indem Beide , von gegenseitiger Neigung bestimmt , dieß sehnlichst wünschten . Da Sie , mein lieber Vetter , erwiederte der Graf , Hohenthal als Ihr künftiges Eigenthum betrachten müssen , so ist es mehr Ihre , als meine Sache , und ich gebe im Voraus zu jeder Einrichtung , die Sie dort treffen , meine Einwilligung . Der Graf gab es nicht zu , daß sein Vetter sich in Danksagungen ergoß , indem er scherzend bemerkte , daß er noch zu lange zu leben hoffe , als daß er jetzt schon Dank für ein Erbe verdiene , das er erst so spät zu überlassen gedenke , und er führte bald seinen Vetter auf das Schicksal seines Freundes zurück . Wodurch er völlig zur Milde gestimmt wurde , fuhr der Graf Robert in Beziehung auf Wertheim fort , war , daß , als wir nicht weit von Paris in ein artiges Landhaus einquartirt wurden , er in der Besitzerin seine entflohene Schwester erkannte , die hier mit ihrem Gatten , der , in Spanien schwer verwundet , zum Dienst untauglich wurde , in glücklicher Ehe lebte . Drei schöne , in Gesundheit blühende Kinder umgaben dieß Paar , und die Versöhnung war bald gemacht , da Wertheim seine Schwester als Gattin dessen fand , der sie entführt hatte , und da man ihn versicherte , daß der französische Offizier sie in Deutschland schon förmlich geheirathet haben würde , wenn man nicht überzeugt gewesen wäre , der Bruder werde dieß nicht zugeben und im Gegentheil darauf bestehen , daß die Schwester dem Baron Lehndorf ihr übereilt , bloß um seinen Wunsch zu erfüllen , gegebenes Wort halten solle , wodurch sie sich für ihr ganzes Leben höchst unglücklich gefühlt haben würde . Da Wertheim sich gestehen mußte , daß er allerdings so gehandelt haben würde , und da Lehndorf über den Verlust der früheren Braut längst durch die Hoffnung getröstet war , sich mit meiner jüngeren Schwester zu verbinden , so war die Versöhnung von allen Seiten leicht , und Wertheim , der es früher für die Aufgabe seines Lebens hielt , diesen Franzosen von der Oberfläche der Erde zu vertilgen , schied als dessen aufrichtiger Freund von ihm . Er hatte nämlich die Schwester mit dem Tode ihrer gemeinschaftlichen Verwandtin bekannt gemacht , ohne ihr zu sagen , wie feindlich die sie auch im Tode vom Mitgenusse ihres Vermögens ausgeschlossen habe , deren Geiz ihr und der Mutter , als sie noch lebte , auch in der dringendsten Noth selbst die kärglichste Unterstützung versagt hatte . Mein Freund wollte also , fuhr der Graf Robert fort , sein Erbe mit der Schwester theilen , doch deren Gemahl gab dieß nicht zu , indem er dem Bruder seiner Gattin bewies , wie sein Vermögen bedeutend genug sei , daß er leicht diesen Zuwachs entbehren könne , und nach einem gegenseitigen Kampfe der Großmuth blieb mein Freund der einzige Besitzer dss Vermögens , indem er gern als Gabe des Wohlwollens den Vortheil annahm , den ursprünglich nur der Haß ihm hatte zuwenden wollen . Der Baron Lehndorf , berichtete der Graf Robert weiter , hat bei unserer Rückkehr die sichere Aussicht auf eine sehr gute Anstellung bei dem Forstwesen , wodurch er ebenfalls in die Lage kommt , einen Hausstand begründen zu können , was er in Vereinigung mit meiner jüngeren Schwester zu thun beabsichtigt . So haben Sie ja bei Ihrer Rückkehr , bemerkte der Graf lächelnd , die Aussicht auf eine Reihe von Festen , auf viele fröhliche Hochzeiten . Gewiß , gewiß , rief der Arzt , der mit seinen großen Sporen im Saale umherklirrte . Sobald ich zurückkehre , wird das große , das heilige Fest begangen . Alle meine Gedanken richten sich nach der Heimat ; das Bild meiner geliebten Braut folgte mir überall , und ich habe selbst in Frankreich mancherlei Tand für sie eingekauft , um sie damit zu schmücken , und auch für meine Schwiegermutter , die sich eigentlich noch lieber putzt und bunter kleidet , als es sich , wie mich bedünken will , für ihr Alter ziemt . Aber unschädlichen Thorheiten giebt der Weise nach , und besser zu viel Schmuck an den Bewohnern und im Hause , als daß die Grazien darin fehlen sollten . Man gab dem Arzte , der diese Rede mit großer Selbstzufriedenheit gehalten hatte , von allen Seiten Recht , und die Frauen verlangten die Geschenke zu sehen , die er für die Braut und Schwiegermutter bestimmt hatte , um , wie sie sagten , seinen Geschmack zu bewundern . Der gutmüthige Arzt , der auf Alles eitel war , wurde durch diese Aufforderung erfreut und brachte nur zu gern alle Gegenstände zum Vorschein , die er , wie er sagte , in Frankreich rechtlich eingehandelt und nicht , wie ihm dieß von Manchem bekannt sei , ohne weitere Zahlung an sich gebracht habe ; und die Frauen rühmten scherzend jedes Stück und lobten den zarten Sinn des glücklichen Arztes , der , die Vorliebe seiner Schwiegermutter für alles Bunte kennend , ihren Geschmack beinah auf eine übertriebene Weise zu befriedigen gesucht hatte . - Die Freunde blieben einige Tage bei dem Grafen , der sich ernstlich für den jungen Thorfeld zu verwenden versprach , um ihm eine Stelle als Justizamtmann in der Nähe von Hohenthal zu verschaffen , deren Besitz er so heftig wünschte , wie der Arzt auf seine Weise mit feinem Scherz bemerkte , um in der Nähe zu bleiben und sich gegen Eingriffe in seine Eigenthumsrechte auf das Herz der Tochter des Predigers zu bewahren . Der junge Mann schwieg erröthend , und es ließ sich also annehmen , daß der oft wiederholte Scherz des Arztes nicht grundlos war . Die Gräfin bemerkte während dieser Zeit gegen den Grafen Robert , daß es wunderbar sei , wie verschieden Glück und Unglück auf verschiedene Charaktere wirke . Viele Menschen , sagte sie , werden durch Unglück erzogen . Es macht sie ernster , milder