Enge der Schlucht ins Freie und blickten auf die Fläche des großen Sees . Er ist dem kleinen Tornow unähnlich , liebt das Licht wie dieser den Schatten und gewährt ein Bild heiterer Ruhe . Grün ansteigende Ufer fassen ihn ein , rote Fichtenstämme spiegeln sich und wenn erst , wie beabsichtigt , der Wasserdruck des höher gelegenen kleinen Sees benutzt sein wird , um mitten auf dem großen einen natürlichen Springbrunnen steigen zu lassen , so wird dieser Eindruck des Heiteren noch gewachsen sein . Am Ufer des großen Tornowsee erhebt sich eine Villa , ein Schweizerhaus . Der Erbauer , in Huldigung gegen den Ort , an dem er den zierlichen Bau entstehen ließ , hat ihm den Namen » Haus Tornow « gegeben . Das hat einen guten Klang . Stille weilt rundum . Es ist ein Platz für Rast und Ruhe , und wer empfände nicht die Sehnsucht danach ! Bilder schmücken die Zimmer der Villa und Wein und Blumen ranken sich an Wand und Laubengang empor . Aber der schönste Blick , den » Haus Tornow « gewährt , bleibt doch der auf den See . Ein Kahn liegt bereit und trägt uns darüber hin , leicht und glatt . Denn hier walten keine tückischen Mächte . Aus der Tiefe des » kleinen Tornow « herauf könnt ' uns eine Hand , eine Stimme vielleicht nach unten ziehen , aber das Wasser des großen Tornow , das eben in tausend Tropfen von unserm Ruder fällt , funkelt in allen Farben des Lichts . Ein Schwarm Tauben blitzt durch die Luft und ein Reh tritt aus dem Wald ans Ufer und blickt uns nach . Es weiß , es darf es . » Friede « ist die Parole am großen Tornowsee . Möglin Albrecht Daniel Thaer Albrecht Daniel Thaer Ehre jedem Heldentume , Dreimal Ehre deinem Ruhme , Aller Taten beste Tat Ist : Keime pflanzen für künftige Saat . Albrecht Daniel Thaer wurde am 14. Mai 1752 zu Celle geboren . Sein Vater , Hofmedikus ebendaselbst , stammte aus Liebenwerda in Sachsen ; seine Mutter war die Tochter des Landrentmeisters Saffe zu Celle . Seine ersten Studien machte Albrecht Thaer auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt , aber er verfuhr dabei in so unregelmäßiger Art und Weise , daß er , um ihn selbst zu zitieren , » im sechzehnten Jahre französisch und englisch sprechen konnte , aber kein Wort lateinisch verstand « . Die Lehrer ließen es eben gehen . Endlich entdeckte er sich dem Rektor des Gymnasiums , nahm Privatstunden und holte in einem einzigen Jahre alles Versäumte so völlig nach , daß er , abermals ein Jahr später , imstande war , nach Göttingen zur Universität abzugehen . Sein ganzes Wesen damals , im Gegensatz zu seinen reiferen Jahren , war genialisch und exzentrisch ; er hatte etwas Wunderkindartiges an Gaben wie an Unarten . Mit großem Eifer wandte er sich der Medizin zu und schien namentlich bestimmt , in der Chirurgie Bedeutendes zu leisten . Er verweilte tagelang , das Seziermesser in der Hand , auf dem anatomischen Saal , sah aber bei der ersten Operation , der er beiwohnte , daß er seltsamerweise wohl zum Anatomen am leblosen , aber nie und nimmer zum Chirurgen am lebendigen Organismus bestimmt sein könne , denn er fiel in Ohnmacht ; – eine Erscheinung , die sich wiederholte , sooft er den Versuch machte , die angeborene Scheu zu überwinden . Er wählte nun Pathologie , hörte Kollegia bei den berühmten Professoren Schröder und Baldinger , die beide ein ganz besonderes Vertrauen zu ihm faßten , und genoß , trotz seiner noch knabenhaften Erscheinung , ein solches Ansehen bei alt und jung , daß kein erheblicher Krankheitsfall vorkam , bei dem er nicht zu Rate gezogen worden wäre . Dies gab ihm , neben vielem Selbstgefühl , auch eine besondere Position , eine Art Mittelstellung zwischen Lehrern und Schülern . Den eigentlich studentischen Kreisen , namentlich seinen speziellen Fachgenossen wurde er immer fremder und nur Bücher , philosophische Studien und philosophische Freunde schienen ihm eines vertrauteren Umgangs wert . Unter den letzteren nahm Johann Anton Leisewitz , der Dichter des » Julius von Tarent « , den ersten Rang ein . Thaer selbst schreibt darüber : » Unsere Seelen waren in beständigem Einklang , fast hatten wir nur ein Herz . « Ihre Freundschaft wurzelte , neben den Beziehungen des Herzens , in gleichen Interessen und Bestrebungen , und wiewohl Thaer , nach unbedeutenden ersten Versuchen , die noch in seine Schulzeit fielen , die dichterische Produktion nicht als sein eigentliches Feld erkannt hatte , so war er doch , neben philosophischem Scharfblick , mit so viel ästhetischer Fühlung ausgerüstet , daß er dem dichterisch-produktiven Freunde als Kritiker hoch willkommen war . Sie lebten drei Jahre mit- und nebeneinander ; auch nachdem beide Göttingen verlassen ( 1774 ) , bestand ihr Freundschaftsverhältnis fort , und die wenigen Briefe , die , aus einer gewiß sehr lebhaften Korrespondenz zwischen den beiden , noch jetzt existieren , geben Auskunft darüber , welchen Einfluß Leisewitz dem kritischen Freunde auf seine Arbeiten gestattete . Einer dieser aufbewahrten Briefe enthält eine sehr eingehende Kritik des » Julius von Tarent « und ein aufmerksames Verfolgen des berühmten Trauerspiels in seiner gegenwärtigen Gestalt zeigt zur Genüge , wie bereitwillig die wohlmotivierten Bemerkungen Thaers von dem Freunde und Dichter benutzt worden sind . Aus dieser Zeit studentischen Zusammenlebens mit Leisewitz datieren aber noch andere Arbeiten Thaers , die ihn uns nicht nur auf kritischem , sondern auch auf produktivem Gebiete zeigen , freilich auf einem der Kritik verwandten , auf dem der philosophisch-theologischen Untersuchung . Thaer selbst schreibt über diese später in etwas veränderter Gestalt so berühmt gewordene Arbeit : » Ich erschuf mir damals – gleich wenig mit den Orthodoxen , wie mit den neuern sogenannten › Berliner Theologen ‹ einverstanden – ein selbständiges , religionsphilosophisches System und brachte es flüchtig zu Papier . Es ward wider meinen Willen abgeschrieben ,