wissen , daß ich der Freiherr von Risach bin . « » Lange wußte ich es nicht , « antwortete ich , » jetzt weiß ich es schon eine geraume Zeit . « » Habt Ihr nie gefragt ? « » Ich habe nach der ersten Nacht , die ich in Eurem Hause zugebracht habe , einen Bauersmann gefragt , welcher mir die Antwort gab , Ihr seiet der Aspermeier . An demselben Tage forschte ich auch in weiterer Entfernung , ohne etwas Genaues zu erfahren . Später habe ich nie mehr gefragt . « » Und warum habt Ihr denn nie gefragt ? « » Ihr habt Euch mir nicht genannt ; daraus schloß ich , daß Ihr nicht für nötig hieltet , mir Euren Namen zu sagen , und daraus zog ich für mich die Maßregel , daß ich Euch nicht fragen dürfe , und wenn ich Euch nicht fragen durfte , durfte ich es auch einen andern nicht . « » Man nennt mich hier in der ganzen Gegend den Asperherrn , « antwortete er , » weil es bei uns gebräuchlich ist , den Besitzer eines Gutes nach dem Gute , nicht nach seiner Familie zu benennen . Jener Name erbt in Hinsicht aller Besitzer bei dem Volke fort , dieser ändert sich bei einer Änderung des Besitzstandes , und da müßte das Volk stets wieder einen neuen Namen erlernen , wozu es viel zu beharrend ist . Einige Landleute nennen mich auch den Aspermeier , wie mein Vorgänger geheißen hat . « » Ich habe einmal zufällig Euren richtigen Namen nennen gehört « , sagte ich . » Ihr werdet dann auch wissen , daß ich in Staatsdiensten gestanden bin « , erwiderte er . » Ich weiß es « , sagte ich . » Ich war für dieselben nicht geeignet « , antwortete er . » Dann sagt Ihr etwas , dem alle Leute , die ich bisher über Euch gehört habe , widersprechen . Sie loben Eure Staatslaufbahn insgesamt « , erwiderte ich . » Sie sehen vielleicht auf einige einzelne Ergebnisse , « antwortete er , » aber sie wissen nicht , mit welchem Ungemache des Entstehens diese aus meinem Herzen gekommen sind . Sie können auch nicht wissen , wie die Ergebnisse geworden wären , wenn ein anderer von gleicher Begabung , aber von größerer Gemütseignung für den Staatsdienst , oder wenn gar einer von auch noch größerer Begabung sie gefördert hätte . « » Das kann man von jedem Dinge Sagen « , erwiderte ich . » Man kann es , « antwortete er , » dann soll man aber das , was nicht gerade mißlungen ist , auch nicht sogleich loben . Hört mich an . Der Staatsdienst oder der Dienst des allgemeinen Wesens überhaupt , wie er sich bis heute entwickelt hat , umfaßt eine große Zahl von Personen . Zu diesem Dienste wird auch von den Gesetzen eine gewisse Ausbildung und ein gewisser Stufengang in Erlangung dieser Ausbildung gefordert , und muß gefordert werden . Je nachdem nun die Hoffnung vorhanden ist , daß einer nach Vollendung der geforderten Ausbildung und ihres Stufenganges sogleich im Staatsdienste Beschäftigung finden , und daß er in einer entsprechenden Zeit in jene höheren Stellen empor rücken werde , welche einer Familie einen anständigen Unterhalt gewähren , widmen sich mehr oder wenigere Jünglinge der Staatslaufbahn . Aus der Zahl derer , welche mit gutem Erfolge den vorgeschriebenen Bildungsweg zurückgelegt haben , wählt der Staat seine Diener , und muß sie im ganzen daraus wählen . Es ist wohl kein Zweifel , daß auch außerhalb dieses Kreises Männer von Begabung für den Staatsdienst sind , von großer Begabung , ja von außerordentlicher Begabung ; aber der Staat kann sie , jene ungewöhnlichen Fälle abgerechnet , wo ihre Begabung durch besondere Zufälle zur Erscheinung gelangt und mit dem Staate in Wechselwirkung gerät , nicht wählen , weil er sie nicht kennt , und weil das Wählen ohne nähere Kenntnis und ohne die vorliegende Gewähr der erlangten vorgeschriebenen Ausbildung Gefahr drohte und Verwirrung und Mißleitung in die Geschäfte bringen könnte . Wie nun diejenigen , welche die Vorbereitungsjahre zurückgelegt haben , beschaffen sind , so muß sie der Staat nehmen . Oft sind selbst große Begabungen in größerer Zahl darunter , oft sind sie in geringerer , oft ist im Durchschnitte nur Gewöhnlichkeit vorhanden . Auf diese Beschaffenheit seines Personenstoffes mußte nun der Staat die Einrichtung seines Dienstes gründen . Der Sachstoff dieses Dienstes mußte eine Fassung bekommen , die es möglich macht , daß die zur Erreichung des Staatszweckes nötigen Geschäfte fortgehen und keinen Abbruch und keine wesentliche Schwächung erleiden , wenn bessere oder geringere einzelne Kräfte abwechselnd auf die einzelnen Stellen gelangen , in denen sie tätig sind . Ich könnte ein Beispiel gebrauchen und sagen , jene Uhr wäre die vortrefflichste , welche so gebaut wäre , daß sie richtig ginge , wenn auch ihre Teile verändert würden , schlechtere an die Stelle besserer , bessere an die Stelle schlechterer kämen . Aber eine solche Uhr dürfte kaum möglich sein . Der Staatsdienst mußte sich aber so möglich machen , oder sich nach der Entwicklung , die er heute erlangt hat , aufgeben . Es ist nun einleuchtend , daß die Fassung des Dienstes eine strenge sein muß , daß es nicht erlaubt sein könne , daß ein Einzelner den Dienstesinhalt in einer andern Fassung als in der vorgeschriebenen anstrebe , ja daß sogar mit Rücksicht auf die Zusammenhaltung des Ganzen ein Einzelnes minder gut verrichtet werden muß , als man es von seinem Standpunkte allein betrachtet tun könnte . Die Eignung zum Staatsdienste von Seite des Gemütes , abgesehen von den andern Fähigkeiten , besteht nun auch in wesentlichen Teilen darin , daß man entweder das Einzelne mit Eifer zu tun im Stande ist , ohne dessen Zusammenhang mit dem großen Ganzen zu kennen , oder daß man Scharfsinn genug hat , den Zusammenhang des Einzelnen mit dem Ganzen zum Wohle