die belebende Wärme gönne und wünsche , weil ich sehe , wie sie sich mit jedem Jahre neu belauben , wie sie wachsend immer mächtiger werden , entzückt mich wie das freudige Lächeln auf einem bekannten und geliebten Antlitze . Was könnte mir auch die strahlendste Freude einer fremden Schönheit gelten gegen die Zufriedenheit in Deinen guten Augen ? Und doch möchte ich schön sein ! rief das junge Mädchen lebhaft aus . Seine Gefährtin blickte es freundlich an . Kennst Du nicht die Worte , Davide , die wir neulich in dem » Landprediger von Wakefield « gemeinsam lasen : Schön ist , wer schön handelt ? Da mußt Du also sehr schön gehandelt haben ! entgegnete das junge Mädchen , ganz vergnügt über die Logik , welche sein liebevolles Herz ihm plötzlich eingab . Thörichtes Kind ! entgegnete Seba , dem Schmeichelworte des Mädchens wehrend , das Seba ' s Hand an seine Lippen drückte und von ihr mit einer Umarmung belohnt ward , ehe sie ihm den Auftrag gab , nach dem Hause zu gehen , um nachzuhören , wo der Vater gar so lange weile . Als Davide sich entfernte , blickte Seba ihr mit lächelndem Behagen nach , denn Davide war ihre Cousine und ihr Pflegekind , und es war eine Lust , diese junge , schlanke Gestalt zu betrachten , wie sie sich mit unbewußter Anmuth so leicht und schnell bewegte . Eben an jenem verhängnißvollen Tage , an welchem Seba einst im Beisein der alten Gräfin Berka und Angelika ' s mit dem Grafen Eberhard zusammengetroffen und in der furchtbarsten Aufregung in ihr Vaterhaus zurückgekehrt war , hatte ein Brief ihren Eltern die Kunde gebracht , daß eine verwittwete Schwester ihrer Mutter auf den Tod liege und nach derselben verlange , um dieser ihr einziges Kind zu übergeben . Noch an demselben Abende war Madame Flies in Seba ' s Begleitung aufgebrochen , und vierundzwanzig Stunden später hatten sie an dem Bette der Sterbenden gestanden . Nimm mich ! hatte die kleine , kaum dreijährige Davide , wie alle Kinder , von der Schönheit angezogen , ausgerufen , als Seba an das Krankenlager herangetreten war ; und wie einst Paul sie in der Stunde schwerer Seelenpein dem Leben und der Hoffnung durch seinen liebevoll besorgten Zuruf wiedergewonnen , so hatte das Zutrauen eines Kindes sie zum zweiten Male aus der Dumpfheit des Schmerzes wachgerufen , in welche die bittere Erfahrung sie versenkt hatte , daß es Selbstbefriedigungen und Siege giebt , an denen man zu Grunde gehen kann . Laß mir das Kind ! hatte Seba gebeten , als die Sterbende es der Schwester übergeben wollte . Laß es mein Kind sein , Tante - es soll gut , es soll besser und glücklicher werden , als ich ! hatte sie leise hinzugefügt , und von dem Herzen der sterbenden Mutter hatte sie Davide an ihr Herz genommen . Von dem Tage ab hatte Seba ' s Leben einen Halt gewonnen . Sie hatte sich , seit Paul verschwunden und trotz aller Nachforschungen nicht zu finden gewesen war , wenn ihre Thätigkeit nicht , wie in der Krankheit der Baronin , durch einen augenblicklichen Liebesdienst in Anspruch genommen ward , sehr überflüssig in der Welt gefühlt , und in der Entmuthigung eines verletzten und hoffnungslosen Herzens auch nicht daran gedacht , einst in ihrer eigenen Entwicklung und Selbstvollendung Trost zu suchen ; denn liebevolle Seelen leisten ihr Höchstes nur im Hinblicke auf die Gegenstände ihrer Liebe . Nun war das plötzlich anders geworden . Sie hatte jetzt ein festes Ziel gehabt , sie hatte sich , da der Mensch , je hülfsbedürftiger und rathloser er sich fühlt , um so lieber an eine höhere Hülfe oder an geheimnißvolle Zeichen glaubt , die Vorstellung gebildet , daß das Schicksal sie ausersehen habe , die Mutter der Verwaisten zu sein , daß es ihr , wie einst Paul , so jetzt Davide zugewiesen habe , und mit dem Augenblicke , in welchem sie die Sorge für dieses Kind über sich genommen , war auch die Hoffnung , daß der ihr so theure Knabe , wie Angelika es prophezeit , noch wiederkehren könne , wiederkehren werde , obschon alle Spur von ihm verloren blieb , auf ' s Neue in ihr rege geworden . Die Uebersiedlung in die Residenz war dem Lebensplane zu Hülfe gekommen , den Seba sich vorgezeichnet hatte . Auf alle die Vorrechte und Ansprüche verzichtend , welche ihre noch immer jugendliche Schönheit der Fünfundzwanzigjährigen gaben , hatte sie angefangen , ihre Kenntnisse zu prüfen , und sie oberflächlich gefunden . Alles , was sie gelernt , war ihr ungründlich , ihr ganzes Denken und Thun unzusammenhängend erschienen . Sie hatte also von Grund auf neu zu lernen , sie hatte in ernsterer Weise zu denken begonnen , weil sie in sich das geistige Capital erwerben und ansammeln wollte , von dessen Zinsen ihr Pflegekind sein tägliches Leben haben sollte ; und da sich demjenigen , der genau weiß , was er will , und sich dabei in seinem Wollen zu beschränken weiß , das ihm Nöthige fast wie von selber bietet , so hatte das ernste Bemühen des schönen , geistbegabten Mädchens ihm die Theilnahme bedeutender Männer und Frauen zugewandt , und bei dem Reichthume und der Gastfreiheit ihrer Eltern hatte Seba sich in der Lage befunden , diesen ihr werthen Bekannten an jedem Tage in ihrem Vaterhause einen Versammlungspunkt und einen herzlichen Empfang bereiten zu können . Das war zu jener Zeit , in welcher der Krieg und die Fremdherrschaft die meisten Familien zu großen Einschränkungen und Entbehrungen nöthigten , nichts Gewöhnliches gewesen . Man hatte das sich Darbietende gern benutzt , und seit im Beginne des Jahrhunderts Madame Flies gestorben war , hatte Seba als Hausfrau in dem alten von Arten ' schen Hause geschaltet , bis sie allmählich zu dem geistigen Mittelpunkte eines Kreises geworden war , der , wie es zu jener Zeit , in welcher die gemeinsame