, theilnehmender gegen Andere , wenn sie selbst die Schmerzen kennen gelernt haben , mit denen dieß Leben uns verfolgt . Andere macht dagegen das Unglück hart , störrisch und roh , wie wir dieß an Ihrem Freunde Wertheim bemerken mußten , und nur das Glück vermag diese zu erziehen , ihren Charakter edler , ihre Sitten milder zu machen . Graf Robert erröthete , denn er erinnerte sich daran , daß auch er zu denen gehörte , die das Glück edler gebildet hatte , und daß sein erstes Auftreten im Hause seines Oheims keinen vortheilhaften Begriff von seinen Sitten erregt haben konnte . Er sagte endlich verlegen : Auffallender ist es noch , wie sehr der unaussprechliche Haß gegen Frankreich und gegen Franzosen in der Brust meines Freundes gemildert ist , seitdem er in dem Entführer seiner Schwester deren rechtmäßigen Gemahl und einen braven , achtungswerthen Mann kennen gelernt hat . Es ist überhaupt schwer , bemerkte der Graf , genau zu bestimmen , in wie weit sich Persönlichkeit in unsere Gefühle mischt , wenn wir das Vaterland lieben oder dessen Feinde hassen , und ich glaube , wenn wir recht scharf sondern wollten , würde nicht immer so viel Tugend übrig bleiben , wie man in neuester Zeit in diesen Empfindungen zu suchen gewohnt ist . Während des Aufenthaltes der Freunde beim Grafen gewann der Graf Robert den kleinen Adalbert so lieb , daß er im Scherze behauptete , er müsse noch einst durch eine Verbindung mit seinem jüngst gebornen Töchterchen sein Sohn werden , und er wiederholte diesen Scherz so oft , daß man leicht bemerken konnte , wie der Wunsch sich ganz ernsthaft in seiner Seele ausbildete . Die Heiterkeit des Beisammenseins wurde den Freunden nur auf Augenblicke getrübt , wenn sie daran dachten , daß Evremont in ihrem Kreise fehle , und jedes Mal , indem sie über seine Abwesenheit seufzten , stieg zugleich ein Dankgebet zum Himmel empor dafür , daß er ihnen erhalten war . Endlich war der Augenblick der Trennung erschienen , und wenn auch ein Gefühl der Wehmuth Alle beim Abschiede ergriff , so eilten doch der Graf Robert und seine Freunde mit freudigem , hochklopfendem Herzen ihren heimathlichen Bergen zu , denn Jeder wußte , daß ihn dort ein sehnsüchtiges Herz erwartete und zärtliche Blicke ihn begrüßen würden . Der alte Dübois wollte seinen Sohn , wie er den jungen Thorfeld nannte , nicht entlassen , ohne ihm ein Geschenk aufzudringen , worin der junge Mann mit Rührung von Neuem die väterliche Liebe des Greises erkannte . Der Arzt verhehlte sein Gefühl höchster Glückseligkeit beim Abschiede nicht . Ich werde , rief er , indem er sich die Thränen der Rührung abtrocknete , die ihn zugleich bewältigte , den Lohn aller der Opfer empfangen , die ich dem Vaterlande gebracht habe . Die erhöhte Liebe und Achtung meiner Braut wird meine Anstrengungen belohnen , und die Lorbeern werden mich ehren , die ich im Kriege gewann , nicht indem ich Menschen tödtete , sondern indem ich manchen braven Mann erhielt . Es ist wahr , sagte der Graf Robert , mit wahrer Tollkühnheit wagte sich der Doktor jedes Mal auf das Schlachtfeld , wenn kaum der Feind sich zurückzog , und die Kugeln noch herüber und hinüber flogen ; wie ein Geier auf seine Beute stürzte er sich auf die Verwundeten , und Viele danken ihr Leben und die Erhaltung ihrer Glieder nur der schnellen Hülfe , die er ihnen durch diesen Muth gewährte , und da unter den Geretteten mancher bedeutende Mann ist , so glaube ich , daß diese seltene Tapferkeit eines Arztes noch durch eine Auszeichnung belohnt werden wird . Das eiserne Kreuz , sagte der Arzt , indem er sich sehr in die Brust warf und dadurch einige Aehnlichkeit mit einem indianischen Hahne gewann , das eiserne Kreuz kann mir nicht entgehen , wenn man nicht ganz ungerecht gegen mich sein will . Endlich trennte man sich , und der kleine Adalbert vermißte noch einige Tage den Grafen Robert und Thorfeld schmerzlich , die sich so viel mit ihm beschäftigt , daß sie die lebhafteste Zuneigung des Kindes gewonnen hatten . XIV Das Leben war auf dem Landsitze des Grafen nach der Abreise der Freunde wieder in seine gewohnten Gleise zurückgekehrt . Die Tage verstrichen gleichmäßig unter ernsten Beschäftigungen , oder im Genusse der Natur , der Poesie und Musik , und dieser einfache Gang des Lebens wurde nur durch erhöhte Heiterkeit unterbrochen , wenn Briefe von Evremont eintrafen . Man hatte nun nichts mehr für ihn zu fürchten , seine Lage nicht mehr zu beklagen ; also gewährten seine Briefe reine Freude , nur mit der kleinen Beimischung von Schmerz , daß die sehnsüchtige Erwartung immer noch getäuscht wurde ; er konnte immer noch nicht seine Abreise aus Rußland melden . Obgleich es bekannt war , daß die kriegsgefangenen Franzosen ohne Schwierigkeit Erlaubniß erhalten sollten , nach Frankreich zurückzukehren , so war es doch natürlich , daß bei der weiten Ausdehnung der russischen Provinzen manche Zögerung für viele Einzelne eintrat , und Evremont besonders wollte nun bei seiner Abreise doch einen Paß erhalten , in dem sein wahrer Rang in der französischen Armee verzeichnet wäre . Er hatte sich zum Theil in dieser Absicht nach Petersburg begeben , weil er dort mit Gewißheit hoffen konnte , mehrere Franzosen anzutreffen , denen er persönlich bekannt wäre , und die also sein Gesuch unterstützen könnten . Aber auch in der kaiserlichen Residenz mußte er seinen Aufenthalt länger ausdehnen , als er wünschte , ehe er sein Ziel erreichen konnte , und er schrieb seinen Freunden über diese merkwürdige Stadt : » Wer Petersburg sieht , wird sich des Staunens nicht erwehren können über das Ungeheure , was menschliche Anstrengung in wenig mehr als hundert Jahren hervorzubringen vermochte . Wenn man die demüthige Hütte besucht hat , die sich Peter der Erste errichtete , von wo aus er sein Riesenwerk leitete , und wirft dann einen Blick auf