worden , die ihn , nachdem sein Diener in seiner Vertheidigung das Leben verloren , beraubt und ausgezogen hätten . Da er nun in dem Aufzug eines Bettlers keinen Zutritt zu mir habe hoffen können , sey er auf den verzweifelten Entschluß gekommen , sich einem Thespischen Sklavenhändler unter der Bedingung anzubieten , daß er ihn unverzüglich nach Korinth führen und an die schöne Lais verkaufen sollte . Meine Absicht war ( fuhr er fort ) sobald ich in deine Gegenwart gekommen seyn würde , mich dir zu entdecken ; aber es erfolgte was ich hätte vorher sehen sollen : dein erster Anblick machte mich auf ewig zu deinem Sklaven , wenn du mich auch nicht gekauft hättest ; und der Gedanke , dir als wirklicher Sklave anzugehören , in deinem Hause zu leben und des Glücks dich anzuschauen vielleicht täglich gewürdiget zu werden , wirkte mit einem so unwiderstehlichen Reiz auf mein Gemüth , daß es mir schlechterdings unmöglich war meinen ersten Vorsatz auszuführen . Ich fühle nur zu sehr wie strafbar ich bin - und unterwerfe mich jeder Züchtigung die du mir auferlegen willst ; nur die Verbannung aus deinen Augen würde eine unendlichemal grausamere Strafe seyn , als wenn du mir mit eigener Hand den Tod gäbest . - Ich sagte ihm : wie er hoffen könne , nach einem solchen Geständniß nur einen Tag länger in meinem Hause geduldet zu werden ? - Das hoffe ich allerdings von deiner Großmuth , versetzte er in einem mehr zuversichtlichen als bittenden Ton . Ich bitte nur so lange darum , bis die Unterstützung , die ich von meiner Familie bereits begehrt habe , angelangt seyn wird . Ich bin gewiß daß meine Brüder mich nicht verlassen werden . Warum solltest du mir auf so kurze Zeit deinen Schutz versagen ? Mein Geständniß hab ' ich nur dir gethan . In deinem Hause bin ich ein von dir erkaufter Sklave ; deine Hausgenossen wissen nichts anders ; und wofern du auch die Güte hättest mich täglich um dich zu dulden , so würde - So würde , fiel ich ihm in die Rede , da er das folgende Wort nicht gleich finden zu können schien , so würde jedermann es sehr natürlich finden , meinst du ? du hegest eine sehr bescheidene Meinung von dir selbst . - Die schlechteste , erwiederte er , wenn ich das Unglück habe , der göttlichen Lais zu mißfallen ; die größte , wofern mir die Grazien hold genug wären , ihr gütige Gesinnungen für mich einzugeben . - Was hätte ich nun mit diesem Menschen anfangen sollen , Learch ? Ich . Verlangst du im Ernst es zu wissen ? Lais . Deine Meinung wenigstens . Ich . Es ist nicht unmöglich , daß dir der junge Dorylas oder Pausanias nichts von sich gesagt hat , was er im Nothfall nicht beweisen könnte ; aber , aufrichtig zu reden , er sieht mir einem ziemlich gefährlichen Abenteurer ähnlich . Lais . Gefährlich ? Mir gefährlich , Learch ? Ich . Wahr ist ' s , wenn die schöne Lais nicht berechtigt wäre , sich über die Schwachheiten ihres Geschlechts erhaben zu glauben , welche andere dürfte es ? Und doch , wäre sie auch der Göttin der Weisheit eben so ähnlich , als sie es der Göttin der Schönheit ist , so - Lais . Ich erlasse dir den Nachsatz , lieber Learch ! Die ganze Gefahr , wenn ja Gefahr seyn sollte , bestände dann doch nur darin , daß mir Pausanias gefallen , daß ich ihn wohl gar lieben könnte ; und wo wäre da das große Unglück ? Ich . Darüber kannst du in der That allein entscheiden . Verzeih , wenn mich die wohlmeinende Freundschaft unbescheiden gemacht hat . Lais . Das wirst du nie seyn , Learch - Aber deine Meinung , was ich hätte thun sollen , bist du mir noch schuldig . Ich . Wenn du , z.B. dem schönen Dorylas , weil du doch schon zwei oder drei sehr gute Vorleserinnen hast , die Freiheit und die dreitausend Drachmen , die er dich kostet , geschenkt , und ihm beim Abschied noch eine Handvoll Dariken zur Wegzehrung mitgegeben hättest : so hätte er damit wohl behalten nach Hause kommen können , und jedermann würde gesagt haben , du hättest eine sehr großmüthige That gethan . Lais . Aber du scheinst zu vergessen , Learch , daß hier nicht die Rede davon seyn kann , was jedermann davon denken und sagen würde ; denn außer meinen Leuten weiß niemand von der Sache , und niemand hat sich auch um das Innere meines Hauswesens zu bekümmern . Ueber die Urtheile der Korinthier bin ich ohnehin schon lange weg , wie du weißt . Ich . Allerdings ! Ich hätte sagen sollen : du würdest , wenn du so mit dem vorgeblichen Pausanias verfahren wärest , sicher auf den Beifall deines eigenen Herzens haben rechnen können . Lais . Das wäre denn doch vielleicht noch die Frage . Uebrigens kann ich dir zu deiner Beruhigung melden , daß Pausanias im Begriff ist , mein Haus zu verlassen . Ich . Er geht wieder von Korinth ab ? Lais . Das nicht ; er bezieht nur eine eigene Wohnung ; denn er gedenkt sich noch einige Zeit hier aufzuhalten . Ich . Die Unterstützung von seiner Familie ist also glücklich angelangt ? - Ich besorge , Aristipp , ich sagte dieß in einem ironischen Tone ; denn die arme Lais verfärbte sich , schien verlegen , und hatte Mühe ein paar Thränen , die ihr in die Augen schossen , zurückzuhalten . Sie mußte sich etwas bewußt seyn , das ihren Stolz demüthigte , und sie fürchtete vermuthlich , daß ich sie errathen hätte . Ich sah daß es hohe Zeit sey , einer Unterredung , welche beiden Theilen peinlich zu werden anfing , ein Ende zu machen . Mir ist lieb ( sagte ich mit der unbefangensten