ritt er wieder mal chevaleresk wie Don Quixote seine Rozinante . Daher der forschende Blick , mit dem er seinen Generalstab musterte . Wie der Riese Polyphem in seiner Höhle tastete er überall an den Wänden seiner Redaktion herum , um den berühmten » Niemand « , einen Antisemiten , unter seiner eignen Hammelherde zu entdecken . Und wehe , wenn ihm solch ein räudiges Schaf zwischen die Finger kam ! Dann verspeiste er es mit Haut und Haaren . Doch getrost , in König Arthus ' Tafelrunde schien diesmal alles koscher . Lauter wulstige Lippen und Jatagan-Nasen . Da war Nathan der Weise mit den geschlitzten Augen , der den Kanzlerstab des mosaischen Zukunftsreichs im Tornister trägt . Da war Oskar der Gerechte , der flotte Schächter aller Dichterbabies . Und da war vor allem Er selbst , Israels Gründer , der Zertrümmerer des goldenen Kalbs , der neue Moses , der zum Gelobten Lande leitet , wo da Milch und Honig fleußt . Er schäkerte eben huldvoll mit Frau Doktor Bergmann , welche Lieder ohne Worte mit den Augen flötete , ebenso virtuos wie sie Lieder mit Worten am Klavier brüllt . Auch im Parkett versammelten sich die Zierden unsrer Kritik , von allen vier Winden hergeweht , wo nur deutsche Zunge klingt , selbst aus dem Lande der Mausefallenhändler . Die leichte Scheerenschleifer-Kavallerie der Preßpanduren formirte sich . Wieviel giftige Früchtchen , neidgrün angelaufen ! Da gabs die rührigsten redactionellen Schaukelpferdchen , die mit schnalzendem Hopphopphopplala zwischen Autoren und Verlegern herumtraben . Manch vielgewandter Odysseus , der mit alten Hosen beide Hemisphären durchwandert , schwang kräftig das kritische Richtbeil . In einer Ecke des Saales bemerkte man die wundersamste Pflanze internationaler Bodenkultur : Theodosius Drollinger . Dieser bedeutende Mann war mal in Paris und begann daher seine Orakel unwandelbar mit dem ehrfurchterweckenden Ausspruch : » Als ich in Paris lebte . « Da Papa Augier ihn mal die Treppe ' runter geworfen hat , so ernannte er die Trias der französischen Bühnengötter zu seinen intimsten Duzfreunden in seinen Feuilletons . Er , den ein Augier auf die große Zehe getreten , fühlte sich natürlich , er wußte selbst nicht wie , durchzuckt von gallischem Esprit . Auch hatte er plötzlich den Modedichter Kleist , 70 Jahre zu spät , entdeckt . Die Lebenden schwieg er todt , eben um einen neuen Kleist durch solch uneigennützige Unterstützung heranzuzüchten . Wenn der neue Kleist sich erst eine Kugel vor den Kopf schoß , dann wollte er ihn sofort als Klassiker » entdecken « und von den Todten auferwecken . Da saß nun Theodosius , diese Carrikatur eines Boulevardiers , die spärlichen Haare in die Stirn geklebt , um doch ja die neueste Mode der jeunesse d ' horreur mitzumachen . Doch herrschte unter Kosmetikern über die bahnbrechende Technik seiner Frisur der gelinde Zweifel , ob er Pomade oder Zuckerwasser hierzu benutze . Sein maskenhaft-todter Ausdruck , sein stier gleichgültiger Blick , sollten ihn als vornehm zurückhaltenden Gentleman aufspielen . Allein , lächerlich reservirt und zugeknöpft , wenn er mit einem anständigen Menschen zu thun hatte , wurde er äußerst munter und zuvorkommend gegen lustige Dämchen , Spitzbuben und Streber . Sein Vorgänger in der Redaction hielt es aus Gewissenhaftigkeit für seine Redactionspflicht , auch die Gattin des Verlegers unter redactionelle Verantwortlichkeit zu nehmen . Theodosius ehrte pietätsvoll diesen fruchtbaren Redactionsusus , auf diese Weise die Vergangenheit angenehm mit der Gegenwart verknüpfend . Auch er war da , er mit der hackenden Habichtsnase und dem mangelnden Kinn , der große litterarische Todte , der einst die Irrlichter seines schnoddrigen Witzes über die öden Sumpfhaiden seiner heut schon antiquarisch verstaubten Salonstücke verschwenderisch ausstreute . Neben ihm saß ein geistreicher Pavian in großkarrirten Beinkleidern und weißer Weste , und rieb ihm zahllose Paradoxen unter die Nase , und zwar wörtlich , indem er ihm beinahe ins Gesicht sprang . Hinter diesem saß sein Schatten , natürlich ein Baron ( denn wo ein Jude , ist auch immer ein Baron nahe ) . Sein Kater-Näschen und sein ganzes dummdreistes Kneifer-Gesichtchen näselte gleichsam lautlos . Einer jener Litteraturbarone ( natürlich stand » Freiherr « groß und breit in Goldschrift auf der Thür seiner Wohnung ) , welche den ehrenfesten Aristokraten mimen , während der Kenner in ihnen sofort ein neidzerfressenes größenwahnsinniges Streberlein erkennt . Er erzählte grade in näselndem Ton , wie » Serenissimus sein gnädigster Herr « ( einer jener kleinen Köter , kennt ihr meine Farben ) ihm eine echte Havanna verehrt habe . » Mein lieber Baron , meinte der Gnädigste - « Er unterbrach sich , um mit Innigkeit die Gattin eines jüdischen Mache-Meisters zu begrüßen , wie er denn inbrünstig zu Unsrer Lieben Frau vom Jordan betete und mit Gottes Hülfe in den Salons » der geistigen Aristokratie des deutschen ( jüdischen ) Volkes « zu einer Berühmtheit emporgeschwindelt wurde . Was kann da sein ! Man braucht einen Baron als Zimmer-Staffage . Das paßt dem auserwählten Volke in seinen Kram . Der Adel ist heut immer noch ein gutes Geschäft . Dies wußte ja Frau Hermine Schmidt , geborene v. Preuschen , zu würdigen , indem sie sich schlankweg » Baronin Preuschen « weiter fort titulirte . Und siehe da , es war sehr gut . Mit Enthusiasmus stürzten die jüdischen Federpiraten für sie ins Turnei , sintemal es denselben immer zur besonderen Ehre gereicht , einem Adelstitel unter die Arme zu greifen . Mit Entrüstung muß man jedoch die schnöde Verleumdung zurückweisen , daß all diese adligen Herrn und Damen eines enragirten Philosemitismus verdächtig seien . Sie benutzen eben nur die jüdische Presse ebenso schlau wie die conservative zu ihren durchsichtigen Reklamezwecken . Nein nein , man sitzt nicht immer mit einem Baron an einem Tisch ; dies beglückt ja einen armen deutschen Schriftsteller . » College Baron X. « wird daher überall zum Vorsitzenden gewählt . Adel verbürgt Seelenadel , ein sehr gutes Geschäft . Beide spielten hier die Rolle des » Großen Galeotto « ,