ihn durchfuhr , wäre doch gar zu schrecklich gewesen . Die beiden Herren machten einige Schritte in dem halbdunklen Gange , ehe die Excellenz etwas sprach , und ehe der junge Mann den Muth hatte , eine Frage zu stellen . » Es ist mir in der That lieb , daß ich Sie gefunden habe , « sagte endlich der Hofmarschall sehr wichtig . » Sie wissen , ich protegire Sie , wo ich kann , und habe das auch heute Abend gethan . Sie sind im Glücke , Graf Fohrbach ; ich versichere Sie , Sie sind im Glück . « » Daß ich noch nicht wüßte , Excellenz ! « entgegnete der Andere mit beklommener Stimme . » Und ich wäre wahrhaftig begierig , das zu erfahren . « » Sogleich - sogleich ! - Ihre Majestät haben eine Partie Whist befohlen - « » Das weiß ich , « unterbrach ihn hastig der Adjutant . - » Die Frau Herzogin , Sie und der Herzog . « » So war es bestimmt , « versetzte lächelnd die Excellenz . » Doch hat sich der Herzog bei seiner Mutter entschuldigt . « » Großer Gott ! « dachte der Graf . » Nun hätte man allerdings den Obersthofmeister Ihrer Majestät zur Partie nehmen müssen , - aber sehen Sie , Graf Fohrbach , wie sehr ich Ihr Freund bin : ich habe Sie vorgeschlagen . « » Mich ? « rief der unglückliche junge Mann mit fast tonloser Stimme . » Sie , « wiederholte die Excellenz , indem sie stehen blieb und den Adjutanten vertraulich mit dem Finger auf die Brust stieß . » Sie , junger Mann ! Lernen Sie mich schätzen . « » Als meinen größten Feind , « dachte der Andere , » als meinen Verderber ! - Gerechter Himmel ! womit habe ich diese schreckliche Gnade verdient ? « » Jetzt kommen Sie aber , « fuhr der Hofmarschall eilig fort . » Es ist das keine Kleinigkeit , mein lieber Freund , zum intimen Spiel Ihrer Majestät gezogen zu werden . Ich bitte , das morgen Früh dem Papa zu sagen . Wissen Sie : manus manum lavat , sagt der Lateiner , und mein leichtsinniger Sprößling macht gerade sein Offizier-Examen . « » Daß er durchfiele ! « sprach der Adjutant grimmig zu sich selber , indem er die Zähne fest übereinanderbiß . » Daß er durchfiele , zehntausend Klaster tief in den Erdboden hinein , und die ganze Whistpartie ihm nach ! - Gott verzeih mir diesen schrecklichen Gedanken , aber das ist zu fürchterlich ! « - » Und wie lange wird die Partie dauern ? « fragte er nach einer längeren Pause ängstlich den Hofmarschall . Dieser nahm den Hut fest unter den Arm und erwiderte : » Was weiß ich ? Vielleicht bis Zehn , halb Elf , und dann haben wir ein ganz kleines , kleines Souper ; es wäre auch möglich , daß Seine Majestät noch auf einen Augenblick kommt . - Nun , freuen Sie sich doch ! « » O ich freue mich über alle Maßen ! « rief der tiefbetrübte Adjutant , dem allerlei schreckliche Gedanken im Kopfe umher liefen . - » Und wo ist denn der Herzog ? « fragte er ängstlich nach einer Pause . » Wo wird der sein ! « entgegnete die Excellenz , » wichtige Geschäfte , irgend eine verliebte Zusammenkunft oder so was . Der denkt ja an nichts Anderes ; macht vielleicht irgendwo eine Partie quarré . - Nun , unter uns gesagt , wäre mir das an seiner Stelle auch lieber , als mit Mama und Tante eine Partie Whist zu spielen . - Verstehen Sie : für ihn ; aber für uns ist das etwas ganz Anderes . Wissen Sie , Graf , morgen wird Sie der ganze Hof beneiden . - Aber hier ist das Adjutantenzimmer ; legen Sie Ihre Schärpe und Geschichten hinein und kommen gleich hinauf . - Keinen Dank weiter : ich habe das gern für Sie gethan . « » O ich danke Ihnen herzlich ! « seufzte der junge Mann , indem er die Hand des Andern ergriff und sie krampfhaft schüttelte . » Sie verschaffen mir einen wunderbar genußreichen Abend . « - Hol ' Sie der Teufel ! Das Letztere dachte er blos , oder wünschte vielmehr , daß dies schon vor einer halben Stunde geschehen wäre . In dem Adjutantenzimmer brannte ein einsames Licht , das in den Ecken des weitläufigen Gemachs tiefe Schatten liegen ließ . Der Graf schritt ingrimmig auf und ab , wie ein gefangener Löwe in seinem Käfig ; und gerade so war es ihm auch zu Muthe . - » Freiheit ! Freiheit ! « seufzte er . » Bin ich nicht gerade so , als hätten sie mir eine Kette an den Fuß geschlossen oder ein Gitter vor mir herabgelassen , und zeigten mir prächtige , entzückende Gegenden , die ich nicht zu erreichen vermag , weil ich hier eingesperrt bin wie ein wildes Thier oder wie ein elender Sklave ! - Ja , Sklaverei ist das rechte Wort ; und wenn die Ketten auch von Gold oder Silber sind , Ketten sind und bleiben sie doch einmal . - Und Sklaverei und Ketten in der schlimmsten Art ! Darf ich denn wohl daran rütteln ? - Darf ich wohl den Versuch machen , sie zu brechen ? - Darf ich auch nur eine betrübte Miene zeigen , daß ich diese Fesseln wirklich für Fesseln halte ? - Nein ! nein ! nein ! und zehntausendmal nein ! Ich muß ja lächeln unter diesem Hieb , den mir das harte Schicksal versetzt . - Ja , das ist ein grimmiger Hieb , und in meiner Lage habe ich wohl das Recht , vom harten Schicksal zu sprechen : dort ein geliebtes Mädchen , die - o Gott ! ich mag nicht daran denken ! - mit