der leise Schlag einer Uhr , die wir auf dem Tische vor uns liegen haben . Da sickert so Tropfen an Tropfen hinunter , in den großen Zeitenstrom und macht uns sorgloser durch das Gefühl , daß alle Dinge irgend an einer Grenze ankommen müssen ... Er mochte nicht richten . Eine starke Waffe in allem Leid und aller Anfechtung der Seele ist dann reine Liebe . Die reicht einen ehernen Schild dem Arm zum Kampfe gegen Leidenschaft und Ungeduld . Ihr Visir schützt das Auge , nichts zu sehen von den Lockungen der Welt . Reine Liebe hütet selbst die Träume . Ohne Kampf entwaffnet sie die Gedanken und verklärt sie mit himmlischem Lichte , daß nur das Gute und Edle in uns lebt ... Pflanze , Jüngling , reine Liebe schon auf den ersten Ringplatz deiner Berührung mit der Welt ! Reine Liebe im Herzen , wirst du im Alltäglichsten dich vom Duft des Schönen , vom Palmenfächeln des Großen , vom Hosianna innerer Siege , umweht fühlen ! So lebte in Bonaventura ein Name , der alles Chaos in ihm ordnete ... Paula ... und ein ferner Männergesangchor sang dazu durch die stille Nacht : Das ist der Tag des Herrn ! Am folgenden Morgen mit dem Schlage Zehn trat er in den kirchenfürstlichen Palast . Sein Herz klopfte , als er durch die langen Corridore des Hauses dahinschritt . Verblaßte Malereien zierten zuweilen das Stuckgetäfel der Decken ; an den Wänden hing hier und da eine alte Schilderei in schwarzem , wurmstichigem Holzrahmen , ein alter Städteprospect von Merian , eine alte Landkarte von Homann ; in vereinzelten Nischen standen Heiligenbilder , mit frischer , lichter Oelfarbe überzogen , im dürftigen und selbst beim Heiligen weltlichen und koketten Geschmack der Zopfzeit , Engel auf Stellungen berechnet , Marieen auf Faltenwurf ... In einem düstern Eckwinkel lagen die Wohnzimmer des Kirchenfürsten . Im Gegensatz zu den auf den frivolen Luxus des vorigen Jahrhunderts deutenden Corridoren waren diese Zimmer so dürftig ausgestattet , wie Actenstuben oder Sessionssäle . An der Unruhe eines zuerst kommenden großen Wartezimmers hätte man eher glauben mögen , sich bei einem Minister , als bei einem hohen Geistlichen zu befinden ... Eine der hohen Thüren führte in das General-Vicariat ... Hier klirrten sogar die Sporen der Gensdarmen , die Säbel der Ordonnanzen . Man brachte vom Gouvernement und von der Militärverwaltung Fragen und Antworten , holte und gab Bescheide . Kanzleiboten trugen Acten ab und zu . Dazwischen gingen und kamen Geistliche und Ordensfrauen . Wer nicht beim Generalvicariat oder beim Kirchenfürsten sofort Einlaß bekommen konnte , saß harrend und mußte nach neukirchlicher Sitte jeden unbeschäftigten Augenblick zum Heile seiner Seele nutzen . Man grüßte mit neugierig aufblitzenden Augen und warf den Blick sogleich wieder in das Brevier , das man aufgeschlagen auf dem Schoose liegen hatte . Ein schwerer Druck lag auf allen , nur auf denen nicht , die als Sendboten oder Vertreter der weltlichen Gewalt kamen . Der junge von Enckefuß fehlte nicht . Er setzte einem jungen , hagern , lächelnd , doch aufmerksam zuhörenden Geistlichen mit lauter Stimme auseinander , daß die einen nahen Wallfahrtsort besuchenden Züge nicht durch die Stadt gehen dürften ; er beschrieb die Route , die sie zu machen hätten , und wünschte , da er eine Auswahl anbot , in Kürze die Wege zu wissen , die der Kirchenfürst gewählt wünschte , da es an Aufsicht dabei nicht fehlen sollte . Des jungen Beamten Haltung und Rede war fest und bestimmt , scharf und kalt , wie dies der Ghibellinen Weise . Auch Civilpersonen aus dem Volke sah man . Es mochten Dorfvorstände und städtische Abgeordnete sein . Ihnen setzte der junge schlanke Priester , meist mit Achselzucken und einer gewissen Duldermiene , auseinander , daß die von ihnen erwarteten höhern Bescheide immer noch nicht eingetroffen . Es galt dies ohne Zweifel jenen Pfarrstellen , die allein besetzen zu dürfen die Kirche so dringend begehrte und die sie die weltliche Gewalt beschuldigte , wenn die Stellen gut waren , so lange offen zu halten , bis nur diejenigen damit belohnt würden , die darauf hin eine entsprechende Gesinnung zeigten . Der schlanke etwas niedergebeugt gehende junge Geistliche trat auf Bonaventura zu und sprach , als er dessen Namen vernommen , ein freudiges : Ah , Herr von Asselyn ! Sogleich fügte er hinzu , er würde alles versuchen , den Herrn Pfarrer von St.-Wolfgang sobald als möglich an die Reihe der Vorgelassenen zu bringen . Bonaventura sah , daß er mit dem vielgenannten Secretär , Kaplan Michahelles gesprochen . Dieser war in die innern Räume eiligst wieder zurückgekehrt ... Das Wesen des jungen Mannes zeigte sich charakteristisch genug . Seine Gesichtszüge waren scharf , geistvoll und von einer eigenthümlich lächelnden Ironie , die auf ein zwar zurückgehaltenes , aber doch sich ganz so stark , ganz so berechtigt , mindestens so muthig fühlendes Bewußtsein schließen ließ , wie es allen katholischen Priestern , von Seiner Heiligkeit , dem » Knechte der Knechte « an bis zum untersten Dorfpfarrer , eigen ist . Auch Bonaventura zog sein Brevier und setzte sich an ein Fenster des großen Zimmers , das auf die jenseitige Straße ging . Wenn hohe Würdenträger kamen , standen die Geistlichen und Klosterfrauen auf ... So vor dem Generalvicar , der eben aufgeregt und verstimmt von dem Kirchenfürsten zurückkehrte ... Man wußte , daß mit jenem sowol der Letztere , wie der Syndikus der Curie und diejenigen einflußreichen Glieder des Kapitels , die sein » gewaltiges Vorschreiten « misbilligten , im Streite lebten . Auch vor dem Regens des Seminars erhob man sich , der gleichfalls wie nach einem Wortwechsel vom Kirchenfürsten zurückkam ... Bonaventura erfuhr die Namen . Einige der streitigen Punkte kannte er . Die Seminaristen , angesteckt von dem neuen Geiste der römischen Opposition , hatten an dem Kirchenfürsten Vorschub gefunden in gewissen Auflehnungen gegen die vom Staat beliebte und vom Regens vertretene Ordnung des Seminars . Einige Professoren der