P. Cato : » Baue dein Gehöft so , daß es weder den Gebäuden an Ländereien , noch den Ländereien an Gebäuden fehlt . « Der Boden bestand aus Lehm und Sand ; drei Arbeitspferde und vierzehn Kühe wurden angeschafft und zwei Knechte und zwei Mägde in Dienst genommen . So war Thaer , nachdem er die Stadien des Blumisten und Gärtners durchgemacht hatte , zum Landwirt geworden . Er blieb noch Arzt , sogar ein vielbeschäftigter , vielfach ausgezeichneter ( 1786 ward er zum Leibarzt des Königs Georg III. ernannt ) , aber sein Herz , sein Sinnen und Trachten gehörte der » Wirtschaft « draußen und die Sommermonate pflegte er , samt seiner Familie , auf dem » Gute « zu wohnen . Sein Leben war ein sehr angestrengtes ; die Frühstunden von vier bis sieben und der Spätabend gehörten seinen landwirtschaftlichen Studien , der Tag seinem ärztlichen Beruf . Nur die Passion half über alles hinweg . Es lag ihm zunächst daran , seiner Umgebung augenscheinlich darzutun , daß es einen Ackerbau gebe , der vollkommener und ergiebiger sei , als der , welchen man im Celleschen Felde betreibe . Er wollte durch sein eigenes Beispiel zeigen , wie man den Ackerbau , mit höchstem Unrecht , nur als ein Handwerk , ja oft noch geringer ansehe , in der Meinung , daß weniger Kunst dazu gehöre , einen Acker zu bestellen , als einen Schuh zu machen . Er wollte die Betreibung dieses wichtigen , verwickelten , dieses unerschöpflich künstlichen Gewerbes zu wohlverdienten Ehren bringen . Er stellte sich bei seiner kleinen Wirtschaft einen doppelten Zweck : den zum Teil widerstrebenden Boden in eine möglichst hohe Kulturstufe zu heben und vor allem eine Experimental-Wirtschaft zu seiner eigenen Belehrung und Förderung zur Hand zu haben . Selbstdenkend , aber auch Rat nicht verschmähend , wie gute Bücher oder bewährte Landwirte ihn boten , ging er ans Werk . Er belächelte die Bauernweisheit , die damals , häufiger noch als jetzt sich in dem Satze gefiel : » Ein günstiger Regen ist besser , als alles Geschreibse der Federfuchser « , und zu seinen Lieblingssätzen gehörte der Ausspruch Zimmermanns : » Ein Trommelschläger , der in zwanzig Schlachten trommelte , weiß doch weniger vom Kriege , wie König Friedrich , als er eine gewonnen hatte . « Gegen die Trommelschläger , die in zwanzig Schlachten getrommelt , zog Thaer jetzt zu Felde ; auch seine ärztliche Praxis mochte ihm gezeigt haben , daß es mit der » Erfahrung « untergeordneter Natur ein eigen Ding sei und daß sie nur da belehre , wo eine Neigung vorhanden sei , sich belehren zu lassen . Wo diese Neigung fehlt , glauben die Männer der Erfahrung wohl an Tücken der Natur , aber nie an Fehler des Systems . Thaer begann die Anfänge einer rationellen Landwirtschaft in seinem Kopfe allmählich auszuarbeiten und fing mit der Aufstellung gewisser Probleme an . Das erste Problem , dessen Lösung er zustrebte , war folgendes : die größte Masse zur tierischen Nahrung geeigneter Pflanzen auf einer bestimmten Fläche Landes zu gewinnen . Das zweite nicht minder wichtige Problem bestand darin : die verschiedenen Fruchtkräfte jedes Bodens für die verschiedenen , dieser Fruchtkräfte bedürftigen Fruchtarten so viel als möglich und in einer der Regeneration des Absorbierten günstigen Wechselfolge zu benutzen . Also die Brache entbehrlich zu machen . Die Lösung des ersten Problems fand er im Anbau der Futtergewächse , ganz besonders der Kartoffel , die Lösung des zweiten Problems in der seitdem siegreich durchgedrungenen » Lehre von der Fruchtfolge « . Für die Kartoffel trat er überall in die Schranken und widerlegte alle Vorurteile . Er wies darauf hin , daß die Irländer die stärksten und ältesten Kartoffelesser und zugleich , unter allen europäischen Rassen , vielleicht die gesundeste , kräftigste und schönste seien ; und dem Grafen Podewils , der ihn auf diesem Gebiete freundlich bekämpfte , antwortete er in späteren Jahren : » Der Herr Graf ist mein sehr verehrter Freund , aber der Kartoffelbau ist mein Kind . « Seine Lehre von der » Fruchtfolge « stieß anfangs auf vielen Widerspruch , und da er seine eigenen Felder danach bestellte , prophezeite man ihm , daß seine Äcker nach vier Jahren völlig ausgesogen sein würden . Thaer ließ sich das nicht anfechten . Schon Friedrich der Große hatte sich seinerzeit für ein rationelles aber konstantes Tragen der Felder ausgesprochen und den Widerspruch mit den Worten zurückgewiesen : » Seh Er doch nur sein Gartenbeet an , wie das alljährlich trägt . « Thaer war gewillt , die treffende Bemerkung des Königs sich selber gesagt sein zu lassen . Er überzeugte sich alsbald , daß der Acker nicht dadurch ausgesogen wird , daß man ihn alljährlich tragen läßt , sondern dadurch , daß man ihn nicht das tragen läßt , was er zur Wiederherstellung seiner Kräfte bedarf . Es führte das später zu dem Axiom , daß den Acker , wie den Menschen , nichts so sehr entnerve und aussauge , als das Nichtstun , das Nichttragen . Aber auf das richtige , das ihm passende Tragen kommt es an . Das System des Fruchtwechsels , das , um es zu wiederholen , die Brache entbehrlich machte , trat nunmehr siegreich ins Leben , wiewohl zunächst nur mangelhaft und weitab von dem Grade von Vollkommenheit , dem es später entgegenging . Thaer überzeugte sich alsbald , daß es mit dem bloßen Saat- und Fruchtwechsel an und für sich nicht getan sei , daß vielmehr eine genaue Kenntnis des Bodens vorausgehen müsse , um die für eine bestimmte Örtlichkeit jedesmal vorteilhafteste Produktion von vornherein feststellen zu können . Wenn mancher Landwirt immerfort klagte , » daß sein Lein fast alljährlich mißrate « , so lachte Thaer , daß der Betreffende ohne alle Not unverbesserlich darauf aus sei , seinen Lein selber bauen zu wollen , und setzte hinzu : » Ein Landwirt , der alles baut , was er braucht , ist ein Schneider