Frohn die Waffe , und ließ sich geduldig das Antlitz verhüllen , worauf ihn der Frohn bei der Hand nahm , und behutsam mit ihm voranging . - » Wäre ich Freigraf und Schöppenbank in Einem , « wisperte der Kleine dem Jüngling zu : » so hätte ich Euch schon dort auf dem Kreuzwege freigesprochen ; denn ein Mann , der solche Liedlein singt , und singt , wie Ihr es thut , .. der hat nimmer einen Frevel im Schilde geführt . « - » Ihr habt viel Vertrauen , obschon Ihr zu den Heimlichen gehört ; « meinte Dagobert : » könntet Euch wohl irren . « - » Nicht doch ; « versetzte der Frohn : » ich kenne Euch auch nicht erst seit heute , und schon , da Ihr mit Singen aufhörtet , und zu sprechen begannt , hab ' ich wohl gewußt , wer Ihr seyd . Ich kenne Euch recht gut und Euer Haus . « - » Ei , so soll mich Gott ! .. « sagte Dagobert , im Gehen inne haltend : » Ihr seyd mir auch nicht fremd , und manches Stiefelpaar hat mir Eure Hand gefertigt , Meister Freudenberger , wenn mich meine Ohren nicht abscheulich hinters Licht führen . « - » Pst ! « antwortete der Andere , und weiter nichts . - » Wie kommt denn Ihr , der fröhliche Meister und kunstgerechte Chor- und Stubensänger , - wie kommt Ihr unter diese Eulen der Nacht ? « fragte Dagobert theilnehmend weiter . Der Frohn drückte ihm aber rasch die Hand , und flüsterte : » Stille , um des Himmels Willen . Wir sind unfern dem Stuhle , und haben nur das Zeichen zu erwarten . « - Lautlos standen Beide stille , und nachdem verschiedne Stimmen , brummend und flüsternd an ihnen vorüber gegangen waren , geschahen unweit von ihrer Stätte sieben Hammerschläge auf ein dröhnendes Brett , und mehrere Menschen kamen heran . » Ben ! « rief der Eine , mit viel Frohsinn in dem Ausdruck seiner Rede : » ' s hat hart gehalten , aber , Gott sey Dank ; Recht ist Recht geblieben . Wie wird sich meine Mutter freuen , wenn ich wohlbehalten nach Hause komme . Sein ferneres Geplauder , wie eine Mahnung der Begleiter sich ruhig zu verhalten , verscholl in der Weite . « - » Dieser Mensch hat ' s glücklich überstanden ; « dachte Dagobert für sich : » die Vehme scheint also nicht aus eitel Bluthunden zu bestehen ; darum Muth , Freund Dagobert . Muth und offnen Helm ! « - Rasch fühlte er sich nun fortgeführt ; sein Fuß betrat glattes Steinpflaster ; er hörte ein Geräusch um sich summen , wie Reden aus dem Munde Vieler , die sich an den Bogen eines Gewölbes brechen . Der Frohnbote hieß ihn stille stehen , und nahm ihm die Verhüllung von den Augen . Dagobert erkannte angenblicklich die Maternuskirche als die Stätte des heimlichen Gerichts . Auf den Stufen , den Altar zu tragen bestimmt , war eine schlichte Tafel errichtet , hinter welcher der Freigraf auf einem Stuhle , die sieben ihn umgebenden Schöppen auf niedern Bänken saßen . Vor dem Erstern lag ein Schwert und der Zweig einer Weide . Hinter den Sitzen der Richter standen und saßen theils einzeln , theils in mannichfachen Gruppen , eine Anzahl von Männern , deren sorgfältige Verhüllung , jener der Richter gleich , andeutete , daß sie mit zu den Wissenden gehörten , ob als Frohnboten , oder als echte und rechte Schöppen , jedenfalls ohne an dem Gerichte thätigen Theil zu nehmen . Um den Vorgeladenen standen einige Diener des Gerichts in bescheidentlicher Entfernung . Zwei Lampen , von welchen die eine an der Thüre gehalten wurde , die Andre vor dem Grafen stand , leuchteten in diesem düstern Bau . Die Unterredung der im Kreise Sitzenden dauerte mit Lebhaftigkeit fort , bis endlich der Frohnbote den Freigrafen bescheidentlich erinnerte , daß der Vorgeladene des Weitern harre . Ein Schlag auf den Tisch stellte die Ruhe her . Aller Augen richteten sich - unter den bergenden Kaputzen hervor - auf den Jüngling , dessen Ruhe und Sicherheit in dem Maaße zunahm , als er mehr und mehr gewahr wurde , mit welcher Sorglosigkeit die so gefürchteten Richter ihr Geschäft betrieben . - Der Freigraf erhob zuerst seine Stimme , und sprach : » Ich frage Dich , Frohne , ob es noch wohl an der Zeit seye , in Statt und Stuhl unsers allergnädigsten Herrn , des römischen Kaisers , daß ich ein Gericht und heilig Ding hege , zu richten unter ' m Königsbanne . « - Der Frohne antwortete : » Sintemalen Ihr von der Freigrafschaft , und von der leiblichen Hand des römischen Königs Fug und Recht zu hegen empfangen habt , so mögt Ihr noch immer thun zu Rechten an diesem Beklagten , Geladenen und Gegenwärtigen . « - Hierauf wurde dem Jüngling abermals das Haupt verhüllt ; dagegen enthüllten Freigraf und Schöppen ihr Antlitz , und entblößten ihre Häupter . Sie legten die Mäntel zurück auf die Schultern und warfen die Handschuhe ab . In Aller Namen sprach der Freigraf die Worte : » So hege ich denn ein Gericht und billig gefeimtes Geding unter ' m Königsbann , auf des Königs Bank , Stätte und Stuhl mit diesen echten , rechten freien Männern des Königs , und fürbaß mit diesen andern Freischöppen ; wie sich ' s mit Recht gebührt unter ' m Königszwang und bei der höchsten Strafe des Strangs . « - Die Richter verhüllten sich wieder , setzten sich , und dem Geladenen wurden die Augen freigegeben . Nach den Eingangsfragen , aus welche Dagobert mit harmloser Unbefangenheit antwortete , kam die Reihe im schnell und oberflächlich geführten Verhör auf die Missethaten , deren der Vorgeladene von einem Wissenden beschuldigt worden sey . Dagobert ' s Herz empörte sich bei