burschikose Renommisterei grenzten .. Sie wissen nicht recht , Leidenfrost , sagte er mit seinem feinen , spitzen Tone , welcher Stimme Ihres Innern Sie folgen sollen ! Bei uns Malern sprechen Sie wie ein Maschinenbauer und wenn Sie hinausgehen in die große Willing ' sche Maschinenfabrik und dort Modelle zeichnen , so werden Sie da gewiß wieder von schönen , idealischen Formen reden und hoffentlich die Lokomotiven mit häßlichen Tintenfässern vergleichen , ja nicht einmal mit diesen , sondern mit plumpen , chemischen Zündfeuerzeugen oder Apothekerbüchsen für Pferdecuren . Ich wette , daß Sie eben im Begriff sind , einen neuen Hebebaum zu erfinden und wenn er gut ist , wird der Königshasser die Demüthigung erleben , daß man ihn beim Kölner Dom in Anwendung bringt . Aha ! rief Leidenfrost und pfiff die Marseillaise . Die Politik , sagte Siegbert zur Vermittlung , die Politik , lieber Heinrichson , spielt doch auch sehr in diese Fragen hinein ! Sie sind conservativ und haben Ursache dazu . Ein Maler , dem man zu Gefallen echte isländische Schwäne vom König ankaufen läßt , würde undankbar genannt werden müssen , wollt ' er demokratische Auffassungen theilen . Diese Gêne macht ja leider uns Alle so zahm und verpflichtet uns . Dennoch gibt es Demokraten unter uns . Auch Reichmeyer ist Demokrat , solange die Demokratie sich nicht auf communistischen Gelüsten ertappen läßt . Leidenfrost schüttet aber das Kind mit dem Bade aus und ist in seinen Irrthümern um so gefährlicher , als er selbst die Geheimnisse unsrer Kunst kennt und in Weihemomenten noch Glauben genug an sie besitzt , sie in seinem Sinne zu üben . Warum wollen wir in der hereinbrechenden Barbarei des Materialismus die Flucht ergreifen ? Warum die Fahne Rafael ' s und Dürer ' s im Stich lassen und zu den Fabrikarbeitern und Nützlichkeitslehrern übergehen ! Auch ich fühle für die praktischen Bedürfnisse des Volkes und die Nothwendigkeit , Alles zu bekämpfen , was die Tyrannei des alten Systems aus der Kunst entlehnt , um sich zu schmücken und scheinbar als Blüte der Humanität darzustellen , aber ... Nun , rief Leidenfrost , nun ? Sie sagen da etwas Entsetzliches , Wildungen ! Sie stocken schon ! Die Tyrannei entlehnt aus der Kunst , um sich zu schmücken und sich scheinbar als Blüte der Humanität darzustellen .. schlagendes Wort ! Bricht diese nichtswürdige Lüge aber nicht der Kunst den Hals für immer ? Nein , sagte Siegbert ruhig , sie beschämt nur die Tyrannei . Die Kunst selbst kann , darf nicht leiden unter ihrer falschen Anwendung . Der Sinn für das Ideale darf nicht aussterben , die neidische Feindschaft gegen das Schöne nicht gehegt und befördert werden . Sagen Sie selbst , Leidenfrost , in unserm neuen Freunde , dem liebenswürdigen Franzosen Louis Armand , liegt nicht bei all seiner Vortrefflichkeit und seiner warmen Empfindung für die Leiden des Volkes etwas in ihm , was man einen mangelnden sechsten Sinn , den der Schönheit nennen könnte ? Fünf Sinne brauchen wir nur ! antwortete Leidenfrost trocken . Reichmeyer fragte noch einmal nach dem Namen des Franzosen , den er eben erwähnt hörte .. Louis Armand ! wiederholte Siegbert . Louis Armand aus Paris ? Ich kenne einen Vergolder dieses Namens , der dicht an Delaroche ' s Atelier wohnte . Heinrichson , dem das Gespräch zu politisch wurde und es darum auf Anderes lenken wollte , sagte : Gewiß , derselbe , oder ein Agent seines Geschäftes , der sich hier niedergelassen hat . Man rühmt die Proben seiner Gemälderahmen und hat Vieles bestellt ... Er hatte in Paris ein bescheidenes , aber gesuchtes Geschäft , ergänzte Reichmeyer . Das ganz Landhaus einer vornehmen Dame , der Gräfin d ' Azimont , sah ich ihn einmal mit Spiegeln auslegen , wo er vielen Beifall erntete . Ich habe einige enkaustische Sachen für diese Einrichtung gemalt ... Heinrichson verstand Reichmeyern und merkte die Absicht , daß er ihm behülflich sein wollte , den politischen Faden abzuschneiden , den er nicht verfolgen wollte , da er ein leidenschaftlicher Anhänger des Bestehenden war und nur mit Vornehmen umging . Ein Handwerker , sagte er , der von Künstlern lebt , sollte gegen die Künste dankbarer sein . Ich finde es sehr komisch , Gemälderahmen zu machen , Spiegelpaläste zu zaubern und gegen Gemälde und den Luxus überhaupt , wahrscheinlich als Sozialist , zu polemisiren . Apropos ! Die Gräfin d ' Azimont .. Tragisch ist Das , bester Heinrichson , unterbrach Siegbert , der , wenn er einmal in Erregung war , von seiner Glut für die richtige Überzeugung nichts vergab und nun nicht dulden mochte , daß Heinrichson zu der ihm völlig gleichgültigen Gräfin d ' Azimont ablenkte . Tragisch find ' ich Das , wiederholte er , wenn ein Mann , der in seiner Theorie etwas haßt , in der Praxis davon zu leben gezwungen ist . Erinnern Sie sich , Leidenfrost , wie erschüttert Armand war , als er zufällig auf jenen Spiegelpalast zu sprechen kam . Sagte er nicht , daß er dort den Prinzen Egon kennen gelernt hätte ? Nein , berichtete Leidenfrost , er hat ihn dort nur nach früherer Bekanntschaft in Lyon wiedergefunden . Wohl ! fuhr Siegbert fort . Aber darin müssen Sie mir Recht geben , daß unserm Armand doch ein gewisser höherer Sinn fehlt für das Schöne , das Träumerische und Ideale in unserm Sinne . Ich gebe zu , daß man im Schweiße seines Angesichts , vom untersten Schmuze der Arbeit niedergezogen , nicht im Stande ist , sich zu einer reinen und heiteren Auffassung auch der Dinge aufzuschwingen , die zunächst keinen handgreiflichen Nutzen tragen . Aber aus dem Nichtvermögen entstand hier auch das Nichtwollen . Sie verwerfen die Kunst als Ausgeburt des Luxus diese Communisten ! Und kann man im Grunde den Ursprung der meisten Kunstwerke in etwas Anderem , als in der Leidenschaft für den Luxus finden ? Solange noch dem Überflüssigen die jammervolle Nichtbefriedigung