Noth und gemeinsames Hoffen und Streben die Herzen und die Geister über die trennende Kluft der Standesunterschiede forttrug , gar oft geschah , die verschiedensten geselligen Elemente schön und förderlich in sich vereinigte . Die Rückkehr Daviden ' s erwartend , ging Seba im Genusse des hellen Abends langsam am Wasser auf und nieder . Bald blickte sie nach dem Parke hinüber , als wolle sie das Abendroth nicht scheiden lassen , ehe der Vater sich nicht auch daran gefreut , bald sah sie nach dem Hause hin , und fast gedankenlos blieb ihr Auge an der Stelle haften , an welcher einst über der großen Thüre des Gartensaales wie über dem Portale des Hauses das von Arten ' sche Wappen geprangt hatte . Die Steinschilde waren auf den Wunsch des Freiherrn abgenommen worden , als er das Haus verkaufte . Sie schmückten nun die Gruft der Rothenfelder Kirche , und nichts , als einige Stücke Möbel erinnerten jetzt in dem Flies ' schen Hause an seine früheren Eigenthümer , denn der Freiherr hatte es seiner Zeit verweigert , das ganze Mobiliar des Hauses gleichfalls in den Besitz des Käufers übergehen zu lassen , und es vorgezogen , es in Versteigerungen weit unter seinem Werthe fortzugeben . Er hatte auch , obschon er in der Residenz gewesen war , das verkaufte Haus nicht wieder betreten , aber seinen Sohn , der seit einigen Monaten von dem Regimente , bei welchem er bis dahin in der Provinz gestanden , nach der Hauptstadt versetzt war , hatte er an Herrn Flies gewiesen , mit dem er noch immer in Geschäftsverbindung war , und die freundliche Erinnerung , welche Renatus aus seiner Kindheit an das Flies ' sche Haus bewahrte , wie der antheilvolle Empfang , den Seba ihm um seiner Mutter willen bereitete , hatten den jungen Edelmann bald zu einem der oft wiederkehrenden Gäste desselben gemacht , seit die Flies ' sche Familie von der Reise heimgekehrt war , die sie sich in keinem Jahre zu versagen pflegte . Es war also kein ungewöhnliches Ereigniß , als Davide in des jungen Herrn von Arten Begleitung aus dem Hause wiederkehrte . Der Onkel kann nicht kommen , sagte sie ; er hat Geschäfte , er muß fortgehen ! Wir sollen ihn nicht erwarten , sondern den Thee mit Herrn von Arten trinken , aber .... Aber ? wiederholte Seba , als Davide zögernd inne hielt . Ich möchte auch gern fortgehen ! sagte das junge Mädchen bittend . Das ist nicht schmeichelhaft für mich , meinte Renatus . Ich dachte nicht an Sie , und Sie sind ja auch nicht mein Gast ! erwiederte sie , indem sie ihn mit ihren großen , braunen Augen ehrlich ansah . Er wollte ihr offenbar eine verbindliche Entgegnung machen , aber Seba ließ es nicht dazu kommen . Sie ertheilte Daviden , als sie erfahren , daß es sich um eine eben erhaltene Aufforderung handle , die Erlaubniß , ihre Freundin zu besuchen , und nachdem das junge Mädchen die beiden Andern verlassen hatte , folgte Renatus seiner Wirthin in den Gartensaal , in welchem der Imbiß ihrer wartete . Zweites Capitel Während Seba ihrem jungen Gaste den Thee hinreichte und sich selber bediente , fragte sie ihn , ob er Nachrichten von Hause erhalten habe und wie es den Seinigen ergehe . Ich habe mit der letzten Post einen Brief von Vittoria empfangen , entgegnete er . Sie ist wohl , und auch meinem kleinen Bruder geht es gut ; indeß wenn Vittoria so lange Briefe schreibt , ist es immer kein günstiges Zeichen . Wenn sie recht heiter und zufrieden ist , so schreibt sie nicht . Da Sie gern Nachricht von Ihrer Stiefmutter erhalten , meinte Seba , müssen Sie auf diese Weise in einen beständigen Zwiespalt gerathen . Sie sehnen Sich nach den Briefen Ihrer Stiefmutter , weil Sie sie lieben , und dürfen Sich der Ankunft dieser Briefe , eben weil Sie sie lieben , doch nicht freuen . Gewiß , so ist es auch , versetzte Renatus ; aber es ist das nicht der einzige Zwiespalt , in dem ich lebe . Sie wissen es , ich hange an Vittoria sehr ; nicht wie an einer Mutter , denn dazu ist sie viel zu jung , aber auch nicht wie an einer Schwester , oder gar wie an einem Freunde . Ich liebe sie eigentlich am meisten von allen Menschen , die ich kenne , und ich weiß Niemanden , den ich so gern glücklich sähe , als sie , oder in dessen Nähe ich mich so völlig zufrieden fühle , als in der ihrigen . Alles an ihr ist Schönheit , Heiterkeit und Frohsinn , und mein kleiner Bruder ist ganz und gar ihr Ebenbild . Und doch sprachen Sie eben jetzt und auch sonst schon öfter von den wechselnden Stimmungen Ihrer Stiefmutter , nahm Seba nach einigem Bedenken das Wort ; Sie werden es also natürlich finden , wenn ich die Frage an Sie richte , worin dieselben ihre Ursache haben . Renatus sah ernsthaft vor sich nieder . Wenn Sie Vittoria meine Stiefmutter oder gar die Baronin nennen , begann er nach einer kleinen Pause , so ist damit eigentlich Alles gesagt ; denn Vittoria gehörte nicht in unseren Norden . Sie leidet von demselben , der Winter macht sie unglücklich . Sie ist so fremd bei uns - so fremd , wiederholte er schmerzlich , wie die Granatblüthen in unseren Treibhäusern , die mich nie recht freuen , weil ich ihnen anzusehen meine , wie viel schöner sie in ihrem Vaterlande sein müssen ! Und doch klagt Vittoria niemals , doch hat außer mir und ihrer Dienerin wohl Niemand eine Ahnung davon , daß sie nicht immer heiter ist , daß sie auch traurig sein kann ! Niemand ? wiederholte Seba . Sollte der Freiherr sich über die Gemüthsverfassung seiner Gattin , der er an Jahren und an Erfahrungen so überlegen ist , wohl täuschen