Gestalt und ihr ganzes Benehmen nie die Würde eines starken Karakters , wodurch sie gegen jede Lächerlichkeit geschützt blieb . Sie vollführte ihre gewöhnliche Usurpationen der Zeit mit so stolzem Ernst , daß ihr unwillkürlich Jeder einen Grund zu dem , was sie that , zutraute ; und so flößte sie immer eher Erstaunen und Neugier ein , als daß sie Tadel und Spottsucht erregt hätte . Wenn Elmerice von dieser Gewalt mit fortgerissen ward , war dies doch keine Nachgiebigkeit . Es war Trieb , Sehnsucht , mit Emmy in die Vergangenheit einzudringen ; sie wollte in ihr den Boden ihrer Heimat ergründen ; sie wünschte ihre Berechtigung zu der Stelle , die ihr Emmy anwies , aufzufinden , und bald schien ihr , mit der jugendlichen Ueberspannung , die wir ihr zugestehen müssen , die sonderbare Herbeiführung ihrer Lage der Wille des Himmels zu sein , der an ihr die Unbill gut machen wollte , die ihre theure Vorfahrin erlitten . Noch war es jedoch nicht zu den Mittheilungen gekommen , die Emmy ihr versprochen , und die sie darüber hätten aufklären können ; denn trotz dem , daß diese ihre Krankheit wie eine lästige Hülle abgeworfen hatte , war ihr eine Abspannung wohl anzumerken , die , nach der ihr neu gewordenen Lebensweise , gerade in den Stunden eintrat , die zu diesen Mittheilungen geeignet waren ; und dann ward sie von Elmerice so sorgfältig geschont , daß sie an Emmy selbst fast unbemerkt vorüberging . Außerdem eilte Elmerice , ihrem Verhältnisse nach Außen Gültigkeit zu verschaffen ; denn jedenfalls wünschte sie vorerst die arme Alte nicht zu verlassen , und mit diesem Wunsche war eine geheime Hoffnung verknüpft , daß sich aus den Andeutungen , die sie gehört , eine neue Bestimmung für ihr Leben entwickeln werde . Sie konnte der Gräfin d ' Aubaine ihre Anwesenheit in St. Roche nicht länger vorenthalten ; sie sagte ihr , daß sie Madame St. Albans aus den uns bekannten Gründen hierher begleitet habe und bei ihrem ernstlicheren Erkranken , in die Stelle der Pflegerin bei deren Mutter übergegangen sei . » Dies Verhältniß , « schrieb sie weiter - » ist jedoch weit entfernt , für mich eine Belästigung zu sein ; ja , ich bin kaum noch eine Pflegerin zu nennen , da mich Mistreß Gray mit einer geheimnißvollen Liebe überschüttet , deren Grund in ihrem früheren Leben zu suchen ist ; mir aber bis jetzt noch unbekannt blieb , da es mit erschütternden Begebenheiten zusammenhängen soll . Ihre Liebe räumt mir große Vorzüge ein ; ich bewohne schöne Räume , und sie nöthigt mir Bedürfnisse auf , und hegt und pflegt mich , wie in früheren Tagen einen Liebling ihres Herzens , mit dem sie mich in Zusammenhang hält . Ich fühle mich selbst zu dem wunderbaren , hochbetagten Wesen hingezogen , als gehöre sie auf irgend eine Art zu mir ; und die Ueberzeugung , ihr mit meiner augenblicklichen Entfernung einen vielleicht tödtlichen Kummer einzuflößen , läßt mich bitten , daß meine theure Beschützerin mir ihre Einwilligung zu diesem verlängerten Aufenthalte giebt , und zugleich die Erlaubniß , ihr von dem Verlaufe der hiesigen Verhältnisse Nachricht geben zu dürfen . Ich halte dieselben bis jetzt für vollkommen anständig , da sie mich in ein strenges Geheimniß gehüllt haben und mir die größte Einsamkeit sichern . « Dagegen enthielt ihr an Lady Marie Duncan abgesendetes Tagebuch die vollständigste Darlegung des Erlebten ; und nun stand ihr nur noch der Abschied von Madame St. Albans bevor , die , jetzt hergestellt , mit Ungestüm ihre Abreise verlangte . Der alte Arzt hielt ihre völlige Genesung auch nur in ihrem eigenen Hause , unterstützt von ihren alten Gewohnheiten für möglich ; und so kündigte er Elmerice ihren Besuch an , da Mistreß Gray kalt in diesen Abschied eingewilligt hatte . Madame St. Albans kam sehr übler Laune an dem bezeichneten Tage nach dem Schlosse ; denn sie hatte mit dem neuen Prior des Klosters Tabor um die Pachtung unterhandelt , welche sie dem Kloster abzukaufen wünschte . Nachdem sie mit dem verstorbenen Prior einig gewesen war , die Kaufsumme in jährlichen Abzahlungen entrichten zu können , ward sie jetzt von seinem Nachfolger mit dieser Einrichtung abgewiesen , welcher die Kaufsumme auf ein Mal bezahlt verlangte , wodurch sich die Unterhandlung , an die Madame St. Albans so viele Hoffnungen geknüpft , mit einem Male ganz zerschlug . Ihre schnell umherrollenden Augen faßten bald den veränderten Zustand in diesen einst so düsteren Gemächern auf ; und vor Allem überraschte sie die Umwandlung ihrer Mutter , welche , kalt und steif in ihrem Eintrittszimmer sitzend , die Tochter empfing , sehr mißbilligend auf Elmerice blickend , die mit ihrer gewöhnlichen Freundlichkeit Madame St. Albans entgegen gegangen war und sie neben sich auf dem Ruhebette , einst Asta ' s Schlafstelle , niedersetzen ließ . » Bitte , bitte , bemühen Sie sich nicht , « sagte sie zu Elmerice ; - » ich glaube , es ist Ihnen hier nicht mehr erlaubt , sich um Andere zu bemühen ! Wie ich höre , werden Sie hier bedient - und wie mir scheint , wie eine Gräfin oder Fürstin ! « - » Sie wissen bereits , liebe Madame St. Albans , daß Ihre Frau Mutter sehr gütig gegen mich ist ! « - » Ja , sehr gütig , so scheint mir selbst ! « entgegnete die sich erzürnende Frau . » Man sollte , wenn man das , was man von dem Aufwande , der hier getrieben wird , hört , und es mit dem zusammenhält , was man sieht , nicht glauben , daß man zu der Mutter einer so armen Frau kömmt , der man es wegen Mangel einer kleinen Summe Geldes abschlägt , einen kleinen Ländererwerb zu machen ! « Nach diesen Worten hatte sie sich hinreichend erweicht , um mit gerötheten Augen ein baldiges Schluchzen anheben zu können . » Ellen , « rief Emmy