von Goldhungrigen hinter uns her war . Alte und Junge , Weiber und Männer purzelten übereinander , das Gold zu raffen . Diebe , die von Wächtern transportiert wurden , stürzten sich samt diesen in den Haufen ; Bäckerlehrlinge warfen ihr Brot in das Wasser und füllten ihre Körbe mit Gold ; Priester , die zur Kirche gingen , um zu predigen , schürzten ihre Talare wie bohnenpflückende Bäuerinnen die Röcke und schöpften Gold hinein ; Magistratspersonen , die vom Rathause kamen , schlichen herbei und schoben verschämt ein paar zur Seite rollende Stücklein in die Tasche ; selbst aus einem an die Wand gemalten Gerichte liefen die toten Richter vom Tische , ließen den Angeklagten stehen und stiegen herunter , um hinter mir herzustreichen , und schließlich kam der gemalte Verbrecher auch noch gesprungen , um nach Gold zu schreien . Ganz geschwollen vom Bewußtsein des Reichtums , schwebte ich endlich aus der Brückenhalle hinaus und schwang mich auf dem goldenen Bienenpferde hochmütig in die Luft , wo ich hoch den Münsterkronen kreiste wie ein Falke , mich bald wählig niederließ , bald wieder aufstieg und das kindische Traumvergnügen des Fliegens und Reitens zugleich in vollen Zügen genoß . Aus den Kronen fingerten hundert weiße Hände nach meinem Golde empor , Augen und Wänglein blühten wie Vergißmeinnicht und Rosen im Sonnenschein . Das Pferd sagte : » Nun wähle , das sind die heiratsfähigen Mägdlein des Landes ! Das Beste ist eine artige Frau ! « Ich äugelte auch richtig stolz und lüstern auf sie hinunter und gedachte meine Irrfahrten und erlebten Kümmernisse mit einer konvenablen Heirat abzuschließen , als plötzlich eine harte Stimme erscholl , die rief : » Ist denn niemand da , den Landverderber aus der Luft herabzuholen ? « » Ich bin schon da ! « antwortete der dicke Wilhelm Tell , der in einer Lindenkrone verborgen saß , die Armbrust auf mich anlegte und mich mit seinem Pfeile herunterschoß . Ein neuer Ikarus , stürzte ich samt dem Goldfuchs prasselnd aufs Kirchendach und rutschte von dort jämmerlich auf die Straße hinab , woran ich erwachte und mich erschüttert fand , wie wenn ich wirklich gefallen wäre . Der Kopf schmerzte mich fieberhaft , während ich das Geträumte zusammenlas . Diese verkehrte Welt , in welcher das im Wachen müßige Gehirn bei nachtschlafender Zeit auf eigene Faust zusammenhängende Märchen und buchgerechte Allegorien , nach irgendwo gelesenen Mustern , mit Schulwörtern und satirischen Beziehungen ausheckte und fortspann , begann mich zu ängstigen wie der Vorbote einer schweren Krankheit ; ja , es beschlich mich sogar wie ein Gespenst die Furcht , auf diese Art könnten meine dienstbaren Organe mich , das heißt meinen Verstand , zuletzt ganz vor die Türe setzen und eine tolle Dienstbotenwirtschaft führen . Als ich der Sache weiter nachdachte , empfand ich die Gefahr , die darin liegt , sich gegen Natur und Gewohnheit mit dem völlig Geistlosen beschäftigen und nähren zu wollen , und doch wußte ich nicht , wie aus dem Banne hinauszukommen wäre . Darüber schlief ich wieder ein , und das Träumen ging neuerdings an ; doch verlor sich das unheimliche Allegorienwesen , und das Gesetzlose regierte fort . Ich trieb jetzt das halbzerbrochene und schwer mit Säcken beladene Pferd eine bergige Straße hinauf nach dem Hause der Mutter ; es dauerte eine qualvolle Ewigkeit , bis ich endlich anlangte . Da fiel das Tier zusammen und verwandelte sich in die schönsten und reichsten Gegenstände und Merkwürdigkeiten aller Art , von welchen sich auch die Säcke entleerten , Dinge , wie man sie von großen Reisen als Geschenke mitzubringen pflegt . Ich stand aber peinlich verlegen bei dem aufgetürmten Haufen von Kostbarkeiten , der sich offen auf der Straße ausbreitete , und ich suchte vergeblich den Drücker der Haustüre und den Glockenzug . Ratlos und ängstlich die Reichtümer hütend , sah ich an dem Hause empor und bemerkte erst jetzt , wie seltsam es sich darstellte . Es war gleich einem alten edeln Schrank- und Täferwerke ganz von dunklem Nußbaumholz gebaut mit unzähligen Gesimsen , Kassettierungen , Füllungen und Galerien , alles auf das feinste gearbeitet und spiegelhell poliert . Es war eigentlich das nach außen gekehrte Innere eines Hauses . Auf den Gesimsen und Galerien standen altertümliche silberne Kannen und Becher , Porzellangefäße und kleine Marmorbilder aufgereiht . Fensterscheiben von Kristallglas funkelten mit geheimnisvollem Glanz vor einem dunklen Hintergrunde zwischen gemaserten Zimmer- oder Schranktüren , in denen blanke Stahlschlüssel steckten . Über dieser seltsamen Fassade wölbte sich der Himmel dunkelblau , und eine halb nächtliche Sonne spiegelte sich in der dunklen Pracht des Nußbaumholzes , im Silber der Krüge und in den Fensterscheiben . Endlich sah ich auch , daß reichgeschnitzte Treppen zu den Galerien hinaufführten , und bestieg dieselben , Einlaß suchend . Wenn ich aber eine Türe öffnete , so sah ich nichts als ein Gelaß vor mir , welches mit Vorräten der verschiedensten Art angefüllt war . Hier tat sich eine Bücherei auf , deren Lederbände von Vergoldung strotzten ; dort war Geräte und Geschirr übereinandergeschichtet , was man nur wünschen mochte zur Annehmlichkeit des Lebens ; dort wieder türmte sich ein Gebirge feiner Leinwand , oder ein duftender Schrank öffnete sich mit hundert Kästchen voll Spezereien . Ich machte eine Türe nach der anderen wieder zu , wohlzufrieden mit dem Gesehenen und nur ängstlich , weil ich nirgends die Mutter fand , um mich in dem trefflichen Heimwesen sofort einrichten zu können . Suchend drückte ich mich an eines der Fenster und hielt die Hand an die Schläfe , um die Spiegelung der Kristallscheibe aufzuheben ; da sah ich , statt in ein Gemach hinein , in einen reizenden Garten hinaus , der im Sonnenlichte lag , und dort glaubte ich zu sehen , wie die Mutter im Glanze der lugend und Schönheit , angetan mit seidenen Gewändern , zwischen Blumenbeeten wandelte . Ich wollte das Fenster aufmachen , ihr zurufen , fand aber durchaus keinen Riegel oder Knopf , denn ich war