des Nothwendigen gegenüber existirt , solange ist auch die Kunst zur Gesellschaft schief gestellt . Wer die Kunst selbst anfeindet , weil sie überhaupt da ist , ist ein Barbar . Wer aber begehrt , daß die Kunst aus andern Beweggründen da sein solle , als nur in Folge der ungleichen und grausamen Eintheilung der Gesellschaft , dem muß ich Recht geben und halte ihn für einen um so größeren Menschenfreund , je mehr er die Kunst selber liebt . Jetzt sind wir die Sklaven der Reichen ! Jetzt liegt an jedem Pinselstriche , den wir über die Leinwand ziehen , der Fluch des Elends der Gesellschaft ! Wer sich damit tröstet , sich zu den Vornehmen , zu den Begüterten zu halten und in der Bezeichnung eines Reactionärs für sich etwas Ehrenvolles findet , der mag malen , dichten , componiren und von der Gunst der Großen Tausende verlangen , um seine Schöpfungen beim hellsten Lichte in ' s Leben treten zu sehen . Ich kann nicht zu diesen Glücklichen gehören . Ich möchte , daß die Kunst etwas Nothwendiges wäre und der Staat selbst , der durch die Volkssouveränetät frei gewordene Staat , sie mit in seine Sphäre aufnähme . Welch ein Gefühl , zu schaffen für eine Nation ! Welche Wonne , mit seinem Talent einem großen , schönen Ganzen zu dienen ! Nicht Aufdringling mehr , nicht geduldeter Sklave der Reichen , beschützter Schwächling , den die Tyrannen in ihre Obhut nehmen müssen ; nein , ein Priester des Volkes , berufen und geweiht vom Genius des Vaterlandes ! Welche Bilder , welche Gedichte , welche Gesänge sollten dann entstehen ! Wie würde die schwache Kraft des Einzelnen wachsen und mit Adlerschwingen emporfliegen ! Wie würde Feindschaft , Isolirung , Geschmacksanarchie weichen und Alles zu Gesammtschöpfungen sich vereinigen , da hinfort nicht mehr aus uns die Willkür , sondern die Idee selbst herausbricht und in duftende , bunte Blüten schießt ! Jetzt leben wir versteckt , fast , wie Lessing ' s Maler sagt , vom Diebstahl der Natur ; dann würden wir geborne Krösusse sein und die Natur zu bereichern scheinen ! Heinrichson schickte sich nach diesen Worten an , zum Zeichen des Aufbruchs seine Pinsel zu reinigen , .. eine lästige Arbeit , mit der die Maler , wenn sie in Öl arbeiteten , ihr vormittägiges Tagewerk beschlossen . Des Nachmittags kamen Wenige in das Atelier , so anziehend auch die Kühle des Raumes war ... Reichmeyer aber lobte diesmal zu Heinrichson ' s Ärger Das , was Siegbert gesagt hatte . Nur bedauerte er , daß man selbst in Frankreich , wo doch das nationale Leben am unmittelbarsten in jedem Einzelnen sich wiederfände , es nicht dahin hätte bringen können , die von der Regierung selbst beschafften künstlerischen Bestellungen ohne Neid von den Künstlern , die leer ausgingen , betrachtet zu sehen . Indessen fügte er hinzu , ist es doch immer erhebend zu beobachten , wie die gewöhnlichsten Bauern und Handwerker durch das Museum von Versailles wandern und sich die Heldenthaten der französischen Nation von Chlodwig bis zu den Feldzügen in Algier betrachten . Auch die Theater und sogar die Literatur sind in Paris weit mehr Volkssache als bei uns , und Niemand murrt darüber . Und doch noch Alles zu sehr Spekulation , sagte Siegbert , zu sehr Willkür des Einzelnen ! Mein Freund Wildungen , nahm Leidenfrost in seiner ruhigen kaustischen Weise die Erörterung auf , mein Freund Wildungen will Griechenland wiederherstellen und weiß nicht , was er da erst Alles abschaffen müßte . Ich will von unsern zwanzig Grad Reaumur im Winter nicht sprechen . Man hat bei uns die Kirchen gebaut , ohne Rücksicht auf das Klima , rein aus Nachahmung der warmen Gegenden , die die Wiege des Christenthums waren ! Aber dies Christenthum selbst ist seinen Plänen im Wege . Gerade dieser Religion verdanken wir die gänzliche Unmöglichkeit , die schönen Künste irgendwie anders in den Staatszweck einzuführen , als wir sie jetzt haben . Schafft uns erst die Verachtung der Welt , die mönchische Isolirung , den Miskredit des absolut Schönen , die Zweideutigkeit alles Formenreizes ab , und hernach wollen wir mit der Menschheit sprechen ! Das macht sich aber nicht . Apollo steht auf dieser Wolkenschicht und Christus auf der andern . Die Menschen fallen nicht dort , sondern hier nieder , nicht vor dem schönen griechischen Gotte mit den menschlich vollendeten Gliedern , sondern vor dem ernsten , strengen verhüllten Lehrer der Entsagung ! Die Tugend und Enthaltsamkeit ist den Menschen so ehrwürdig , daß sie aus Einem , der sie bis zur höchsten Vollendung übte , Gott selbst gemacht haben . Ehe nicht einmal ein Prophet kommt und die beiden Wolkenglorien verschmilzt , dem Apollo einen Heiligenschein , dem Christus eine Leyer in die Hand gibt , ehe nicht Apollo das Kreuz trägt und Christus wie einst die Ehebrecherin so auch die Musen , die vor ihm knieen müßten , frei spricht , eher wird sich auch in der Kunst und ihrer Stellung zum Leben nichts ändern . Wildungen möchte gern olympische Kränze austheilen und zu einem theatralischen Schauspiele ganze Völker einladen wie zu einem alle Jahre einmal stattfindenden Moment des fließenden Januariusblutes . Die Zeiten dieser Wunder sind vorüber ! Und wen es anekelt , mit seiner Malerei um die Gunst der Großen und Reichen zu betteln , Kritiken zu lesen und nach Schultheorieen gefuchst zu werden , der verschönert die jungen Künste und Gewerbe , die einmal im Charakter unserer Zeit liegen und malt , wenn es nicht anders geht , ... Pfeifenköpfe und Porzellanteller . Das schönste Bild , das ich malen könnte , macht mir nicht soviel Spaß , als z.B. die Idee , dem Stallmeister Lasally einen idealen Pferdestall nebst daran stoßender Reitschule zu bauen .... Wenn es meinem Cousin gelingt , eine reiche Frau zu heirathen ! fiel Reichmeyer lachend ein , mit einem spottenden Blicke auf Siegbert , der roth wurde , da durch