Liebe . Und als sie ihn nun von dem schweren Unglück der gotischen Waffen , von dem Fehlschlagen all ' seiner Pläne - an dem ihr heimtückischer Verrat so großen Anteil trug , - tief , bis zur krankhaft-schwermütigen Verfinsterung des Geistes , zu marternder Selbstpeinigung niedergebeugt sah , so wirkte dieser Anblick gewaltig auf ihre aus Härte und Glut seltsam gemischte Natur . Sie hätte im Augenblick des schmerzlichen Zornes mit Entzücken sein Blut fließen sehen . Aber mondenlang ihn mit bohrendem Gram sich selbst zerstören sehen , - das ertrug sie nicht . Zu dieser weichern Stimmung trug aber endlich wesentlich bei , daß sie seit der Ankunft in Ravenna auch eine Veränderung in des Königs Benehmen gegen sie selbst bemerkt zu haben glaubte . Spuren von Reue , dachte sie , von Reue über die Gewaltsamkeit , mit welcher er in ihr Leben eingegriffen hatte . Und weil sich in diesem Glauben ihr hartes , schroffes Auftreten bei den selten und immer nur vor Dritten erfolgenden Begegnungen unwillkürlich gemildert hatte , erblickte Witichis hierin einen erfreulichen Schritt des Entgegenkommens , den er stillschweigend ebenfalls mit freundlicheren Formen anerkannte und lohnte . Grund genug für Mataswinthens beweglich flutende Gedanken , die Anträge des Präfekten , selbst wenn diese manchmal noch durch des klugen Mauren Vermittelung an sie gelangten , abzuweisen . Doch hatte der Präfekt aus dieser Quelle schon während des Zuges gegen Ravenna erfahren , was später auch sonst bekannt wurde , daß die Goten Hilfe von den Franken erwarteten . Unverzüglich hatte er deshalb seine alten Verbindungen mit den Vornehmen und Großen , die an den Höfen zu Mettis ( Metz ) , Aurelianum ( Orleans ) und Suessianum ( Soissons ) im Namen der merowingischen Schattenkönige herrschten , wieder angeknüpft , um die Franken , deren damals sprichwörtlich gewordne Falschheit gute Aussicht auf Gelingen solcher Versuche gewährte , von dem gotischen Bündnis wieder abzuziehen . Und als die Sache durch diese Freunde gehörig vorbereitet war , hatte er an König Theudebald , der zu Mettis Hof hielt , selbst geschrieben und ihn dringend gewarnt , bei einer so verlornen Sache , wie die gotische seit dem Scheitern der Belagerung Roms offenbar geworden , sich zu beteiligen . Diesen Brief hatten reiche Geschenke an seinen alten Freund , den Majordomus des schwachen Königs , begleitet : und sehnlich erwartete der Präfekt von Tag zu Tag die Antwort auf denselben : um so sehnlicher , als das veränderte Benehmen Mataswinthens die Hoffnung auf raschere Überwältigung der Goten abgeschnitten hatte . Die Antwort kam , gleichzeitig mit einem kaiserlichen Schreiben aus Byzanz , an einem für die Helden in und außer Ravenna gleich verhängnisvollen Tage . Siebzehntes Kapitel . Hildebad , ungeduldig über das lange Müßigliegen , hatte aus der ihm zu besonderer Obhut anvertrauten Porta Faventina mit Tagesanbruch einen heftigen Ausfall auf das byzantinische Lager gemacht , anfangs in ungestümem Anlauf rasche Vorteile errungen , einen Teil der Belagerungswerkzeuge verbrannt und ringsum Schrecken verbreitet . Er hätte unfehlbar noch viel größern Schaden angerichtet , wenn nicht der rasch herbeieilende Belisar an diesem Tage all ' seine Feldherrnschaft und all ' sein Heldentum zugleich entfaltet hätte . Ohne Helm und Harnisch , wie er vom Lager aufgesprungen , hatte er sich zuerst seinen eignen fliehenden Vorposten , dann den gotischen Verfolgern entgegengeworfen und durch äußerste persönliche Anstrengung und Aufopferung das Gefecht zum Stehen gebracht . Darauf aber hatte er seine beiden Flanken so geschickt verwendet , daß Hildebads Rückzug ernstlich bedroht war und die Goten , um nicht abgeschnitten zu werden , all ' ihre errungenen Vorteile aufgeben und schleunigst in die Stadt zurückeilen mußten . Cethegus , der mit seinen Isauriern vor der Porta Honoriana lag und zur Hilfe herbeikam , fand das Treffen schon beendet und konnte nicht umhin , nachher Belisar in seinem Zelte aufzusuchen und ihm , als Feldherrn wie als Krieger , seine Anerkennung auszusprechen , ein Lob , das Antonina begierig einsog . » Wirklich , Belisarius , « schloß der Präfekt , » Kaiser Justinian kann dir das nicht vergelten . « » Da sprichst du wahr , « antwortete Belisar stolz : » er vergilt mir nur durch seine Freundschaft . Für seinen Feldherrnstab könnte ich nicht tun , was ich für ihn schon getan habe und noch immer tue . Ich tu ' s , weil ich ihn wirklich liebe . Denn er ist ein großer Mann mit allen seinen Schwächen . Wenn er nur Eins noch lernte : mir vertrauen . Aber getrost : - er wird ' s noch lernen . « Da kam Prokop und brachte einen Brief von Byzanz , der soeben von einem kaiserlichen Gesandten überbracht worden . Mit freudestrahlendem Antlitz sprang Belisar , aller Müdigkeit vergessen , vom Polster auf , küßte die purpurnen Schnüre , durchschnitt sie dann mit dem Dolch und öffnete das Schreiben mit den Worten : » Von meinem Herrn und Kaiser selbst ! Ah , nun wird er mir die Leibwächter senden und den lang geschuldeten Sold , den ich erwarte , und das vorgeschossene Gold . « Und er begann zu lesen . Aufmerksam beobachteten ihn Antonina , Prokop und Cethegus : seine Züge verfinsterten sich mehr und mehr : seine breite Brust fing an , sich wie in schwerem Krampf zu heben : die beiden Hände , mit welchen er das Schreiben hielt , zitterten . Besorgt trat Antonina heran : aber ehe sie fragen konnte , stieß Belisar einen dumpfen Schrei der Wut aus , schleuderte das kaiserliche Schreiben auf die Erde und stürzte außer sich aus dem Gezelt , eilend ; folgte ihm seine Gattin . » Jetzt darf ihm nur Antonina vor die Augen , « sagte Prokop , den Brief aufhebend . » Laß sehn : wohl wieder ein Stücklein kaiserlichen Dankes , « - und er las : » Der Eingang ist Redensart , wie gewöhnlich - aha , jetzt kommt es besser : Wir können gleichwohl nicht verhehlen , daß