, der sich seine Schuhe selber macht . « Thaer verlangte von jedem Boden etwas , aber er verlangte nicht alles von allem . Wo kein Lein wachsen wollte , da gab er es auf , einen kümmerlichen Ertrag desselben zu erzwingen , und den Boden genau untersuchend , der eine Leinernte verweigerte , stellte er nunmehr fest : auf einem Boden von der und der Beschaffenheit hat sich der Fruchtwechsel in dem und dem Kreise zu drehen , unter Ausschluß von Lein . Glücklicherweise begann eben damals die Wissenschaft , welche ganz besonders zur Bodenkenntnis hinführt , die Chemie , sich zu jener Stufe hoher Ausbildung zu erheben , auf der wir sie jetzt erblicken . Thaer widmete ihr die größte Aufmerksamkeit , und die chemische Zusammensetzung der verschiedensten Bodenarten mit ihrer speziellen Tragfähigkeit oder Unfähigkeit vergleichend , glückte es ihm , seine speziellen Erfahrungen zu allgemeinen Gesetzen zu erheben . Die Frucht aller dieser seiner Anstrengungen war , daß er auch seine schlechtesten Felder nutzbar zu machen wußte und jeden Boden , nach Verhältnis seiner Güte und seines Wertes , bei kluger Bewirtschaftung für einträglich erklärte . In einzelnen Kreisen , wenn auch nicht gerade in nächster Nähe von Celle , begann die kleine Thaersche Wirtschaft Aufmerksamkeit zu erregen , Besucher kamen , Briefe wurden ausgetauscht , Anregungen gegeben und empfangen . Es ist aber trotz alledem mindestens zweifelhaft , ob Thaer jemals aus seinem engsten Kreise herausgetreten und epochemachend für die Landwirtschaft geworden wäre , wenn sich nicht zu seiner praktischen Tätigkeit eine emsige Beschäftigung mit den Büchern , und als letzte Frucht praktischer Erfahrung und wissenschaftlichen Studiums ein literarisches Auftreten gesellt hätte . Die deutsche landwirtschaftliche Literatur , die er in all ihren Erscheinungen kannte , hatte ihn im einzelnen angeregt und belehrt , im ganzen aber unbefriedigt gelassen . Dasselbe galt von den englischen landwirtschaftlichen Schriften , soweit er dieselben aus Übersetzungen kennengelernt hatte . Er schloß sich dem Spott derer an , die damals von einer » Anglomanie « zu sprechen begannen , und war – etwa Anfang der achtziger Jahre – der festen Überzeugung , daß auch aus England nichts zu holen sei und daß die deutsche Landwirtschaft sich selber helfen müsse . Genau um diese Zeit war es , als ein Ungefähr ihm einige landwirtschaftliche Schriften im englischen Original zuführte . Wie war er freudig überrascht , darin die genauesten Beobachtungen , die sorgfältigsten Versuche , die lichtvollsten Verhandlungen und Forschungen zu finden ! Das war ja genau , was ihm als Ziel einer rationellen Landwirtschaft vorgeschwebt hatte . Alles , wonach sein Streben ging , – die Engländer hatten es bereits . Seitdem studierte Thaer die englische Landwirtschaft mit solcher Aufmerksamkeit , daß die Engländer selbst ihm zugestanden : er kenne ihr Land , wie wenn er es jahrelang durchreist habe . Die Frucht dieser ernsten und anhaltenden Studien war sein berühmtes Werk , dessen erster Teil 1798 unter dem Titel erschien : » Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft und ihrer neueren praktischen und theoretischen Fortschritte , in Rücksicht auf Vervollkommnung deutscher Landwirthschaft für denkende Landwirthe und Cameralisten . « 17 Der zweite Band folgte 1800 und 1801 , der dritte Band 1804 . In derselben Zeit , von 1799 – 1804 erschienen die » Annalen der Niedersächsischen Landwirthschaft « . Sechs Jahrgänge . Das Aufsehen , das diese Bücher und Schriften machten , war ein ganz außerordentliches . Man begreift diesen Erfolg nur , wenn man im Auge behält , daß sich ganz Deutschland eben damals nach einem besseren Ackerbausystem sehnte . » Wie ein leitendes Gestirn erschienen diese Werke am Horizont , freudig begrüßt von der landwirtschaftlichen Welt . « Nicht nur in Schriften , sondern auch in den Salons der Residenzen und in den Wein- und Bierstuben der Marktstädte wurde mit Enthusiasmus dafür , mit Wut – denn auch an Gegnern fehlte es nicht – dagegen gestritten , oft von beiden Seiten gleich unverständig . Seine eigenen Erfolge , die von Jahr zu Jahr wuchsen , unterstützten sein Ansehn , so daß ihm ein großer hannöverscher Grundbesitzer schrieb : » Wenn ich diesen Abend einen Brief von Ihnen erhalte , daß ich meine Gebäude anstecken soll , so stehen sie vor Nacht schon in Flammen . « Alles verlangte seinen Rat , erbat seine oberste Leitung , so daß demselben Manne ( dazu noch immer » Leibmedikus « ) , dessen eigenes Gutsareal sich auf kaum 130 Morgen belief , 100000 Morgen des verschiedensten Bodens derart zur Verfügung standen , daß er , in Ansehung der Bewirtschaftung , damit schalten und walten konnte , wie mit seinem Eigentum . Sein Buch aber gewährte ihm vor allem die Befriedigung : » das Nachdenken besserer Köpfe über Landwirtschaft geweckt und zu energischerer Tätigkeit angespornt zu haben . « Im Jahre 1802 traten auch die Anfänge seiner » Landwirtschaftlichen Akademie « ins Leben . Diese Akademie erwuchs organisch zwanglos ; sie machte sich von selbst und ging mehr aus einem glücklichen Ungefähr , als aus einem festen Entschluß hervor , wiewohl Thaer in seinen Schriften bereits auf das Wünschenswerte eines landwirtschaftlichen Lehrinstituts hingewiesen und seine Ideen darüber geäußert hatte . Im genannten Jahre kamen mehrere junge Männer , darunter der später durch sein Buch » Der isolierte Staat « so berühmt gewordene Herr von Thünen nach Celle , um an Ort und Stelle die Methode und die Er folge der Thaerschen Bestellungsart kennenzulernen . Sie blieben den ganzen Sommer über . Um diese jungen Leute nicht unbeschäftigt zu lassen , entschloß sich Thaer , ihnen Vorlesungen über Landwirtschaft zu halten und einigen Unterricht in der Naturkunde , Chemie und Botanik hinzuzufügen . Der Fleiß und Eifer , womit man ihm entgegenkam , übertrafen seine Erwartung , aus den zwanglosen Vorlesungen wurde ein » Institut « , das im kleinen bereits all die Züge der erst mehrere Jahre später ins Leben tretenden Mögliner Akademie besaß . So kam das Jahr 1804 , das unsern Thaer nach Preußen führte . Schon 1799