Ungeheuern mit dem Heitern , der Natur mit den Menschen , der Ewigkeit mit der Minute . - Landhäuser und eine lachende Ebene gegenüber der ewigen Todesfackel - zwischen alten heiligen Tempelsäulen geht ein lustiger Tanz , der gemeine Mönch und der Fischer - die Glut-Blöcke des Bergs türmen sich als Schutzwehr um Weingärten , und unter dem lebendigen Portici wohnt das hohle tote Herkulanum - ins Meer sind Lavaklippen gewachsen , und in die Blumen schwarze Sturmbalken geworfen . Das Steigen war anfangs meiner Seele Erquickung , der lange Berg wurde der vollen Wolke ein Ableiter . Spät nachts im ewigen Steigen kamen wir ohne Genuß der Abendsonne , durch deren roten Glanz auf der Asche wir schnell waten mußten , hier beim Einsiedler an ; der Mond war noch nicht herauf , deine Insel noch unsichtbar . Oft donnerte es unter dem Fußboden der Stube . Da wurd ' ich auf einmal vom Einsiedler schön an meinen alten Schoppe erinnert , indem er mir erzählte , daß einmal ein hinkender Reisender mit einem Wolfshund hierüber gesagt : im Vesuv sei der Stall der unaufhörlich polternden Donnerpferde . Das war nach allem gewiß nur Schoppe . In der Mitternacht , meine Linda , als der Mond über den Apennin herüber war und mit einem entzückten langen Silberblick vom Himmel sah und ich an dich dachte , stand ich auf und ging leise hinaus , um wieder zu sehen , wo du wohnest , meine Linda . Draußen war es überall still , ich hörte gleichsam die Erde auf ihrer Bahn im Himmel donnern - die Schatten der Lindenbäume um mich schliefen fest auf dem grünen Rasen - Vesuvs Rauch stieg empor in die reine Luft - über das dampfende Meer hin glänzte wunderlich der Mond , und mühsam sucht ' und fand ich endlich den einsamen Berg deiner Insel , hoch ins Blau gezogen , silbern blühend unter den Sternen um ihn her , eine schimmernde Tempelzinne für mein Herz . - Dort wohnt und schlummert Sie auf dem Tabor , eine Verklärte des Elysiums ! sagte ich mir . Um mich war Asche der Jahrhunderte , Stille des Sargs , und nur zuweilen ein Poltern , als werfe man auf jenen den Grabhügel ich war weder im Land des Todes noch der Unsterblichkeit - Die Länder wurden Wolken - Neapel und Portici lagen verdeckt das weite Himmelsblau umfing mich - ein hoher Nachtwind bog die Rauchsäule des Vulkans nieder und führte sie wechselnd-beglänzt in langen Wolken durch den reinen Äther fort . - Da sah ich nach Ischia , und sah gen Himmel , o Linda , ich bin aufrichtig , hör ' es , daß ich die fromme Liane , die dich so unendlich liebte , bat , jetzt um dich zu schweben und dir das Glück zu bereiten , das sie dir sonst so gönnte . - - Auf einmal wurden die Donner des Berges ganz still , die Sterne blitzten heller ; da schauderte mich die Stille und das Leben , und ich ging in die Hütte zurück , aber lange noch weint ' ich vor Entzückung über den bloßen Gedanken , daß du glücklich würdest . Der Morgen ging auf ; und mitten in seinem dunkeln Winter traten wir die Reise nach der Feuer-Schlucht und Rauchpforte an . Wie in einer abgebrannten dampfenden Stadt ging ich neben Höhlen um Höhlen , neben Bergen um Berge vorbei und auf dem zitternden Boden einer ewig arbeitenden Pulvermühle dem Pulverturm zu . Endlich fand ich den Schlund dieses Feuerlands , ein großes glühendes Dampf-Tal wieder mit einem Berg - eine Landschaft von Kratern , eine Werkstätte des Jüngsten Tags - voll zerbrochner Welt-Stücken , gefrorner , geborstener Höllenflüsse - ein ungeheuerer Scherbenberg der Zeit - aber unerschöpflich , unsterblich wie ein böser Geist und unter dem kalten reinen Himmel sich selber zwölf Donnermonate gebärend . Dunkelröter steigt auf einmal der breite Dampf , wilder gehen die Donner ineinander , heißer raucht die schwere Höllen-Wolke - plötzlich fährt Morgenluft herein und schleppt den flammenden Vorhang den Berg hinab - - Da stand die helle gütige Sonne auf dem Apennin , und der Somma und Ottayano und Vesuv blühten im Friedens-Glanz , und die Welt ging langsam nach der Sonne auf mit Gebürgen , Inseln und Küsten . Der Ring der Schöpfung lag auf dem Meere vergoldet vor mir , und wie die Zauberstäbe der Strahlen die Länder berührten , so fuhren sie lebendig empor . - Und der alte Königs-Bruder des Vesuvs , der Ätna , saß auf seinem goldnen Thron und schauete über sein Land und Meer . Und wie Schnee rollte von den Gebürgen der lichte Tag in das Meer herunter , in Glanz zerrinnend , und floß über das weite glückliche Kampanien und in dunkle Kastanien-Täler . - Und die Erde wurde unabsehlich , und die Sonne zog im weiten Strahlen-Netz die süß-gefangne Welt im schönsten Äther weiter . O Linda , da prangte deine Insel ausgebreitet , stolz gelagert im Meer mit herunterfließendem Morgenrote , ein hochmastiges Kriegsschiff - und ein Adler , der Vogel des Donnergottes , flog in die selige Weite , als trag ' er mein Herz in seiner Brust zu deinem Epomeo hin . - O ich möchte ihm nach , sagte mein Geist . Der heiße Boden tat Donnerschläge , und der Rauch umhüllte mich . - Ich möchte sterben , damit ich dem Adler nachflöge und jetzt in Ischia wäre ... « * Hier hielt die heftig erregte Seele sich innen . Er ging oder glitt den Abhang nach Portici herab . In einem gegenseitig vorher festgesetzten Hause glaubt ' er seinen Freund wiederzufinden . Aber er fand weder Dian noch den erwarteten Brief von Linda . Entkräftet von Gehen , Wachen und Glühen , fiel er im kühlen , stillen Zimmer in einen Traumschlaf . Da er erwachte , stand die Mitternacht des italienischen Tags um ihn , die Siesta - alles ruhte unter dem heißen stillen