ihrem Sohne gehört . Sie erschrak innerlich , und wie Mütter in ihren Söhnen oft leichter die Autorität der Männlichkeit anerkennen , als in deren Vätern , so fühlte sie sich davon aufgehalten , und das Gefühl , hier nur die Wahl zwischen einem ernstlichen Erzürnen und einem großmüthigen Nachgeben zu haben , ließ sie , aus dem Ersteren verschüchtert , sich in das Letztere hineinfinden . Ich gebe Deine eben gesprochenen Worte Deinem eigenen Nachdenken anheim , sprach sie mit jener milden Art , die dem Stolzen so befriedigend wird , weil sie den Andern in Nachtheil setzt , und wenn mein Sohn mir meine Aufgaben nach seinem Ermessen stellt , will ich die Mäßigung und Selbstbeherrschung , die ich von meinen Angehörigen fordern muß , ihnen vorangehend zeigen . Ohne Zweifel wird Beides von mir in einem hohen Grade gefordert , indem man mich zwingt , ein junges Frauenzimmer wiederzusehn , deren Ruf durch ihre eigenen zweideutigen Handlungen gelitten hat , über welche mir Aufklärung zu geben und daran billig meine Einwilligung zu ihrer Wiederaufnahme zu knüpfen , man verweigert und es vorzieht , sich vor mir in ein abenteuerliches Dunkel zu hüllen . So willigt Ihr ein , theure Mutter , den Master Brixton zu sprechen , rief Richmond , immer das Ziel im Auge behaltend und die zwischenliegenden Schwierigkeiten verschmerzend ; also darf ich ihn Euch zuführen ? Sollte das nöthig sein ? sagte die Herzogin kalt , ich denke , daß der Herzog , mein Sohn , bereits seine Einwilligung zu seiner Aufnahme gegeben hat und wir uns nichts weiter zu sagen haben , da ich allerdings nicht in der Stimmung bin , mich gelehrig für geheimnißvolle Histörchen zu erweisen . - Master Brixton und Lady Melville würden sich dessen ungeachtet nicht als Gäste dieses Hauses ansehn wollen , bevor sie die Einwilligung meiner verehrten Mutter dazu erlangt . - Lady Melville , Lady Melville ! rief die Herzogin rasch , weißt Du nicht , mein Sohn , daß der Graf Melville , den sie zu ihrem Vater erhob , kinderlos starb ? Ich weiß es , sagte Richmond fest , doch Brixton giebt ihr mit voller Ueberzeugung diesen Namen , er muß ihr verbleiben , bis wir das Schweigen des ehrwürdigen Mannes aufgehoben sehn . Nun , sagte die Herzogin mit jenem Lächeln , welches den Andern verwundender , als das Wort trifft , es wird Keiner in Abrede stellen , daß mir viel zugemuthet wird , und an den endlichen Mittheilungen dieses Master Brixton viele und sehr wichtig scheinende Erklärungen haften . - Keiner wird das in Abrede stellen , verehrte Mutter , aber auch Keiner in mir das Vertrauen zerstören können , daß diese uns einst genügend sein werden . - Genug , genug und schon zu viel ! erwiederte die Herzogin , ich bin gesonnen , was man von mir fordert , bald zu leisten , um alsdann meine Gedanken von einer so empfindlichen Sache ableiten zu können . Lord Richmond fühlte , wie passend es sei , hier eine Unterredung abzubrechen , welche jeden Augenblick ihn in Gefahr setzte , die heilige Verpflichtung der Ehrfurcht gegen seine Mutter zu verletzen , die zu erfüllen , ihm jederzeit wahres Bedürfniß des Herzens war . Beide Männer zogen sich , mit höflicher Kälte entlassen , zurück , im übrigen Kreise der Familie sich für den Zwang entschädigend , den die Unterredung ihnen auferlegt , und die Herzogin verblieb in ihren Gemächern , eine Unpäßlichkeit vorschützend . Die Unterredung , die sie am andern Morgen dem Master Brixton gewährte , konnte keinem von Beiden zur Befriedigung dienen . Die vorgefaßte Meinung der Herzogin über diese Angelegenheit , die halben Mittheilungen , die der würdige Mann , gebunden durch sein gegebenes Wort , fast nur auf Versicherungen , die den Glauben an seine Person bedingten , machen konnte , fanden wenig Anklang bei der Hartnäckigkeit seiner Gegnerin und beschränkten ihn fast auf die einfache Erzählung , wie es dem Lord Membrocke gelungen sei , das Fräulein zu täuschen , und wie es ihr ferner im Schlosse der Lady Sommerset ergangen . Ganz ohne Eindruck blieben diese letzten Mittheilungen nicht , und dieser wurde verstärkt durch den ruhigen Bericht über den Fortgang der Reise , woraus die Herzogin abnahm , daß kein ausgesprochenes Verhältniß zwischen ihrem Sohne und der Lady obwalte , und die ganze Reise durch Brixtons und Margariths Nähe vollkommen in den Grenzen schicklicher Zurückhaltung verblieben sein mußte . Sie willigte ein , das Fräulein zu sehn , und sagte Brixton den Schutz zu , den er für sie bis zu seiner Rückkehr von London , wohin er sich augenblicklich zu begeben trachtete , erbat . Jener Empfang war nicht ohne kränkende Aeußerungen und mit der stolzen Kälte verbunden , die wenig Muth übrig läßt . Aber Lady Maria hatte seit lange schon die glückliche Sicherheit der Jugend verloren , die sie in der ersten Zeit ihres Unglücks ihre ganze Lage klar und ehrenhaft ansehn ließ . Sie erkannte nur zu wohl , wie zweifelhaft ihre Geburt , Name und Zukunft geworden ; und fühlte sie sich auch innerlich gehalten durch die zuversichtlichen Tröstungen Brixtons , so entging es ihrem klaren Blicke doch nicht , wie voll Sorge der ehrwürdige Mann war für die nächsten Schritte , die ihm zu thun oblagen , und ob diese Dinge sich je bis zu der Klarheit entwickeln würden , um Andern als Beweis und Ueberzeugung dienen zu können , das stellte sich ihr in immer zweifelhafterem Lichte dar . Sie verlernte daher auch in demselben Maaße , Ansprüche an die Gunst der Menschen zu machen , da sie sich durch so viel Mißgeschick von ihnen ausgeschieden und aller Berechtigung beraubt sah , die ihr unter ihnen einen ehrenvollen Platz anweisen konnte . Sie hatte es daher nur mit tiefer Beschämung geduldet , sich der Familie Nottingham aufgedrungen zu sehn , und war nur den vereinigten Bitten Richmonds und Brixtons gefolgt , als ihr Beide außerdem keinen