der Aufzählung der Verbrechen , die ihm zur Last gelegt wurden , aber diese edle Zorn übermannte nicht das Bewußtseyn seiner Unschuld , und raubte ihm nicht die Sprache des kühnen Mannes , der sich stark und kräftig gegen solche Unbill vertheidigt . Mit hinreißender Beredsamkeit schilderte er den Unbekannten seines Lebens klaren Weg ; wie ihm ein gesundes , gutes Herz stets das höchste Kleinod gewesen , wie er immer seine Eltern geliebt und geehrt , - wie er selbst die Stiefmutter , die ihn gehaßt , so kindlich behandelt , daß sie endlich seine vertrauende mütterliche Freundin geworden . Er sagte klar und frei heraus , wie Wallrade ihn stets verfolgt und gehaßt , wie er ihr freundlich die Hand geboten , doch ohne Erfolg . Er sprach von der nothwendig guten Beziehung , die Judith ' s letzte Aussagen , und die Kunde vom Aufenthalt Wallradens auf seine Sache haben müßten . » Ich habe also nicht des Vaters Leben einem Mörder verdungen ; « sprach er : » ich habe nicht die Schwester in Räubers Hand geliefert ; ich habe keinen Theil an dem Verkauf des Knaben Johannes gehabt . Die Vernunft spricht mich frei davon . Wird es mir , erleuchteten und weisen Männern gegenüber , schwer fallen , meine Unschuld in den übrigen Anklagen zu beweisen ? Nicht die That steht mir zu diesem Endzweck zu Gebote ; nur das Wort . Aber auch nicht die That kann man als Beweis gegen mich aufbringen ; nicht das Wort . Mein Wandel war unsträflich bis hieher . Ich habe meinen Vater stets geehrt , und geachtet seine grauen Haare . Ich habe ihm nicht den schlechtesten Pfenning entzogen , und sollte mich an dem höchsten Schmuck seines Hauses , an dem Herzen seines geliebten Weibes zum Diebe gemacht haben ? Die abscheulichkeit kann nur aus dem Grunde einer verläumderischen Brust kommen , und ich verachte sie als Mann und als Christ . Die letzte Beschuldigung endlich , ihr Herren des Vehmgedings , ist nicht minder ungegründet . Buhlschaft unterhalten mit einer Jüdin , und dadurch zum Ketzer werden ? Wer zeiht mich dessen ? Ich habe die arme verlaßne , von der Welt gehaßte und verachtete Dirne in meinen Schutz genommen , ohne sträfliche Absicht . Ich halte sie verborgen vor ihren Feinden , und bin fröhlich , daß es mir gelungen ist . Vergebens befragte man mich nach ihrer Zufluchtsstätte . Das Lamm , das ich rettete , verkaufe ich nicht selbst den Wölfen , und ich müßte mich zuvörderst überzeugen , ob nicht hinter diesen Gewändern , die Euch , ihr Herren , verhüllen , von diesen Wölfen einige verborgen wären . Verzeiht mir dieses dreiste Wort ; überführt mich jedoch vom Gegentheil ; und könnt Ihr mir verbürgen , daß Esther , Ben David ' s Tochter , gehalten werden soll , wie eine ehrliche Dirne , und nicht wie ein verworfnes Thier , - könnt Ihr mir verbürgen , daß sie Händen übergeben wird , die redlich und ohne Haß ihr Bestes wahren , - dann erst sollt Ihr ohne Widerrede erfahren , wo sie weilt . Ich aber habe mich in Eure Gewalt gegeben , ob Ihr meinen Worten trauen wollt , ob nicht . Es wäre mir nicht schwer geworden , manches Böse zu enthüllen , das ich von denen erfahren , die ich verletzt haben soll , allein Rache und böse Vergeltung ist meiner Seele fremd . Ich bin ein deutscher Junge , handle schlicht und recht , und denke in dem kaiserlich freien Gericht , vor dem ich mich sonder Furcht gestellt , nicht den Stuhl zu finden , vor dem die Wahrheit flieht , und die Lüge das Haupt erhebt , wie das Volk insgemein befürchtet ; sondern einen Verein von deutschen Männern , die des Königs heiligen Namen ehren , und nicht minder den untadeligen Menschen , den Gott nach seinem Ebenbilde schuf . « - Als nun der herzhafte Jüngling schwieg , verbreitete sich über den ganzen Raume eine Stille sonder Gleichen , und jeder von den Unbekannten überlegte , ob denn Dagobert gesprochen wie ein Beklagter , oder vielmehr wie ein Wissender selbst , der den Stuhl des Grafen besteigen will . Der Freigraf hob , der Erste , wieder an zu reden , und sagte : » Gott walte , daß auf dieser Vehmstätte die Unschuld wissentlich verderbe . Der Mann , so das Reich hütet , - unser gnädigster Herr und König hat nicht darum seine höchste Macht über Gut , Ehr ' und Leben in unsre Hand gelegt , daß wir tödten sollen den Schuldlosen , und erhöhen den Sträflichen . Bedeutet das Schwert hier vor uns das Kreuz , an welchem der Erlöser gelitten , und die Gestrengigkeit unsers Gerichts , so wie die Weide die Strafe der Bösen , um ihre Missethat ; so hat uns doch der Herr die Weisheit gegeben , die das Wahre unterscheiden mag vom Falschen . Gleichwie der erste Stuhl auf rother Erde der Spiegel des Reichs genannt wird , in welchem Alles zu schauen , wie es ist ; also jede Vehmstätte für die ihr Untergeordneten durch kaiserliche Satzung . Ich finde nicht die Schuld an Euch , deren Ihr bezüchtigt worden , und die Stimmen dieser sieben Freien mögen zur Sprache kommen . « - Während die Schöppen rings um die Tafel leise ihre Entscheidung dem Freigrafen mittheilten , bemerkte Dagobert , daß in einer Ecke , halb von einer vorspringenden Säule verdeckt , einer der Verhüllten sich wie ein trostloser Mensch geberdete , das Haupt gegen die Säule stemmte , und sich nicht durch das Zureden einiger um ihn Versammelten begütigen ließ . - » Die Schöppen der heimlichen Acht finden keinen Fehl an Euch ; « begann der Freigraf feierlich , » und damit Ihr sehet , daß wir redlich richten , sonder Willkür und Minne , so rufe ich den Wissenden , Euern Kläger vor die Schranken ,