müssen wir jeden Groschen zusammenhalten , es geht nicht anders . “ Und dabei rührte sie die Eier ein und Ernestine beeilte sich , Holz nachzulegen . „ Laß das nur , “ rief Gretchen , „ wenn Du etwas tun willst , so mach den Salat an , wir haben noch ein Köpfchen Endivien dort im Korbe , aber spute Dich , denn der Eierkuchen ist gleich fertig . “ Ernestine schickte sich an , so schnell sie konnte , den Salat zu waschen und zu schneiden , sie wollte doch auch etwas tun . Plötzlich hörte Gretchen , die mit der Pfanne am Herde stand , einen leisen Ausruf des Schreckens und als sie sich umwendete , sah sie Ernestinen in größter Bestürzung mit der Ölflasche vor dem Salat . „ Was hast Du denn gemacht , “ rief Gretchen und eilte herbei . „ Du wirst Dich doch nicht in der Flasche vergriffen haben ? “ Sie roch an dem Salat und schlug die Hände zusammen : „ Ei , du grundgütiger Himmel , sie hat richtig das Petroleum erwischt ! Was fangen wir an ? Nun können wir heute Abend im Finstern sitzen , der Wochenvorrat ist erschöpft ! Schade um den schönen Salat und das schöne Petroleum , jedes an sich so wertvoll , aber Beides zusammen ganz unbrauchbar ! Gute Ernestine , jetzt fordere aber auch nicht mehr , daß ich Dich heute in der Küche lasse , Du hast nun einmal einen Unglückstag . “ Sie band ihr mit komischem Pathos die Küchenschürze ab . „ Ich entkleide Dich hiermit feierlich Deiner Würde . Du hast Dich heute nicht wert gezeigt , dieses Ornat zu tragen , geh in das Zimmer und warte dort ruhig , bis ich den Eierkuchen bringe . “ Damit schob sie Ernestine zur Tür hinaus . Als sie zu ihr hineinkam , fand sie Ernestine mit rot geweinten Augen über einer Handarbeit sitzend . „ Schätzchen , “ sagte sie , „ ich glaube gar , Du weinst , das wäre noch schöner , wegen einer solchen Kleinigkeit ! Sieh mal , ich muß doch ein wenig genau mit Dir sein , Du lernst mir ja sonst nie sparen und auf die Dinge achten . Ernestinchen , bist Du mir böse , weil ich Dich schalt ? Geh , das war ja doch nur Scherz . “ „ Wie könnte ich Dir zürnen , Dir ! Über mich selbst weine ich , weil ich zu gar nichts auf der Welt nütze bin ! Wenn ich Dich , Du Engel , nicht hätte , was würde denn aus mir ? Kein Kind von acht Jahren kann unbeholfener und ungeschickter sein als ich . Wer hätte die Geduld mit mir , die Du treues Herz mit mir hast ? Denkst Du denn , solch ein Gefühl sei nicht niederdrückend ? Seit den zwei Monaten , wo meine Baarschaft zu Ende ist , ernährst Du mich mit schwerer , redlicher Arbeit und ich kann nichts dafür tun , als unser kleines Mittagsmahl bereiten , während Du im Institut bist — aber selbst das gelingt mir nicht einmal ! Es ist eine Schande ! Die kompliziertesten chemischen Mischungen habe ich gemacht und sollte keine gute Suppe kochen können ? Die größten Schwierigkeiten habe ich überwunden und sollte einer so ge ­ ringfügigen Aufgabe nicht gewachsen sein ? Nein , das darf nicht so fortgehen . Ich verspreche Dir , ich will mich von heute an zusammen nehmen und Du sollst nicht mehr fasten müssen , wenn Du aus der Schule kommst . “ „ Ach , liebe Ernestine . Ich glaube nicht , daß Du diese Sachen je ganz lernst , Du bist eben zu groß zu solchen Dingen , “ meinte Gretchen . „ Das wäre eine schöne Größe , “ erwiderte Ernestine , „ die das Kleine nicht zu vollbringen vermöchte , wo es Not tut ! Mich hat stets das Schwere gereizt und seit ich sehe , wie schwer diese Kleinigkeiten sind — reizt es mich , auch sie zu können . “ Gretchen zerschnitt den Eierkuchen und nötigte Ernestine zu speisen : „ Tu nur die Arbeit weg , das Essen wird ja ganz kalt ! “ Ernestine faltete einen Rock zusammen , an dem sie nähte : „ Es geht mir doch noch gar nicht von der Hand . Hätte ich das alte Kleid lieber nicht zertrennt ! “ „ Ei , so konntest Du ’ s ja nicht mehr tragen , mit dem versengten Blatt . Aber ich will Dir heute Abend helfen . Ich bin Schuld , daß Du Dich verbranntest , warum ließ ich Dich einheizen ? Da ist es nicht mehr als billig , daß ich den Schaden gut machen helfe . — Aber Ernestine , Du genießt ja nichts ? “ „ Ich kann nicht , Du weißt , die dicken Eierkuchen bringe ich nicht hinunter . Hättest Du ’ s nur mich bereiten lassen , ich hätte zwei aus dem Teige gemacht . “ Gretchen lachte hell auf : „ Da , nun ist ’ s ihr wieder nicht recht — und sie hätte es viel besser gekonnt ! Na , warte nur , übermorgen ist Sonntag , da bin ich zu Haus und Du kannst unter meiner Aufsicht kochen , wie Du magst . Du willst auch einen Sonntagsspaß haben , nicht wahr ? “ „ Ach Gretchen , ich muß so oft an die Staatsrätin denken , wie sie mich lehren wollte , Bohnen schneiden , und ich das so tief unter meiner Würde fand ! Damals verstand ich sie nicht — jetzt habe ich sie verstehen gelernt ! “ Sie sah trübe sinnend vor sich hin . Gretchen beobachtete kopfschüttelnd den Rest auf Ernestinens Teller : „ Du Kostverächterin Du , was gibt man Dir denn nun wieder zu essen ? Es ist auch ein Unglück , daß Du einen so verwöhnten Gaumen hast und Dir das Zehnte