Er war Tag und Nacht hinter ihnen her und jagte sie sogar im Winter und im Frühjahr ... Bald bekamen die Fliegen eine andere Gestalt ... Sie verwandelten sich in schöne Frauen ... Alle die Bilder , gemalte und lebendige , die mein Freund - Jérôme von Wittekind - ( Sebastus hielt eine Weile inne ) und Graf Johannes von Zeesen auf ihren Reisen in Frankreich und Italien gesehen , umschweben wieder den Pater Ivo , aber er betrachtet sie wie ein unschuldiges Kind ... Er kennt die ganze Gefahr dieser Erscheinungen ... Es sind schlimme Meerweiber , Melusinen , Helenen , um die Paris wirklich und Faust nur gespenstisch freite - ihm selbst sind sie längst unschädlich geworden , schon seitdem er Therese von Seefelden kennen lernte und sich mit ihr verlobte , leider nur auch diese zu bald verwechselnd mit der einzigen Frau , die ihm von allen persönlich bekannt geblieben , dem » Ewig Weiblichen « genannt Maria ... Dem Dienste der Gottgebärerin widmete er sich , sammelte alle Lieder , die je auf sie gedichtet und gesungen wurden , gab sein Vermögen für eine Stiftung der Krankenpflege , die seine Familie schon seit einem Jahrhundert begründen sollte - der Irre einem Irrenhause ! - und verjagt nun in unserm Kloster , das er in noch zuweilen lichten Momenten betrat , die Bilder , die - nur zu lebhaft noch vor anderer Augen schweben ! ... Husch ! Husch ! ist sein stetes , leise vor sich hingesprochenes Wort und sein Singen im Gehen das Lob Mariä ... Diesen Gesängen , die er vor sich hinmurmelt , schreibt er eine große Kraft zu ; selbst am Hochaltar flüstert er : Husch ! Nicht für sich , sondern für uns verjagt er die Melusinen ... Ich sehne mich nach seinem Husch ! ... Hier in dem Kloster betet Schwester Therese für ihn - und um die Verzeihung der Gottesmutter , daß sie eine Zeit lang eifersüchtig auf sie war . Wenn auch diese Erzählung wie etwa das Adagio einer auf einer Straße spielenden Musikantentruppe vom Wagengerassel übertönt wurde , klang sie doch in Bonaventura ' s Innern tief schmerzvoll nach . Die Fülle sah er jener krankhaften Erscheinungen , die von ihm nicht geahnt wurden , so oft man von Wiedererweckung des alten kirchlichen Lebens sprach . Oder sollte er der Stimme seines Innern Gehör geben , die ihm mit seltsamer Erregung zuflüsterte : Ist dem Mönche - Lucinde begegnet ? Es war Abend geworden ... Das Angelus läutete ... Arbeiter drängten sich in den staubigen Straßen ... Das Gewühl nahm so zu , daß Bonaventura von des wie träumenden Mönches Seite abkam und dieser ihn entweder plötzlich verlassen oder aus den Augen verloren hatte ... Den Eindruck des fast Gespenstischen , den ihm der Mönch machte , nährte auch der Umstand , daß er so harmlos Jérôme ' s als seines Freundes erwähnen konnte , gar nicht wissend , wie es schien , daß Bonaventura mit Jérôme verwandt war ... Wie ein Lebendigbegrabener erschien ihm der Mönch , wie ein Todter , der anfing sich seinen Leichentüchern zu entwinden . Bonaventura suchte Benno auf und fand ihn in seiner Wohnung mit dem Vervollständigen seines Koffers beschäftigt . Ich muß abreisen , sagte Benno aufgeregt ; noch heute , guter Freund ! Morgen , früh schon hab ' ich am Hüneneck einen Termin abzuhalten ! Das Dampfschiff geht in einer halben Stunde ! Wie gern hätte sich Bonaventura ihm angeschlossen ! Morgen sprech ' ich wol den Kirchenfürsten ! sagte er . In drei Tagen seh ' ich dich wieder als designirten Domherrn , den jüngsten aller Kirchenprovinzen germanischer Zunge ! So hohe Erwartungen ablehnend , half Bonaventura dem Freunde und begleitete ihn in einem Wagen in den Hafen , in kurzer Erzählung alles zusammenfassend , was ihm der Tag an Erlebnissen und schmerzlichen Bereicherungen seiner Seelenkunde eingetragen . Benno empfahl dem Freunde aufs dringendste eine Anknüpfung mit dem » guten Kerl « , dem Thiebold de Jonge , von dem er keinen Abschied hatte nehmen können . In die Beziehungen beider Freunde zu Armgart war Bonaventura nicht eingeweiht . Auch blieb kaum noch die Zeit , der Meldungen an den Oheim in der Dechanei zu gedenken und Benno ' s Worte zu vernehmen : Bei Nück erfuhr ich ' s , es ist kein Zweifel , die Ermordete ist eine Schwester unserer guten Tante ! Seit Jahren sind sie getrennt ! Was ihr Geiz zusammenscharrte , hat sie dem Bruder Hubertus im Kloster Himmelpfort vermacht ! Das Meiste davon fehlt aber , da der Mörder die Gelegenheit kannte und die werthvollsten Papiere und Gold und Silber an sich raffte ! Wer die That vollbracht hat - ich glaube die teuflische Hand zu kennen ! Noch aber hab ' ich meinen Verdacht gegen niemand auszusprechen gewagt , denn ich fürchte den Zusammenhang mit Personen , die zu schonen sind . Komm ' ich zurück , so soll mich nichts hindern , meine Vermuthungen auszusprechen , wo die rechte Stelle ist . So , fast nur von Einem Gedanken beherrscht , fuhr Benno von dannen . Bonaventura mußte eilen , das Dampfboot zu verlassen ... Ein banger , erwartungsvoller Abend dann ... er fand die Berufung zum Kirchenfürsten für morgen vor . Der Mönch kehrte nicht wieder und Bonaventura war dessen froh ... Er sann und sann : Ist hier Christus oder Belial ? Er mochte nicht richten ... ja er gestand zu , Gott schenkt jedem Menschen besondere und nur für ihn berechnete Offenbarungen . Diese stehen in keiner Bibel , in keinem Buche , sind überhaupt nicht mit Worten zu fassen und zu bezeichnen . Sie sind ein einziger Klang , den wir aus dem Sphärenall wie herausgefallen zu vernehmen glauben , ein Glanz wie von einer Sternschnuppe , wenn diese eine Störung genannt werden kann in der ewig gleichen Harmonie der Weltbewegung ... Solche Offenbarungen gibt der stille Wald , das Murmeln der Quelle , auch