Dorf hinauf und hinunter : bei Miekleys Mühle die Vorhut , auf der Straßenerweiterung zwischen dem Krug und dem Schulzenhof die beiden Barnimschen Bataillone , vor dem Herrenhause das Bataillon Lebus . Es war ziemlich dunkel , aber bei dem Lichterschein , der von rechts und links her auf die Gasse fiel , ließen sich die aus Piken und Gewehren zusammengesetzten Pyramiden deutlich erkennen . Vor den Häusern standen die Landsturmmänner im Gespräch mit den Frauen und Mädchen , denn alles , was Waffen tragen konnte , war in Reih und Glied . Bamme hielt bei Miekleys Mühle neben einer Art Biwaksfeuer , das hier mitten auf dem Fahrdamme angezündet worden war . Die Pelzmütze tief ins Gesicht gerückt , den Husarensäbel über den grauen Mantel geschnallt , gewährte er jetzt , angeglüht von dem Flammenschein , auf seiner hochbeinigen roten Fuchsstute einen noch groteskeren Anblick als bei seinem Ritte zur Revue . Neben ihm hielt Hirschfeldt . Und nun schlug es neun , und ehe noch der letzte Schlag verklungen war , hieß es : » An die Gewehre ! « Jeder , der das Kommando hörte , wußte , von wem es kam . Diese scharfe Krähstimme hatte nur einer . Die Landsturmmänner des zunächststehenden Bataillons gehorchten augenblicklich und mit der Präzision alter Soldaten , während Hirschfeldt die Dorfgasse hinaufjagte , um den Befehl von Bataillon zu Bataillon zu bringen . Dann warf Bamme die Fuchsstute links herum , nahm zwischen zwei Holzpfeilern , die den Eingang zum Mühlengehöft bildeten , Stellung und kommandierte : » Bataillon , marsch ! « . Die Tambours schlugen an , und unter Hurra ging es im Geschwindschritt an dem Alten vorbei , der immer , wenn ein neues Bataillon herankam , die Pelzmütze lüpfte , um wenigstens die vordersten Rotten zu begrüßen . Jetzt kam auch das Bataillon Lebus , das die Nachhut bildete ; die Schwedentrommel lärmte , und der Protzhagener Kuhhirt , mit dem Junker-Hansen-Horn , blies unablässig dazwischen . Es klang wie Feuerruf . Vitzewitz und Drosselstein ließen im Vorbeimarsch präsentieren , und erst als der letzte Mann ihres Nachhut-Bataillons vorüber war , gab auch Bamme seinen Platz zwischen den zwei Pfeilern auf und folgte an der Queue der Kolonne . Eine halbe Stunde später war wieder alles still in der Dorfgasse , und nur die Lichter brannten noch bis tief in die Nacht hinein ; denn da war kein Haus , dessen Insassen nicht den Zug in Furcht und Hoffnung , mit Sorgen und Gebet begleitet hätten . So war es auch in der Pfarre . Hier saßen Renate und die Schorlemmer , die gekommen waren , sich Rat und Trost zu holen . Wenigstens galt dies von Renate . Die Schorlemmer hatte selber , was sie brauchte , und nahm ihre Zuflucht lieber zu dem eisernen Bestand ihrer Lieder und Sprüche , die sie , nicht ganz mit Unrecht , für heilskräftiger ansah als alles , was ihr Seidentopf bieten konnte . Beide ( Renate wie die Schorlemmer ) waren noch nicht lange zugegen , als auch Marie vom Schulzenhofe her eintrat . Man begrüßte sich herzlich , aber es wollte kein rechtes Gespräch aufkommen , und nachdem einige gleichgültige Worte gewechselt waren , sahen alle schweigend vor sich hin . Immer wieder im Laufe des Tages war versichert worden , daß es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nur um ein leichtes Unternehmen handle , daß die Franzosen demoralisiert seien und daß man angesichts dieser Tatsachen einen regelrechten oder gar hartnäckigen Widerstand kaum zu gewärtigen habe ; nichtsdestoweniger hatte Hirschfeldts ernste Miene und mehr noch Bammes inmitten aller Heiterkeit unverkennbar hervortretende Unruhe deutlicher gesprochen als alle jene hoffnungsreichen Versicherungen . Die Gefahr sollte geleugnet werden , aber sie war da . So hing jeder allerlei trüben Gedanken nach , am meisten aber Marie . Für Lewin fürchtete sie nichts , es war ihr , als ob irgendein Flammenschild ihn schützen müsse ; aber Tubals gedachte sie mit Zittern . War es eine Neigung , ihr selbst zum Trotz ? Nein . Es lag nur tief in ihrer Natur , an einen Ausgleich zu glauben , das Mysterium von Schuld und Sühne war ihr ins Herz geschrieben , und ihre geschäftige Phantasie malte ihr dunkle Bilder , wechselnd in der Szenerie , aber ihr Inhalt immer derselbe . So vergingen Minuten ; das Schweigen wurde peinlich , um so peinlicher , als auch der sanguinische Seidentopf , der seiner Natur nach immer mehr hoffte als fürchtete , an diesem Schweigen teilnahm . Endlich sagte Renate : » Welchen Weg werden sie nehmen ? Ich habe den Papa zu fragen vergessen . Am Fluß hin ist es näher , aber der Höhenweg ist besser und nicht so trist und öde . « » Soweit ich Bamme verstanden habe « , antwortete Seidentopf , » wollen sie bei Reitwein oder doch spätestens bei Podelzig die Kolonne teilen und auf beiden Straßen vorgehen , die Barnimschen unten an der Oder , unser Bataillon und die Münchebergschen über das Plateau hin . Beim Spitzkrug treffen sie dann wieder zusammen . Hirschfeldt hatte den Platz an der kleinen Georgenkirche vorgeschlagen , aber Bamme bestand auf dem Spitzkrug . « » Das glaub ich « , sagte die Schorlemmer . » Er ist immer mehr für Krug als Kirche . Und das ist es , was mich ängstigt und meine Hoffnung so niederdrückt . « Renate nahm die Hand der alten Freundin und sagte : » Ich sehe nicht ein , warum . Weißt du doch nichts von ihm , als was die Leute sagen . « » Und das ist auch gerade genug . Was die Leute sagen , ist immer wahr , trotzdem die Welt voll Lüge ist . Aber die Lüge läuft sich tot , und was dann bleibt , das ist die Wahrheit . Hast du je gehört , daß sie von dem Grafen drüben etwas Böses sprechen ? Nein , und warum nicht ? Weil er ein reines Herz