Kinder auch . Deshalb sagte seine Mutter zu niemandem , warum sie so sparsam sei . Der Held dieser Geschichte reichte auch mit jener Summe für ein Jahr so knapp aus ; denn obgleich dieselbe sehr bescheiden war , so waren seine Gewohnheiten und Ansprüche zu jener Zeit trotz aller Anlage zu einem tüchtigen Aufschwunge ebenso bescheiden , und da die Mutter ihm das Geld vorsorglich nur in vielen kleinen Abteilungen übersandte , jede in einen Brief mit obigem Motto gewickelt , so kam mit den guten Silberstücken , von denen sie jedes einzelne in den sparsamen Händen gehabt , jedesmal auch ihr häuslicher Machteinfluß und die eiserne Gewohnheit der Bescheidenheit und des Respektes mit . Als jedoch das erste Jahr und mit ihm die rnütterlichen Sendungen zu Ende gingen , da hatte Heinrich noch nicht die mindesten Anstalten getroffen , sich auf eigene Faust zu ernähren ; denn hier trat nun der Zeitpunkt ein , wo die allgemeine und doch so geheimnisvolle Macht dieser modernen Kunst und Heldenschaft sich ihm offenbaren sollte . In der heutigen Welt sind alle , die in der Werkstatt der fortschreitenden Kultur beschäftigt sind und es mit einem Zweige derselben zu tun haben , geschieden von Acker und Herde , vom Wald und oft sogar vom Wasser . Kein Stück Brot , sich zu nähren , kein Bündel Reisig , sich zu wärmen , keine Flocke Flachs oder Wolle , sich zu kleiden , in großen Städten keinen frischen Trunk Wasser können sie unmittelbar durch eigene frohe Mühe und Leibesbewegung von der Natur gewinnen . Viele unter ihnen , wie die Künstler und Schriftmenschen , empfangen ihre Nahrung nicht einmal von denen , welche der Natur näherstehen , sondern wieder von solchen , welche ihr ebenso entfernt stehen wie sie selbst und eine künstliche abstrakte Existenz führen , so daß der ganze Verkehr ein Gefecht in der Luft , eine ungeheure Abstraktion ist , hoch über dem festen Boden der Mutter Natur . Und selbst dann noch , wenn die einen die Mittel ihres Daseins von den anderen empfangen , geschieht dieses so unberechenbar , launenhaft und zufällig , daß jeder , dem es gelungen ist , dies nicht als den Lohn seines Strebens , sein Verdienst betrachten darf , sondern es als einen blinden Glücksfall , als einen Lotteriegewinst preisen muß . In diesem seltsamen Zusammentreffen der Geister , oder vielmehr der Leiber , ist der unmittelbare Prozeß des Essens , des Zusichnehmens der Nahrung zwar noch nicht offen als eine Tugend und Ehre an sich ausgesprochen , und noch immer gilt zur Notdurft die Moral , daß das Essen eine verdienstlose Notwendigkeit sei , obgleich mancher sein Brot so ißt , daß man sieht , er macht sich das Beißen und Kauen schon zur Ehre und kaut dem , der keines hat , recht unter die Nase ; aber der glückliche Erwerb des Brotes ist zu dieser Zeit aus einer einfachen Naturpflicht zu einer ausgesuchten Ehrentugend und Ritterschaft geworden , zu deren Erlangung der Neuling nicht ohne weiteres zugelassen wird , sondern verschiedene freimaurerische Grade der Niederträchtigkeit oder der Verdrehtheit und zweckwidrigen Unsinnes jeder Art durchmachen muß . In der Bevölkerung , welche ihr Leben unmittelbar der Natur und dem untersten Bedürfnis abgewinnt , ist die Heiligkeit und die Bedeutung der Arbeit noch klar und verständlich ; da versteht es sich von selbst , daß keiner dem andern zusehen darf , wie er gräbt und schaufelt , um ihm das Herausgegrabene wegzunehmen und zu verzehren . Alles , was einer da tut , hilft ihn und die Welt erhalten und hat einen unbezweifelten , wahren und sichern Zweck . In jener höheren abstrakten Welt aber ist einstweilen alles auf den Kopf gestellt und die Begriffe von der Bedeutung der Arbeit verkehrt bis zum Unkenntlichwerden . Hier führt ein bloßes Wollen , ein glücklicher Einfall ohne Mühe zu reichlichem Erwerb , dort eine geordnete und nachhaltige Mühe , welche mehr der wirklichen Arbeit gleicht , aber ohne innere Wahrheit , ohne vernünftigen Zweck , ohne Idee . Hier heißt Arbeit , lohnt sich und wird zur Tugend , was dort Nutzlosigkeit , Müßiggang und Laster ist . Hier nützt und hilft etwas teilweise , ohne wahr zu sein ; dort ist etwas wahr und natürlich , ohne zu nützen , und immer ist der Erfolg der König , der den Ritterschlag in dieser künstlichen Welt erteilt . Und alle diese Momente vermischen und kreuzen sich auf so wunderliche Weise , daß für die gesunde Vernunft das Urteil schwer wird . Ein Spekulant gerät auf die Idee der Revalenta arabica und bebaut dieselbe mit aller Umsicht und Ausdauer ; sie gewinnt eine auffallende Ausbreitung und gelingt glänzend ; Hunderttausende , vielleicht Millionen werden dadurch in Bewegung gesetzt und gewonnen , und doch sagt jedermann Es ist ein Betrug und ein Schwindel ! Und doch muß man die Sache näher ansehen . Betrug und Schwindel nennt man sonst , was gewinnen soll ohne Arbeit und Mühe , gegründet auf eine Vorspiegelung oder Täuschung . Niemand wird aber sagen können , daß das Revalentageschäft ohne Arbeit betrieben werde ; es herrscht da gewiß eine so gute Ordnung , Fleißigkeit , Betriebsamkeit , Um- und Übersicht wie in dem notwendigsten , solidesten Handelszweige oder Staatsgeschäfte ; es ist , gegründet auf den Einfall des Spekulanten , eine umfassende Tätigkeit , eine wirkliche Arbeit entstanden . Die Beschaffung des Mehles , die Anfertigung der Blechbüchsen , die Verpackung und Versendung , der Vertrieb in den verschiedensten Ländern schafft vielen Menschen Handarbeit und Gewinn . Die zahllosen marktschreierischen Ankündigungen , mit einer durchdachten und mühevollen Umsicht betrieben , bringen Hunderten von Zeitungen reichlichen Gewinn , und diese brauchen in gleichem Maße vermehrte Arbeitskräfte ; Setzer und Drucker finden viele Tage Nahrung in dem weitesten Umkreise nur durch die Inserate der Revalentamänner , und diese selbst , das Ganze beherrschend , nennen ihre Tätigkeit gewiß nicht minder Arbeit , wenn sie aus ihrem Comptoir kommen , als ein Rothschild die