eine andre Wendung geben können , hättet Ihr die Augen bei Euch gehabt , und den Jungen als Euern Bruder erkannt . « - » Du hast Recht ; « sprach Dagobert mit einem Seufzer , nach kurzer Stille : » ' s ist meine Schuld . Mir war der Knabe fremd . Geh aber jetzt mit Gott von dannen . Mir ist , als stände ich in einem Zauberkreise , und keinen Zweiten möcht ' ich in mein Geschick verwickeln . Frage morgen im Einhorn nach mir ; bin ich am Leben noch , so wollen wir einen Valettrunk halten , trotz dem im Rosengarten zu Worms , denn mir ist Vaterhaus und Vaterstadt verleidet , und ich will fort . Bei dieser Gelegenheit magst Du über Deinen langen Vollbrecht staunen . Die Kost in meinem Dienste schlug dem Burschen trefflich an , und er beginnt , Dir ' s gleich zu thun . « - » Ihr könnt noch scherzen , « sprach Gerhard : » und mir pocht das Herz wie einem armen Sünder ! Ein gut Gewissen mag ein wackrer Harnisch seyn , allein .... « - » Das ist es auch ; « meinte Dagobert : » noch einmal , geh ! Komm ich nicht wieder , so grüß ' den Vater und den Lehrer Johannes , und nimm mein Pferd , das Beste meiner Habe . Leb wohl aber jetzt . « - Ein Handschlag noch , und fort eilte der Begleiter . Dagobert sah sich unschlüssig auf der Kreuzstraße um , und brummte in den Bart : » Am besten ist ' s , ich warte hier , bis man mich ausgewittert . Ist ' s denn wohl der Nachtthau , der meine Augen feucht macht , oder etwas Besseres ? Der plumpe Wicht sogar hätte mich bald weich gemacht , und an den Vater , und an sie will ich gar nicht denken , sonst heule ich den unbekannten Herrn etwas vor , statt wie ein Mann zu reden . Und wahrlich , dieses Letztere zu thun , ist Noth , denn dort gilt ' s , wie es heißt . In Gottes Namen , und im Namen der Dreifaltigkeit : ich bin gefaßt . « - Er schlug den Mantel fester um die Schultern , und blickte scharf nach der Seite , von wo sich etwas gegen ihn bewegte . Den linken , in den Mantel gewickelten Arm vorgehalten wie ein Schild , und die rechte Faust am Griffe des kurzen Schwerts , das an seiner Seite hing , rief er dem Nahenden fein : » Wer geht da ? « entgegen . Statt der stumpfen Stimme eines harrenden Freifrohnen redete ihn jedoch Ben David ' s Stimme an , die er alsobald erkannte ; erschrocken rief er ihm zu : » Unglücklicher , woher kömmst Du ? was willst Du hier ? Rede , oder besser : fliehe ! Man bringt Dich in Deinen Kerker zurück , oder die Diener der Acht schleudern Dich in den Main , so Du nicht eilig auf und davon gehst ! « - » Ich bin nicht entsprungen , Herr ! « erwiederte der Jude schwerathmend und demüthig : » ich will weiter wandern jedoch , um zu retten mein armselig Daseyn für mein Kind . Doch , eben dieses Kind ... Herr , ... Ihr habt es gekannt , ... Ihr habt es beschützt ... Ihr habt es vielleicht geliebt , wie ein Edelmann nicht soll lieben eine schlechte Jüdin . « - » Ben David ! « rief der Junker halb zürnend , aber der Jude ließ ihn nicht weiter sprechen , sondern fuhr fort : » Hab ' ich gesagt eine Lüge , so verzeiht mir , und der liebe Gott wird es nicht minder thun . Und hätte ich gesagt die Wahrheit , und wär Esther geworden ein Spiel Eurer Muße und Eures raschen Bluts , ... Herr , ... ich muß Euch vergeben , da Ihr ein Christ seyd , und ich nur ein elender Jude ; aber ich will auch vergeben , wenn Ihr barmherzig seyn wollt , und mir nur einen Wink gebet , wo ich sie wiederfinden kann , das Licht meiner Augen , - den Stab meiner schwachen Hand . « - » Aber , was rede ich ? « setzte er hinzu , da Dagobert noch vor Bestürzung schwieg : » Ich bin ein Thor ; blödsinnig bin ich geworden , und vergeßlich wie das Hirn eines alten Weibes . Weiß ich denn nicht , daß der verfluchte Zodick sie geraubt aus Euerm Gewahrsam , .... daß sie geworden ist eine Beute des Kriegsvolks ? ... Weh mir ! weh mir ! wehe geschrieen über mich und Israel ! « - Der arme erschütterte Mann war im Begriff , in laute Klagen auszubrechen und mit seinem Jammer Nacht und Nachbarschaft aufzustören . Dagobert hatte besorgliches Mitleid mit den Vater seiner Esther . » Fasse Dich ; « sagte er eindringlich zu dem Winselnden , indem er ihn mit starker Hand emporhielt : » Du stürzest Dich in ' s Verderben durch Dein zweckloses Gewimmer . Deine Furcht ist grundlos . Esther ist in Sicherheit ; Gott und ich - wir haben sie nicht verlassen . Du wirst mich besser kennen lernen . « - » Engel , Fürst der Barmherzigkeit ! « stammelte der froh überraschte Vater , Dagobert ' s Hände küssend : » Ihr habt Segen gepflanzt auf meinen dunkeln Weg , Öl gegossen in die Wunden meines Grams . Erfüllt das Maaß Eurer Menschenliebe .... zeigt mir den Weg zu Esther . Besorgt nicht , daß ich sie reiße mit mir in ' s Unglück . Ist sie Euer Eigenthum geworden ; wie der Knecht das des Herrn , ich raube sie Euch nicht , ... ist sie geworden Euer Gut , wie das Lieb des Buhlen , ich verführe sie Euch nicht ; aber letzen muß ich mich mit ihr