» Das ist schwül : wie vor dem Wind des Todes in den Wüsten Ägyptens , « sagte er zu sich selber . - » Schwül überall - außen und innen . Auf wen wird sich der lang versparte Groll der Natur und Leidenschaft entladen ? « Damit trat er in sein Zelt . Syphax sprach zu ihm , » Herr , wär ' ich daheim , ich glaubte heute : der Gifthauch des Wüstengottes sei im Anzug « und er reichte ihm einen Brief . Es war die Antwort des Frankenkönigs ! Hastig riß Cethegus das große , prunkende Siegel auf . » Wer hat ihn gebracht ? « » Ein Gesandter , der , nachdem er den Präfekten nicht getroffen , sich zu Belisar hatte führen lassen . Er hatte den nächsten Weg - den durchs Lager - verlangt . Deshalb hatte ihn Cethegus verfehlt . « Er las begierig : » Theudebald , König der Franken , Cethegus dem Präfekten Roms . Kluge Worte hast Du uns geschrieben . Noch klügere nicht der Schrift vertraut , sondern uns durch unsern Majordomus kundgetan . Wir sind nicht übel geneigt , danach zu tun . Wir nehmen Deinen Rat und die Geschenke , die ihn begleiten , an . Den Bund mit den Goten hat ihr Unglück gelöst . Dies , nicht unsre Wandlung , mögen sie verklagen . Wen der Himmel verläßt , von dem sollen auch die Menschen lassen , wenn sie fromm und klug . Zwar haben sie uns den Sold für das Hilfsheer in mehreren Zentenaren Goldes vorausbezahlt . Allein das bildet in unsern Augen kein Hindernis . Wir behalten diese Schätze als Pfand , bis sie uns die Städte in Südgallien abgetreten , welche in die von Gott und der Natur dem Reich der Franken vorgezeichnete Gebietsgrenze fallen . Da wir aber den Feldzug bereits vorbereitet und unser tapferes Heer , das schon den Kampf erwartet , nur mit gefährlichem Murren die Langeweile des Friedens tragen würde , sind wir gewillt , unsre siegreichen Scharen gleichwohl über die Alpen zu schicken . Nur anstatt für : gegen die Goten . Aber freilich , auch nicht für den Kaiser Justinianus , der uns fortwährend den Königstitel vorenthält , sich auf seinen Münzen Herrn von Gallien nennt , uns keine Goldmünzen mit eigenem Brustbild prägen lassen will und uns noch andre höchst unerträgliche Kränkungen unsrer Ehre angetan . Wir gedenken vielmehr , Unsre eigene Macht nach Italien auszudehnen . Da wir nun wohl wissen , daß des Kaisers ganze Stärke in diesem Lande auf seinem Feldherrn Belisar beruht , dieser aber eine große Zahl alter und neuer Beschwerden gegen seinen undankbaren Herrn zu führen hat : - so werden wir diesem Helden antragen , sich zum Kaiser des Abendlandes aufzuwerfen , wobei wir ihm ein Heer von hunderttausend Frankenhelden zu Hilfe senden und uns dafür nur einen kleinen Teil Italiens von den Alpen bis Genua hin abtreten lassen werden . Wir halten für unmöglich , daß ein Sterblicher dieses Anerbieten ablehne . Falls Du zu diesem Plane mitwirken willst , verheißen wir Dir eine Summe von zwölf Zentenaren Goldes und werden , gegen eine Rückzahlung von zwei Zentenaren , Deinen Namen in die Liste unsrer Tischgenossen aufnehmen . Der Gesandte , der Dir diesen Brief gebracht , Herzog Liuthari , hat unsern Antrag Belisar mitzuteilen . « Mit steigender Erregung hatte Cethegus zu Ende gelesen . Jetzt fuhr er auf . » Ein solcher Antrag zu dieser Stunde : - in dieser Stimmung : - er nimmt ihn an ! Kaiser des Abendlandes mit hunderttausend Frankenkriegern ! Er darf nicht leben . « - Und er eilte an den Eingang seines Zeltes . Dort aber blieb er plötzlich stehen : » Tor , der ich war ! « lächelte er kalt . » Heißblütig noch immer ? Er ist ja Belisar und nicht Cethegus ! Er nimmt nicht an . Das wäre , wie wenn der Mond sich gegen die Erde empören wollte , als ob der zahme Haushund plötzlich zum grimmigen Wolfe würde . Er nimmt nicht an ! Aber nun laß sehen , wie wir die Niedertracht und Gier dieses Merowingen nutzen . Nein , Frankenkönig , « und er lächelte bitter auf den zusammengeknitterten Brief , » solang Cethegus lebt , - nicht einen Fußbreit von Italiens Boden . « Und einen raschen , heftigen Gang durchs Zelt . Einen zweiten langsamern . Und einen dritten - : nun blieb er stehen - : und über seine mächtige Stirn zuckt ' es hin . » Ich hab ' es ! « frohlockte er . » Auf , Syphax , « rief er , » geh und rufe mir Prokop . « - Und bei einem neuen Durchschreiten des Gemachs fiel sein Blick auf den zur Erde gefallenen Brief des Merowingen . » Nein , « lächelte er triumphierend , ihn aufhebend , » nein , Frankenkönig , nicht so viel Raum , als dieser Brief bedeckt , sollst du haben von Italiens heiliger Erde . « Bald erschien Prokop . Die beiden Männer pflogen über Nacht ernste , schwere Beratung . Prokop erschrak vor den schwindelkühnen Plänen des Präfekten und weigerte sich lange , darauf einzugehen . Aber mit überlegener Geistesmacht hatte ihn der gewaltige Mann umklammert und hielt ihn eisern fest mit zwingenden Gedanken , schlug jeden Einwand , noch eh ' er ausgesprochen , mit siegender Überredung nieder und ließ nicht eher ab , seine unzerreißbaren und dichten Fäden um den Widerstrebenden zu ziehen , bis dem Eingesponnenen die Kraft des Widerstandes versagte . - Die Sterne erblichen und das erste Tagesgrauen erhellte den Osten mit blassem Streif , als Prokopius von dem Freunde Abschied nahm . » Cethegus , « sagte er aufstehend , » ich bewundere dich . Wär ' ich nicht Belisars , - ich möchte dein Geschichtschreiber sein . « » Interessanter wäre es , « sagte der Präfekt ruhig , » aber schwerer . « »