Brixton seiner Familie wieder zuführt , sie ihrem Schutze empfehlend . Was sagt Ihr ? rief hier die Herzogin , schnell aufstehend , mein Sohn , Lord Richmond , führt das Mädchen , welches sich unserm Schutze entzog , um mit einem ehrlosen Manne die Flucht zu ergreifen , dies Mädchen , deren Namen wir nur mit Erröthen vor unsern Töchtern könnten nennen hören , dies Mädchen führt er in den Kreis seiner Familie zurück , und Ihr , Lord Archimbald , Ihr nehmt es über Euch , mir diese Nachricht zu bringen ? O geht , geht , Mylord , Ihr spottet der alternden Frau , Ihr benutzt ihren durch Gram stumpf gewordenen Verstand und versuchet die Macht Eurer Fabeln ; jedoch ist jener noch hell genug , und diese sind schlecht ersonnen . Ich glaube viel eher an Eure schlechte Erfindungskunst , als daß ich durch den Glauben an ihre Wahrheit das eigene Kind in meiner Brust zerstören müßte . Weder zum Fabeln-Erfinden habe ich Talent , Mylady , sagte Archimbald kalt , noch fühle ich mich geneigt , Euern sehr gegenwärtigen Verstand auf Proben zu stellen . Hier ist nicht von so tragischen Momenten die Rede , als Eure Worte andeuten . Die Sache ist sehr einfach die , daß ein junges Mädchen hintergangen ward durch die Tücke eines erfahrenen Weltmannes , daß sie nur anscheinend Unrecht that und , bei unbefleckter Sitte , erlöst aus einer schmäligen Gefangenschaft , voll Vertrauen die aufsucht , von denen ihr schon ein Mal Schutz und Hülfe zu Theil ward . Die Herzogin wollte eben in heftiger Rede entgegnen , als schnelle Schritte sich den Vorhängen der Thür näherten und im selben Augenblick sich Richmond zeigte , der mit dem ganzen Enthusiasmus kindlicher Liebe zu den Füßen seiner Mutter stürzte . Das heftige Wort der zürnenden Frau erstarb in ihrem Munde . Der Zauber , den der Anblick eines geliebten Wesens über alle Kräfte unserer Seele übt und sie aufzulösen scheint in dem Entzücken des Anblickens , der Wohllaut , der unsere Seele erfüllt , wenn wir das Bild in der Fülle des Lebens vor uns sehen , was den Hintergrund unseres Herzens mit tiefen , unauslöschlichen Farben einnimmt - diesem Zauber unterlag das Mutterherz , und Stille kehrte für einen Augenblick in die aufgeregte Brust ein . Doch Richmond kannte seine Mutter zu wohl , um nicht in ihren Zügen den kaum bezwungenen Zorn zu erkennen , und außer Zweifel über die Ursache , war er Mann genug , den Gegenstand nicht zu scheuen , sondern , sobald als möglich , zu erörtern . O seht mich gütig an , meine theure Mutter , rief er mit dem tiefsten Ausdruck der Liebe , und seid sicher , Ihr dürft es ohne Rückhalt ! Was ich Euch zu sagen habe , verdient nicht Euern Zorn , nicht Eure Besorgniß ! Ich fühle mich stark in dem Bewußtsein , so gehandelt zu haben , wie Ihr es von Euerm Sohne gefordert haben würdet . Die Herzogin schwieg , unwillkürlich lauschte ihr Ohr den überredenden Worten des Lieblings , aber das Phantom ihrer Angst trat wieder dazwischen . Schwäche schien ihr die verführerische Hoffnung , und sie riß sich mit Anstrengung davon los . Und ist es wahr , was Lord Archimbald behauptet , sprach die Herzogin dumpf und ihn mit düsterem Auge anblickend , ist es wahr , führst Du die , die sich unserm Schutze entzog , und Ruf und Sitte gleich stark beleidigte , führst Du sie diesem ehrwürdigen Hause zurück ? So ist es , rief Richmond lebhaft aufstehend , und in Wahrheit , ich rechne es zu dem Besten , was ich zu leisten vermochte . Denn ein edles , vom Schicksal verfolgtes Wesen , unschuldig und rein wie das Licht des Himmels , habe ich aus den Händen der Bosheit befreit , und die grausamste Gewaltthat an menschlicher Freiheit und Würde verhindert . Diese Behauptung , mein Sohn , rief die Herzogin gepreßt , wirst Du mir beweisen müssen , und diese Beweise werden bei mir eine scharfe Prüfung zu bestehen haben . Nicht überreden werden mich die klugen und geschickten Sophismen eines schönen Mädchens , oder ihre rührenden Thränen , oder was ihr sonst gelungen sein mag , gegen Dich zur Unterstützung anzurufen . Die Gräfin Melville , sagte Richmond mit Ernst , hat nie ihr unglückliches Schicksal zu einem Gegenstand besonderer Unterredungen mit mir gemacht , sie ahnet wohl kaum das Dasein der Künste , die Ihr eben andeutet , und überließ es ihrem Lehrer , dem Master Brixton , der sie mit mir auffand und sie keinen Augenblick seitdem verlassen hat , nachdem sie uns beiden das von ihr Erlebte einfach mitgetheilt hatte , mit mir die nöthigen Schritte zu überlegen . Das Dunkel , welches dessen ungeachtet darüber verbreitet ist , das jedoch allein den Motiven gilt , warum man sie um jeden Preis unserer Obhut entziehen wollte , und warum ihre Person so wichtig gehalten wird , daß man ihr lieber den Tod geben , als ein Hervortreten an das Licht gestatten wollte , ist theils Brixtons Geheimniß , theils ihm selbst noch unaufgeklärt . Nun wahrlich , rief die Herzogin , in die widersprechendsten Empfindungen aufgelöst , die Aufschlüsse , die nach so viel Ausnahmen übrig bleiben , können nicht von Belang sein und schwerlich mein Mißtrauen gegen ihre Triftigkeit aufheben . Aber ich empfinde es als eine Härte des Schicksals und kann Dir dafür nicht dankbar sein , daß Du dies in Geheimnisse gehüllte Mädchen meinem Kreise wieder zuzuführen trachtest , der sich von jeder Zweideutigkeit frei erhalten sollte . Und der es bleiben wird , entgegnete Richmond , wenn Ihr das Zeugniß des Master Brixton , eines ehrwürdigen , angesehenen Geistlichen , wenn Ihr das Zeugniß Eures Sohnes , wenn Ihr das Zeugniß der himmlischen Unschuld selbst nicht zurückstoßen wollt , eine vorgefaßte Meinung lieber festhaltend . Die Herzogin hatte vielleicht noch nie eine so feste Sprache von