wahren Eklektiker der Kunst ! Ihr malt die Heiligen , die Griechen , die Fischerknaben , die Betteljungen , die Grenadiere , Alles durcheinander , wenn sie einen brillanten Moment abwerfen , wie Schauspieler , denen jede Rolle , jeder Geschmack recht ist , wenn sie nur Gelegenheit finden , sich darin als Virtuosen zu zeigen . Die Deutschen malen langweilig , sagte Reichmeyer kurzweg . Jeder denkt , wenn er sich selbst gegeben hat , wär ' er ein Poet mit dem Pinsel . Das ist eine alte Sage , die von unsern Akademieen und den bezahlten Professoren noch aufrecht erhalten wird . Aber die Geldbeutel der Käufer glauben nicht mehr daran . Sehen Sie nur zu , lieber Wildungen , was geschehen würde , wenn man von unsern königlichen Frescomalern ihre Nibelungensuiten , nach der Elle gemessen , auf den Markt brächte ; wer würde viel dafür geben , auch wenn er die Wände hätte , diese schöngezeichneten bunten Tapeten passend aufzukleben ! Drum Dank dem Himmel , antwortete Siegbert , daß noch Möglichkeiten sind , die Kunst von der Liebhaberei des Privatgeschmackes frei zu halten ! Sagen Sie nicht , ein Fürst , der auf große Bauten viel verausgaben kann , folge in ihrer Ausschmückung doch auch nur den Eingebungen seines Privatgeschmackes ! Nein ! Wir mögen über Geschmacksrichtungen streiten , soviel wir wollen , eine Kirche bringt ihren eigenen Geschmack mit sich , ein Königspalast gleichfalls , eine offene große Halle gleichfalls . Jede Anknüpfung der Kunst an große Institutionen veredelt das versteckte Gelüste der Privatliebhaberei und könnten wir es dahin bringen , daß alle Anknüpfungen der Künste noch , wie in alten Zeiten , großartige , allgemeine , vom ganzen Staatsleben unterstützte wären , so würden wir aller Willkür der Kritik , aller Anarchie der Production überhoben sein und Das malen , dichten , meißeln , componiren , was die Zeit wirklich will und was sich für das Allgemeine und die Würde der Kunst schickt . Ein wahres Wort ! mischte sich jetzt wieder Leidenfrost beistimmend ein . Ja ! Wildungen , Sie sind auch so ein Nicodemus , der nur manchmal bei Nacht in den Hof der Wahrheit kommt ! Sie wissen das Bessere und handeln nicht immer darnach , von Heinrichson und seinem alten mythologischen Schwäne-Kram und Reichmeyer ' s Melodramen-Malerei ganz zu schweigen ! Ich habe Sie gestern mit Champagner gelabt , ich darf Ihnen heute Wermuth reichen . Wenn Ihr wahr sein wollt , gibt es eigentlich keine ideale Malerei mehr , es gibt nur noch Landschaften , Jagdstücke , Portraits und auch die sind schon verdrängt durch die Lichtbildnerei . Die wahre Bestimmung der neuern Malerei ist Zimmerschmuck , und in allen andern Bestimmungen erblick ' ich nur Krücken , auf denen sie nothdürftig so dahinhumpelt ! Kirchengemälde ! Wer baut denn Kirchen aus Kirchendrang ? Sind denn Kirchen nöthig ? Schmelzen nicht alle Gemeinden der positiven Staatskirche so zusammen , daß sie in einem mäßigen Saale Platz hätten ? Und die Dissidenten , die Sektirer , die eigentlich Frommen wollen keine Bilder . Um die paar Kirchen , die der Gustav Adolf-Verein bauen läßt , wird man doch nicht sagen , daß noch das Kirchenbauen an der Zeit ist ! Cornelius mit seinem ganzen jüngsten Gericht ist eine alte Reliquie von Anno Schwartenleder . Da sind wol mehr Gedanken sichtbar als bei Rubens mit seinen dicken zu Gnaden angenommenen Blondinen und den alten wasserbäuchigen Sündern , die von den Teufeln gepiesackt werden ; ja , Cornelius hat Kohlrauschen ' s deutsche Geschichte gelesen und weiß , wer Segestes war und Rubens hat nicht den Kohlrausch gelesen ... aber die ganze Geschichte mit den jüngsten Gerichten und den Posaunenengeln und den Zornschalen ist alte Schweinsschwarte . Die Narrenspossen ! Und nun Gott Vater , Gott Sohn , Gott der heilige Geist und solches bunte Farben-Gepinsel mehr ! Sind denn Ruhmeshallen an der Zeit ? Was ist denn Ruhm ? Ein König setzt sich zu Gericht und sagt , was Ruhm ist ! Ich will ein Volk sehen , das seine Kränze durch millionenfache Acclamation austheilt und was erleb ' ich , Den , den ein paar Tausend bewundern , wollen ein anderes paar Tausend mit Koth bewerfen ! Ehe nicht unsre ganze Gesellschaft geändert ist , ehe nicht die Herrschaft des Volkes entschieden hat , was heutzutage noch die Schultern des Menschen tragen , seine Hirnfasern glauben können , ist alle Kunstpflege Spittalsuppe . Der thut fromm und mischt seine Farben statt in Öl in Thränenwasser der Andacht , wie Sanct Fiesole ; der malt lange Hünen und ausgereckte Recken , die Cuvier zu Mammuthszusammensetzungen hätte benutzen können , zu präadamitischen Zeuglodons ; der liebäugelt mit dem allgemeinen Begriff des Schönen und lockt sich ein Situatiönchen aus einem Gedichtchen oder einem Märleinchen hervor - und das Gequängel und Gepimpel wird noch dazu von einem ebenso confusen Geschmacke bezahlt , beliebäugelt ... und doch jammern die Herren , daß diese Sachen nicht das Evangelium sind und die Menschheit ummodeln können ! Mit den Dichtern und Componisten ist es fast ebenso ! Alle leiden daran , daß unsere Zeit erst zu einer neuen Herrschaft großer Thatsachen im Durchbruch liegt , Alle klammern sich an Vergangenes und machen sich eine künstliche Bildung , weil für eine natürliche und zeitgemäße die Anknüpfungen fehlen . Oft denk ' ich : Käme nur einmal ein rechtes Wetter und übergösse Alles mit Hagel wie Quadersteine so groß , was jetzt prangt und sich brüstet ! Auch die Kalmücken nähm ' ich zu dem Ende mit Vergnügen an , wenn sie nur Alles kurz und klein hackten wie die Türken in Alexandria , die nichts leben ließen als den Koran . Unser ganzes Zeitalter ist ja ein solches buchmäßiges und schriftgelehrtes , wie es das alexandrinische war ... Heinrichson war über diese Humoreske sehr unwillig . Er nannte sie geradezu eine outrirte Barbarei und warf Leidenfrost vor , daß er sich in auffallenden Behauptungen gefalle , die an