der Vernunft gegen die Lehren des Christenthums geerbt ! Hervorgegangen aus der Schule Robespierre ' s besaß er dann auch wieder die tolle Neigung dieses Scheusals , aus dem Zerstörten etwas Neues aufbauen zu wollen ! Das Fest des höchsten Wesens , das man wieder einsetzte mit Fahnen und Trommelpyramiden , Janitscharenmusik und Kanonensalven , das war so ganz schon im Charakter seines Schülers Bonaparte ! Beide besaßen diesen gefährlichen Aberglauben des Atheismus , der zuletzt , weil der Mangel aller Religion im Menschenherzen eine Unmöglichkeit ist , irgend wieder doch etwas zum Halte haben , zum Gott machen muß , seinen eigenen Schatten , ein goldenes Kalb , ein geschmücktes Nichts , ein Philosophem . Diese Ironieen des Satan , wie sie neulich eine schriftstellernde Feder nicht unpassend nannte , sind deshalb gefährlich , weil sie sich wie der erhabene Ernst Gottes geberden . Wäre dem babylonischen Tyrannen zuletzt nicht das Bedürfniß nach Ruhe gekommen , noch hätte er den ganzen Voltaire , der in ihm lebte , ausgetobt in seinen mit den Waffen gestützten Institutionen . Bonaparte war das im Großen , was Friedrich der sogenannte Große nur auf kleinem Gebiete , mit Bonmots und Epigrammen war . Bonaparte würde , hätte er sich zuletzt nicht elend und krank gefühlt und den Bruch mit den Franzosen , die ihr Blut und ihr Vermögen nicht länger opfern konnten und mochten , klug gewittert , den Krieg mit Rom viel länger und lieber geführt haben als den mit den Königen . Er brauchte Verbündete und so schloß er mit heuchlerischer Freundschaft Frieden mit einer Religion , die er erst mit Füßen getreten und dann in armselige , vom Theater erborgte Lumpen kleiden wollte ! Das aber , mein lieber Herr von Asselyn , das war nun das Beispiel , das damals der Gewaltigste seiner Zeit den andern Gewaltigen gab ! Diese Späßchen ahmten diese Menschen ihm nach ! Die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts hatte ja die Kirchen entvölkert ; der Beichtstuhl stand ja leer ; die äußere Veranstaltung , die noch vom kirchlichen Leben vorhanden war , war so auf den Schein gerichtet , daß selbst die Priester mit dem Geiste der Verneinung buhlten , selbst die sich schämten , den ewigen Gott und die große Veranstaltung