Eugenie ; man muß sich hier in diesen Mauern mit seinen Worten sehr in Acht nehmen ; man darf nur denken . Und das erlauben auch Sie mir , gestrengste aller Damen ? « » Da müßte ich vor allen Dingen erst wissen , was Sie denken . « » O , ich denke nur « - an Sie ! wollte er leidenschaftlich ausrufen , doch schloß er diesen Satz anders , indem er sagte : » Ich dachte , ob Sie vielleicht vorhin im Saale meine ehrerbietige Begrüßung bemerkten ? « » Als Sie so plötzlich aus der Fensternische hervortraten ? « - » Also Sie haben mich bemerkt , mein Fräulein ? « sprach er entzückt , denn er dachte , wenn sie mich gesehen , so galt mir auch jener leichte Gruß , - o Gott ! vielleicht sogar die kleine Verwirrung , die ich auf ihrem schönen Gesichte bemerkt . » Diese Fensternische ist ein artiger Winkel zum Beobachten , « antwortete sie , seiner Frage ausweichend . » O , ich habe auch dort beobachtet ! « » Das müssen Sie mir ein andermal erzählen , « sagte sie mit einem liebenswürdigen Lächeln . - » Recht bald , vielleicht heute Abend noch . - Sie kommen doch zu S. ? « » Gewiß werde ich kommen , Fräulein Eugenie , gewiß ! O ich freue mich wie ein Kind darauf ! - Und Sie ? « - Er betrachtete sie mit flammendem Blick und erwartete angstvoll ihre Antwort . » Auch ich gehe gerne zu S. , « erwiderte das schöne Mädchen und schlug absichtslos die Augen nieder . Gewiß ohne weitere Absicht , als um ihr Bracelett zu betrachten , daß sie an ihrem runden weißen Arm ein klein wenig drehte . » Namentlich heute Abend gehe ich gerne hin , weil wir , wie ich höre , ganz unter uns sind . « In diesem Augenblick vernahm man Tritte im Nebensaal , weßhalb Eugenie dem Grafen einen flüchtigen Gruß sagte , in das Vestibül hinaus trat und dort zwischen den Säulen verschwand . Es war gut , daß sie ging , denn der entzückte und glückliche junge Mann war nahe daran , vollkommen den Kopf zu verlieren und dem Ehrenfräulein Ihrer Majestät hier bei offener Thüre eine Liebeserklärung zu machen , wozu er auch in der That den Zeitpunkt nicht hätte schlechter wählen können . Denn kaum war Eugenie verschwunden , so kam der Herzog , gefolgt von einigen Offizieren , lachend und plaudernd daher . » Aha ! unser Ritter ! « sagte er . - » Haben Sie Ihre Dame noch erreicht ? - Gewiß , Sie haben , denn ich sehe das Siegespfand nicht mehr in Ihrer Hand ! « Der Adjutant war zu glücklich , um diese sonderbare Anrede in deren höhnischem Ton das Verletzende lag , gebührend zu erwidern . Auch war es ja ein Prinz des Hauses , der sich einen gnädigen Scherz mit ihm erlaubte , weßhalb er sich begnügte , Seiner Durchlaucht mit einer höflichen Verbeugung zu antworten : » Ich hatte in der That das Vergnügen , Fräulein von S. das verlorene Tuch zu übergeben . « » Diese Adjutanten Seiner Majestät sind doch in Wahrheit bevorzugte Leute , « mischte sich ein Dragoner-Offizier in das Gespräch , augenscheinlich in der Absicht , um dem Herrn Herzog Stoff zur Fortsetzung eines so pikanten Gesprächs zu geben . Wogegen Graf Fohrbach trotz seiner guten Stimmung durchaus nicht geneigt schien , einem Anderen auch nur die leiseste Idee eines Scherzes über sich zu erlauben , denn er sagte ziemlich ernst und mit festem Blick : » Dürfte ich wohl um eine kleine Erläuterung Ihrer nicht ganz klaren Aeußerung bitten , Herr von Werthen ? « » Nun das liegt doch auf der Hand , « nahm der Herzog das Wort . » Werthen meint , es sei doch eine recht angenehme Beschäftigung für einen Adjutanten Seiner Majestät , den Ehrenfräuleins die Schnupftücher nachzutragen . « » Meint Herr von Werthen das wirklich ? « fragte der Graf mit einer seltsam klingenden Stimme . » Nein , nein , nicht so ganz ! « antwortete der Dragoner-Offizier mit einem verlegenen Lachen . » Seine Durchlaucht haben den Sinn meiner Worte nicht vollkommen richtig ausgelegt . « » Ja , sehen Sie , Herr von Werthen , « sagte der Adjutant nun ebenfalls lachend , wobei jedoch seine Mundwinkel leicht zuckten , » das kann Einem schon widerfahren , wenn man sich unberufen in anderer Leute Gespräch mischt . - Würden Sie dann jetzt wohl selbst die Freundlichkeit haben , mir den Sinn Ihrer Worte zu erklären ? « » Ah ! lassen Sie es gut sein , Werthen ! « rief der Herzog . » Das sieht ja aus wie eine kleine Neckerei . Auch dürfen wir die Zeit des Herrn Grafen nicht so sehr in Anspruch nehmen : der Herr Graf sind ja im Dienst . Sie sehen - Schärpe und Cartouche . « » Euer Durchlaucht verzeihen , « erwiderte ruhig der Graf , während er sich hoch aufrichtete und jedem Einzelnen , den Herzog nicht ausgenommen , fest in die Augen blickte , » mein Dienst ist nach der Tafel zu Ende und ich habe die vollkommenste Zeit für jeden dieser Herren . « - Die letzten Worte sprach er mit scharfer Betonung . Dann fuhr er mit einer gefälligen Handbewegung fort : » Ich bitte also , Herr von Werthen ! « » Nun ja , bester Graf Fohrbach , « entgegnete dieser , indem er sich , einigermaßer in Verwirrung gebracht , hin und her wandte und drehte ; » ich wollte in der That nur so viel sagen , als es sei doch recht angenehm , - und es sei wirklich ein bevorzugter Dienst , der Einem zugleich gestatte , einer so hochverehrten jungen Dame , wie Fräulein Eugenie von S. ist , das Schnupftuch aufheben zu dürfen . «