mit kriechend feiger Heuchelei bemäntelt ! Du neid- und haßgeschwollenen Drachenbrut , Du Rattenkönig , Schlangennest der Sünde ! Mensch ! Lebend schon die Würmer Dich zernagen , sich von der Fäulniß Deines Leibes nährend , in dem die Seele lange schon verfault ! Du Blitz , der dort wie eine Zornesader aus dieser Wolkenstirne Runzel aufzuckt , o schlängle Dich als Ariadnefaden hinab zu mir ins Labyrinth der Schmerzen ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wie der Trieb zur Sünde im Menschenblut , so liegt im grübelnden Menschenhirn geheimnißvoll ein schrecklicher Drang , zu erproben die Selbstvernichtung . Auf die Höhe des Berggrats stelle ein Kind ! Schau , wie ' s gleich näher und näher kriecht dem drohenden Rand und Kiesel zuerst aufliest vom steinigen Boden . Die schleudert es dann in die Höhlung hinab , um am Schall zu ermessen des Abgrunds Grund , horcht ahnungsvoll , wie spät und dumpf es dröhnt aus der endlosen Tiefe . Der Mutter Vorsicht gängelndes Band zerreißt es , schleicht zum Rande sich vor , umklammert noch den Fels der Vernunft . Der scheint ein sicherer Halt ihm . Doch wie es starrt in das graue Nichts , da schwindeln ihm schaudernd Herz und Hirn , da gleitet die Hand , da wankt das Knie , gelähmt von gräßlichem Grausen . Im Instinkt der Verzweiflung stürzt es hinab . So umgarnt an der Zweifel gähnendem Schlund den Nichtseinsinnenden grübelnden Geist entschlossene Verneinung des Willens . Bis willig halb , halb magisch gedrängt , halb sinkend , halb gestoßen , er rollt durch Wahnsinn-Nebel in Todesnacht : Todesfurcht versteckt sich im Selbstmord . Dieselbe Nacht , die den irdischen Zeus , den Alexander , dem Licht geschenkt , sah frech verbrennen den Herostrat der Ephesischen Artemis Tempel . Denn in der Moira dunklem Schooß , und in des Kronos waltender Hand und in des Kroniden Waage des Rechts da liegen vereint die Loose . Das weiße Loos und das schwarze Loos , das Sein und Nichtsein , Leben und Tod , und der Trieb zum Leben , die Schaffenslust , sich paart dem Lebensekel . Die Selbstvergötterung , welche gebiert der Dämon in der Erkorenen Brust , ist nahe der Selbstverachtung gesellt in der Verlorenen Seele . Dieselbe Hore , welche gebiert den schaffensmächtigen zeugenden Geist , den Welterbauer , als Zwilling nährt den zerstörungsfrohen Vernichter . Augustus , Trajan , Vespasian , aufs Neue erbauten nach Götterbeschluß , was niedergerissen nach Götterbeschluß im Reich die Juliersprossen . Welch winzige Spanne Zeit doch trennt vom Nero den Titus ! Ja , noch mehr : in Titus ' Seele selber lag der Drachen neben dem Lamme . Ein kurzer Augenblick entschied sein wahres Wesen und schied nun ab seiner Jugend Neronisches Element von der » Wonne des Menschengeschlechtes « . So liegt das Verderben dem Heil gepaart und das Leben dem Tode im Menschengeist , und Jeder erfüllt am Ende nur seine vorgebahnte Bestimmung . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Je mehr Leonhart diesem Gedankengange folgte , desto deutlicher empfand er , bei Titus angelangt , den Begriff des Cäsarenwahnsinns , diesen Gottähnlichkeitsdünkel des Größenwahns . Wie vom Medium einer Vision inspirirt und selbst Medium geworden , fühlte er das Wesen Heliogabals in das seine hinüberrinnen . Ihm war , als spräche aus ihm selber die Seele des Götterwonnetrunkenen , zum Flammentode bereit . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Mir bahnte den Pfad der erhabene Narr , wahnwitziger Wüstheit Meister mir , Caligula mit dem thierischen Blick der übermenschlichen Frevel . Auch der großdenkende Cäsar-Apoll , die Künstlerbestie , die zum Klang des eigenen Lyraklimperns schwamm auf goldner Barke im Tiber , lotternd auf purpurnem Thalamus , weißstirnige Buhlinnen rosenbekränzt schamlos zur Seite - also zu bewundern das brennende Rom , von lebenden Fackeln entzündet : Nazarenergewürm , ans Licht gezerrt aus Katakomben , gepfählt , erwürgt , aus Kreuz genagelt , verpicht mit Stroh , und mit Naphta sodann übergossen . Dies Schauspiel weckte ihm schauerlich-schön dithyrambische Stimmung . Anschaulich entrollt , studirte er so der Sinnenwelt schrecklichste Wonnen und Schrecken . Der Erkenntniß Aganippe er schlürfte in rinnenden Zähren , triefendem Blut . Im prächtigen Mordbrand suchte er den prometheischen Funken . Feinschmecker der Psyche , Lucull des Gefühls , wie sinnig verknüpfest Du so in eins die Elemente von Gier und Grau ' n ! Verschmelzung doppelten Schauders ! Der Ueppigkeit süß entnervende Schauer mit markdurchrieselnder Ahnung der Furcht ! Dir folgend , du Aristipp-Dionys , hab ' ich herrlichen Tod mir ersonnen . Nur Schnee befreit ein erstarrtes Glied , nur Gluth erstickt der Genußsucht Gluth . Drum stürz ' ich vom Lager verzehrender Lust ins Brautbett des Todes , die Flammen . Ichtys , der Fisch , ist der Christen Symbol , das meine der Salamander , der froh im Erdpech , vulkanischer Lavaschicht der Ur-Erregungen , wühlet . Man schlendert ins Feuer den Skorpion , dann bohrt er den Stachel ins eigne Hirn : So springt mein Ekel ins Bad des Tods , nicht lökend wider den Stachel . Als Kind in frischer Ursprünglichkeit , wo die Welt eine Fabel , ein Hirtenidyll , da fühlen wir den homerischen Trieb nachbildender Weltumfassung . Doch drängt die grausame Wirklichkeit sich unablässig in ' s Innere ein durch jeden Spalt der Sinne , so gährt im Hirn ein schauerlich Chaos . Mit Selbstverhöhnung beginnen wir , mit Selbstverachtung fahren wir fort und enden , die Ohnmacht des Einzelgeist ' s , das All zu empfinden , erkennend . Drum früh dies ahnend floh ich aus Furcht zum rohen Genuß