Adler geht durch den Himmel , und der König dieser Könige habe seine Bahn auf der Erde und in dem Himmel zugleich . Noch war und tat ich nichts ; aber wenn noch das Leben ein leerer Nebel ist , kannst du ihn übersteigen , oder festgreifen und zerschlagen ? Willst du einmal , du Uranide , einen Mann lieben , so tret ' ich vor keinem zurück . Aber Worte sind an Taten nur Sägespäne von der Herkuleskeule , wie Schoppe sagt . Sobald der Krieg und die Freiheit aufeinanderstoßen , so will ich dich im Sturm der Zeit verdienen und dir Taten mitbringen und die unsterbliche Liebe . Hier steh ' ich auf der göttlichen Höhe des Klostergartens und blicke in ein grünes Himmelreich ohnegleichen hinab . Die Sonne ist schon über den Golf hinüber und wirft ihre Rosenfeuer unter die Schiffe , und ein ganzes Ufer voll Paläste und voll Menschen brennt rot - durch die langen aufgebreiteten Straßen unter mir rollt das Festgetümmel schon herauf , und die Dächer sind voll geschmückter Menschen und voll Musik , Balkons und Gondeln erwarten die göttliche Nacht zu den Gesängen . Und hier bin ich allein und bin doch so glücklich und sehne mich ohne den Schmerz . Aber wär ' ich vor vier Tagen , Linda , wo ich dich noch nicht kannte und noch nicht hatte , hier gestanden und hätte angesehen diesen Abend - das goldne Meer - das heitere Portici , das Sonne und Meer mit Flammen anspülen - den herrlichen Vesuv mit goldgrünen Myrten umwunden und mit dem grauen Aschen-Haupt voll Sonnenglut - und hinter mir die grüne Ebene voll Wolken aus Blütenstaub , die aus Gärten steigen und in Gärten regnen - und den ganzen webenden Zauberkreis freudiger Kräfte , diese in Licht und Leben schwimmende Welt ; - dann , Linda , hätte ohne dich durch die warme Seligkeit ein kalter Schmerz gezückt , und im goldnen Abendlicht wären Erinnerungen mit Trauer-Larven gegangen . O Linda , wie hast du meine Welt gereinigt und erweitert , und ich bin nun überall glücklich . Du hast den schweren scharfen Pflug des Lebens , der mühsam an der Ernte arbeitet , in einen leichten Griffel und Pinsel verwandelt , der umherspielt , bis er eine Götter-Gestalt erschafft . Sah ' ich heute nicht jeden Tempel und jeden Hügel froher , wie von dir vergoldet , und jede Schönheit , sie mochte an der Statue , auf der Leinwand oder auf der singenden Lippe oder auf den Gipfeln blühen , prangte und duftete üppiger , und dann flog ich von der kleinen Blume auf zur blühenden Linda ? Wie herrschet die dunkle Gewalt hinter der Wolke ! Versiegelte Befehle gibt sie uns mit , damit wir sie auf einer späten fremden Stelle erbrechen . Gott , erst auf Ischias Epomeo mußt ' ich meinen öffnen , da ging ein Augenblick über das Leben und gebar die Ewigkeit , der Schmetterling brachte die Göttin ! Der Abend geht unter , und ich muß schweigen . Wüßt ' ich nur , wie der deinige ist ! Mein Leben besteht jetzt aus zwei Stunden , deinen und meinen , und ich kann nicht mehr mit mir allein leben . - Dieser Tag sei dir doch reich und mild entwichen und dein Abend wie meiner ! Die Sonne rötet nur noch den Vesuv , die Inseln verglühen langsam im dunkeln Meer , ich schaue nun , ohne mit dir zu sprechen , den großen Abend an , aber o Gott , so anders als in Rom ! Selig werd ' ich mein Auge nur an deine auslöschende Insel im Glanz-Getümmel des Abendrots heften und lange noch hinsehen , wenn schon Epomeos Gipfel in der Nacht verwittert ; und dann werd ' ich heiter in das mit Lichtern umstellte Grab der Farben unter mir schauen - frohe Gesänge werden durch die Dämmerung ziehen - die Sterne werden liebreich schimmern - und ich werde sagen : Ich bin allein und still , aber unaussprechlich selig , denn Linda hat mein Herz , und ich weine nur aus Liebe , weil ich an ihres denke , und trunken werd ' ich durch den Blütenrauch des Bergs hinuntergehen . « - * Er kam langsam nach Neapel zu seinem Freunde Dian zurück , alle Fest-Lust , die ihm begegnete , das ganze Odeum der Wonne , in welchem das klingende Rad der Leier schwindelnd umrollte , schien ihm bloß sein Nachklang zu sein , indes sonst erst den äußern sinnlichen Saiten des Menschen die innern nachklingen . Er wollte nur immer weiter und noch - wenn es ginge - diese Nacht auf den Weg nach dem Vesuv , für ihn gab es jetzt nur eine Tagszeit . Das wärmere Klima samt der Liebe und dem Mai schienen alle Frühlingswinde seiner Kräfte zu wecken , sie wehten ungestüm , ihm selber sogar bewußt ; nur vor der Geliebten war er , noch wund von der Vergangenheit , bloß ein Zephyr , der die stäubende Blüte schont . Am andern Tage wollt ' er nun den Vesuv besteigen und am Morgen darauf seinen Dian in Portici erwarten , wenn er vorher auf dem Vulkan die Sonne hatte aufgehen sehen . 114 . Zykel Seine Reise beschrieb er seiner Geliebten : In der Hütte des Einsiedlers auf dem Vesuv » Warum liegt nicht der Mensch auf den Knien und betet die Welt an , die Berge , das Meer , das All ? Wie erhebt es den Geist , daß er ist und daß er die ungeheuere Welt denkt und sich ! - O Linda , ich bin noch voll von dem Morgen ; auch wohne ich noch auf der erhabnen Hölle . Gestern reisete ich am Morgen mit meinem Bartolomeo durch den reichen vollen Gartenweg nach dem heitern Portici , das sich an den Riesen anschmiegt wie Catana an den Ätna . Immer dieselbe große , durch dies erhabene Land ziehende epische griechische Verschmelzung des