Universität , die eine von Rom verurtheilte Dogmatik gelehrt hatten , kamen in besonders gedrückter Stimmung und stellten die Bitte , den Kirchenfürsten sprechen zu dürfen . Bonaventura kannte sie und war fast der einzige , der sie grüßte . Einige von ihnen waren zugleich Lehrer eines Seminars und ihnen war es geschehen , daß sie plötzlich keine Schüler mehr hatten . Im Beichtstuhl hatten alle Alumnen auf Befehl des Kirchenfürsten geloben müssen , ihre Vorträge nicht mehr zu besuchen . Michahelles kam zurück , trat verbindlichst zu Bonaventura und zog ihn zu sich an eine Fensterbrüstung ... Sie werden sogleich vorkommen ! flüsterte er und setzte mit leiserer Stimme hinzu : Ich freue mich , von Eminenz schon die Erlaubniß zu haben , Sie mit seinem Vorhaben bekannt zu machen ! Wenn Sie die angenehme Erinnerung , die er seit lange an Sie nährt , wieder erneuern und Sie noch einige Tage der nähern Prüfung und Verständigung werden zu Ihren Gunsten überstanden haben , so ist es seine Absicht , Sie ganz und mit wichtigen Aufgaben an uns zu fesseln ! So stand das Gefürchtete wirklich in Aussicht ... Ein Diakonat an der Kathedrale und eine Domherrenstelle sind offen ; fuhr Michahelles fort und setzte mit noch gedämpfterer Stimme hinzu : So könnten Sie auch Hoffnung gewinnen , sich wieder Ihrer Heimat zu nähern , denn das wechselnde Besetzungsrecht des Archipresbyteriums St.-Ludgeri bei Witoborn , das mit dem erledigten Vicariate eine jeweilige Visitation der dortigen Pfarrei verbindet , fällt diesmal an uns , d.h. an unsern Vorschlag . Die Lutheraner haben , wie immer , die Entscheidung ... Diese mit einer seltsamen Schärfe vorgetragene Mittheilung erschütterte Bonaventura . Er mußte nach dem angedeuteten , ihm unbekannten Verhältniß noch einmal fragen ... Michahelles erklärte es : In die alte Kirche St.-Ludgeri bei Witoborn sind fast sämmtliche Dorste ' schen Besitzungen eingepfarrt . Seit urdenklichen Zeiten steht über dem Pfarrer derselben ein Archipresbyter , der bald von der diesseitigen , bald von der jenseitigen Kirchenprovinz bestimmt wird . Sie würden sicher zuweilen gern bei Westerhof leben , wo gegenwärtig die Gräfin Paula in so schwierige Verhältnisse verwickelt wird ! Daß sie auch seit kurzem wieder von ekstatischen Zuständen begnadet ist , wird Ihnen bekannt sein ! Es würde zu den erfreulichsten Zeichen unserer Tage gehören , wenn sich das Beispiel der gottseligen Emmerich wiederholte und auch uns wieder eine Seherin und Prophetin erstünde ! Und mit einer nicht mehr zu bewältigenden Macht drängten sich auf Bonaventura ' s Herz die Gedanken : Deshalb beruft man dich ! Du , du sollst es sein , der wieder eine » Nonne von Dülmen « ins Leben rufen hilft ! In deiner Nähe sieht Paula den Himmel offen , in deiner Nähe heilt sie Kranke und sagt die Zukunft voraus ! ... Und noch ehe der lächelnde , aber die wohlwollendste Ermuthigung sprechende Blick des Kaplans diese Ahnung bestätigt hatte , mußte er abbrechen und zu einem eben Eintretenden eilen ... Dies war die oberste Persönlichkeit der weltlichen Behörden der Stadt selbst , ein mit Orden bedeckter Präsident . Er kam feierlich , in erregter Haltung und , wie es schien , mit einem officiellen Auftrage . Von einem Wartenlassen war da keine Rede . Sogleich öffneten sich zum Kirchenfürsten alle Thüren ... Michahelles flüsterte im Vorübergehen in Bonaventura ' s Ohr : Der längst angekündigte eigenhändige Brief des Königs ! Michahelles folgte erwartungsvoll ... Alles war vor dem Präsidenten aufgestanden . Auch aus dem Generalvicariate waren Geistliche und Weltliche getreten , die ohne Zweifel die feierliche Auffahrt des Präsidenten beobachtet hatten . Alles schien in höchster Spannung . Bonaventura wußte , daß es eine Entscheidung über die gemischten Ehen galt . Sein Sinn war getheilt , sein Herz im Kampfe ... Ihn hatte man ausersehen , den Kampf um Paula ' s Erbe mitzukämpfen ! Ihn wollte man in die Nähe eines Wesens senden , das ihm unendlich theuer war , wie ohne Zweifel von früher her Manche wußten ... Dem Kloster , der Kirche , dem Kampfe der Parteien sollte er eine große Eroberung gewinnen ! Die Gedankenreihe auszuführen in allen ihren Folgerungen - in ihren seligen , in ihren tiefschmerzlichen - behielt er nicht Zeit ... Der Präsident kehrte nach kurzer Weile zurück , ebenso feierlich und bestimmt , wie er gekommen ... Er grüßte die sämmtlich sich Verneigenden . Dem Generalvicar drückte er die Hand ... Diesem entschlüpfte ein bedeutungsvoll aufgeschlagener Frageblick - jenem ein Achselzucken ... Alles das war ein Moment ... Bonaventura mußte voraussetzen , daß der Brief des Königs kurz und bündig übergeben und ebenso von dem Priester Immanuel entgegengenommen war und daß der täglich erörterte Streit heute von beiden Seiten ohne weitere Wiederaufnahme blieb . Wie sehr mußte er annehmen , den Empfänger in einer Aufregung zu finden , die seine kleine Sache in den Hintergrund drängte ! Michahelles kam , fertigte die Professoren ab , sagte laut und fast verletzend , daß sie Seine Eminenz vor völliger Unterwerfung unter das Breve Roms , das ihre Lehre verwarf , nie empfangen würde , winkte Bonaventura und ließ diesen eintreten . Bonaventura mußte zwei Zimmer durchschreiten ... An einer kleinen Thür stand ein greiser Diener in alter verschossener grau und grüner Livree ... Er öffnete ... Bonaventura stand vor dem Kirchenfürsten . Nicht mit einer leisesten Bewegung verrieth der Priester Immanuel , wie es ihn aufregte , eben von seinem Landesherrn ein eigenhändiges Schreiben empfangen zu haben . Ja , auf einem grünen Tische lag dies Schreiben noch ... Es trug die blaue Farbe der Cabinetsbriefe ... Mehr noch ! Das Siegel war uneröffnet . Priester Immanuel war derselbe , der als Graf Truchseß-Gallenberg , als Generalvicar und Domherr in Bonaventura ' s Erinnerung lebte ... Mager , starkknochig , länglichen Antlitzes , hart , ernst . Kein Strahl einer besondern Freude , den jungen Mann , den er als Studenten und Soldaten gesehen , nun als Priester des vorzüglichsten Rufes zu begrüßen , brach aus seinen