Denn einmal mußte es mir wohl sehr lieb sein , daß Sie sich so an den Anfängen meines Werkes ergötzt hatten , dann aber zeugte die liebenswürdige Lebhaftigkeit Ihrer Worte von der fortblühenden Jugend , welche wie ein Kranz schöner Rosen Ihre ehrwürdigen Schläfen umschmückt . Ich nahm mir gleich vor , Ihnen zu antworten und zu danken . Nachher aber überlegte ich , daß der beste Dank die Tat ist und schwieg daher bis zur Vollendung des ganzen Werkes . Nun ist es fertig und ich widme Ihnen seinen Abenteurer und seine guten Menschen , seine Possen und seinen Ernst mit diesem letzten Teile . Darüber reden kann ich nicht ; es wirke auf Sie , wie es eben die Kraft und Fähigkeit in sich besitzt . Aber einen offenen Brief schreibe ich Ihnen dazu vor dem Angesichte auch anderer Leser , denn manches wollte ich Ihnen sagen , was sich in einem solchen doch noch besser ausnimmt , als unter einem Siegel , welches nur Ihre Hand erbräche . Immer habe ich mich am glücklichsten gefühlt , wenn mein freies Gemüt sich zum Schuldner für empfangene Wohltat bekennen durfte . Dieses reine Glück empfinde ich auch jetzt , indem ich an Sie schreibe . - Man hat mich oft einen Nachahmer genannt , und der Tadel , der in dieser Bezeichnung liegt , mag meine frühesten Versuche nicht ohne Grund getroffen haben , obgleich mich nie ein äffischer Trieb kitzelte , sondern stets ein innerer Drang bewegte . Später , als mich Leben und Bildung gereift hatten , meine ich jederzeit ein Eigenes gebracht zu haben , wenn ich mich fremden Mustern anlehnte . Ich vermied keine Reminiszenzen , weil ich wußte , daß diese doch immer ein nur mir gehöriges Leben in mir aufgeweckt hatten . So möchte ich denn eher den Namen eines Schülers für mich in Anspruch nehmen . Und in einer Zeit , worin so viele Meister , wie sie behaupten , vom Himmel fallen , dürfte ein guter Schüler der Abwechselung halber kein ganz verächtlicher Gast am Parnaß sein . Auch zu Ihrem Schüler bekenne ich mich gern , freudig und öffentlich . Sie haben unter uns Deutschen einen ganz neuen Scherz erfunden , Sie haben der Natur für manchen ihrer geheimsten magischen Töne die Zunge gelöset , viele Beobachtungen und Erfahrungen haben Sie mitgeteilt , die vor Ihnen niemand gemacht hatte . Alles nun , was in mich von Ironie , Spott , Laune gelegt worden war , ein tiefes Bedürfnis , welches mich von meiner Kindheit her oft froh machte , oft auch ängstigte , die Signatur der stummen Dinge zu erkennen , endlich mein Verlangen , mich über das eigenste Wesen der Dichter und der Bühne aufzuklären - alles das fand , wie häufig ! bei Ihnen Lehre , Beispiel , Führung . Ich verehre Sie als einen meiner Meister und in meinen guten Stunden wage ich mir zu sagen , daß Ihnen der Schüler gerade keine Schande mache . Aber eine elegische Empfindung kann ich nicht bewältigen , wenn ich an Sie denke . Sie stehen gefeiert , würdig , nachwirkend da , das ist wahr . Um eine Entfaltung jedoch hat das Mißgeschick der Umstände Sie und uns gebracht . Sie hätten der Vater des deutschen Lustspiels werden können , wenn die Bühne Ihrer frischesten Zeit entgegengekommen wäre , und dieses Lustspiel würde das größte der modernen Zeiten geworden sein . Denn nicht auf das Einzelgeschick eines Liebespaares , oder auf die Schilderung einer närrischen Sitte , oder eines in der Verborgenheit sein Wesen treibenden Toren kam es Ihnen an , sondern Ihre komische Muse lächelte über die ganze Breite der Welt und der Zeit , sie schmückte mit bunten Blumen , die sich dann wieder zauberisch in Schellen verwandelten , die öffentlichen Charaktere , sie führte mit reizender Schalkheit , die wie Ehrfurcht aussah , komische Könige und Helden im Triumphe auf . Wenn ich an die Kraft und Gewalt Ihrer Figuren mich erinnere , an den tiefsinnigen , freien , großen , unerschrockenen Humor in » Oktavian « , » Zerbino « , » Kater « , » Däumchen « , » Blaubart « , » Fortunat « und in der » Verkehrten Welt « , so weiß ich nur ein Gegenbild zu diesem Lustspiele in der ganzen Geschichte der Poesie zu finden ; es ist das des Aristophanes . - Ich habe oft Ihre Gedichte vorgetragen , und wenn es mir gelang , dem Dichter nachzukommen , so kann ich wohl sagen , daß empfängliche Zuhörer in einen bacchischen Taumel der Lust gerieten . Aber keine attische Bühne empfing Sie und brachte auf den Brettern Ihre Produktion zu der Fülle und Vollreife , die nun einmal der Dramatiker nur gewinnen kann , wenn er seine Geschöpfe da droben auf dem Gerüste in Fleisch und Blut umherwandeln sieht . Man sagte , diese Sachen seien sehr schön , sehr witzig und ließen sich überaus wohl anhören , aber aufzuführen seien sie nicht . Das war aber eine Unwahrheit . Denn ich habe hier den » Blaubart « zweimal darstellen lassen . Ich hatte weniger Mühe von ihm , als zum Beispiel vom » Glöckner von Notre Dame « , die Schauspieler fanden sich bald hinein und spielten mit Lust und Liebe darin , was aber den Erfolg betrifft , so war dieser bei der ersten Darstellung ein entschiedener und bei der zweiten der allerglänzendste . Wenig hatte das Stück gekostet , und viel brachte es ein . - Ich wollte nicht dabei stehenbleiben , sondern ich dachte schon an » Fortunat « , selbst an » Däumchen « und an das schnurrende Tier in Stiefeln . Aber die Düsseldorfer Bühne ging wegen Mangels an Gunst , Schutz und Geld unter , und so blieben denn jene Gedanken Träume . Warum ich diese Saite hier berührt habe ? Weil mir Ihr ganzes Bild vorschwebte und zu einem vollen Menschenleben die Entwickelungen und die Vereitelungen gehören . Wenn