Sorgfalt über sich zu wachen veranlaßte . Er hatte bei späterem Nachdenken , trotz seiner wahrhaften Bescheidenheit , doch sich die Wahrheit dieser Entdeckung kaum verbergen können und nicht ohne Vorwurf gefühlt , wie die Befangenheit seines Herzens in anderer Richtung ihn so ganz um die Beobachtung des seine Sorgfalt so nahe angehenden Wesens gebracht hatte . Er hatte sich eine schnelle Trennung von mehreren Monaten auferlegt , und seine Gedanken waren von da an in dem Schmerze um zwei theure Wesen getheilt . Er zitterte , Ollony wieder zu sehn , und durfte es doch nicht länger verschieben , da seine Schwester die unbegreiflich lange Trennung mit einer Ungeduld und Betrübniß erfüllte , von deren Folgen er sie befreien mußte . Wenn wir mit uns selbst unsicher werden , so machen wir Pläne , wie wir uns betragen wollen . Der bessere Mensch giebt sie gewöhnlich auf , so bald er in die Lage kömmt , für die er sich ausrüstete , denn nur überhaupt und einem großen Prinzip getreu sich dem Leben gegenüber zu rüsten , ist die Aufgabe , in der sich alle andern lösen müssen , wenn wir uns selbst getreu bleiben wollen . Schon bei Ollony ' s Anblick wollte keine seiner Ansichten passen . Das schöne Kind hatte den letzten Punkt ihrer Entwickelung , und an Höhe und Feinheit der Gestalt , wie an innerer Haltung und zarter Zurückgezogenheit den Standpunkt erreicht , auf dem es uns klar wird , daß das Flügelkleid der Kindheit mit dem Schleier der Jungfrau vertauscht ward und die Flügel nur noch nach Innen dem Geiste angehören , verrathen von dem weitsichtigen , tiefen Blicke des ernsten Auges . Ormond fühlte im ersten Moment , sie sei auch von ihm geschieden , und was auch der innere Kern ihrer Brust bewahren mochte , sie sei mit sich allein geworden , und dies Finden ihrer selbst schützte sie gegen Aufregungen und Aeußerungen , wie sie Ormond noch wenige Monate früher zu beherrschen sich verpflichtet fand . Die Stille , die ihn von ihr aus anwehte , betrog aber aufs Neue den sonst so geschickten Menschenkenner und unterstützte die bescheidene Stimmung seiner Seele , die ihn überredete , jedes Gefühl , das früher hier gelebt , als vorüber gegangen anzusehen . Dessen ungeachtet fühlte er zu seiner eigenen , oft großen Beschämung sich auf dem Wege , Ollony jetzt seinerseits in dieser Beziehung zu beobachten , und je fremder , getrennter und veränderter sie ihm erschien , desto öfter fühlte er das Verlangen . dies liebliche Geheimniß zu ergründen , in diesem ihm einst so offen darliegenden Gemüthe den Veränderungen nachzuspüren , die ihm so anziehend und wichtig erschienen , daß er ihnen den größten Theil seiner Gedanken zuwandte . Es war zuletzt ein eigenes Gefühl von Unbehagen , wenn seine bescheidenen Bemerkungen ihn überzeugen wollten , sie sei ihm kindlich abgewendet und jungfräulich nicht wieder zugekehrt , und er fühlte sich endlich in einer Art Aufregung , die ihm einzig von der Besorgniß eingegeben schien , dies junge Wesen so abgeschlossen sich selbst überlassen zu wissen , woraus sich leicht der Vorsatz gestaltete , sich ihr zu nähern und ihr Vertrauen zu gewinnen . Wir wollen uns vorläufig jeder Voraussetzung bei diesem gewagten Unternehmen enthalten , von wesentlichen Ereignissen in anderer Beziehung getrieben . Der Frühling hatte indessen die weiten Thore aufgethan und versendete seine reichen Schätze über die schmachtende Erde . Es drängte sich fröhlich ein junges Leben neben dem andern hervor , Platz suchend und findend in dichter Gemeinschaft . Die Brust des Menschen theilt bewußt oder unbewußt so süßen Eifer ; etwas soll anders in ihr werden , zur Klarheit , zur Blüte soll es sich durchbrechen , was im Winterschlaf uns eingehüllt erscheint , wir fordern von uns , und die Gewährung ist schon bereit . An Licht und Sonne hängt nicht blos das Blütenleben mit seiner zarten Existenz , der Mensch selbst hofft in diesem freieren Spielraum etwas Größeres zu leisten und zu vollbringen . Auch sollten wir nicht immer nach dem Geleisteten fragen ; es braucht nicht Existenz nach Außen zu gewinnen , was darum doch als Errungenes , als Wahrheit in solchen Epochen der Seele verbleibt . Alles genoß nach Maßgabe seiner Empfänglichkeit diese schöne Jahreszeit und ließ sich locken von ihr , hinaus in die überall einladende Gegend . Ein stattlicher Zug zu Pferde von Damen und Herren lenkte , nach einem weiten Ausfluge , als schon der Tag sich neigte , durch die breiten Wege des duftenden Waldes dem Schlosse entgegen . Arabella , Ollony und die junge Herzogin ritten in leichter Zierlichkeit vor den folgenden Herren , doch indem sie die Heerstraße überschreiten wollten , entfuhr ihnen Allen zugleich ein freudiger Ausruf der Ueberraschung , Arabella gab ihrem Pferde die Zügel und flog in jagendem Laufe die Heerstraße hinab . Richmond , Richmond ! rief dagegen Lady Anna ihrem herbeieilenden Gemahle entgegen , und bald fanden sich Alle um den sehnlich Erwarteten versammelt , der nicht säumte , ihrer fröhlichen Eile zu begegnen . O Richmond , rief der junge Herzog , wie bist Du von uns Allen herbei gesehnt , und wie lange hast Du uns ohne den Trost gelassen , von Dir zu hören ! Rechne mir nicht zu , was unvermeidlich in den Umständen lag , rief Richmond , und denkt nicht geringer deshalb von meiner Liebe gegen Euch . Aber sagt mir jetzt , um mich von jeder Sorge zu befreien , wie ich unsere theure Mutter finden werde ? Die augenblickliche Pause , die hier eintrat , und welche der aufsteigenden Sorge über die Stimmung der Herzogin galt , ergriff Richmonds zärtliches Herz und drückte sich in seinen Zügen aus , als der junge Herzog ihn zu beruhigen eilte , indem er ihm die Versicherung gab , daß sie wohl auf sei , aber in ihrer Stimmung geschont , erst auf seine Ankunft vorbeitet werden müsse . Richmond fühlte leicht , daß hier eine kleine