nicht mehr holen , wenn sie Abends zu stark soupirt haben . « » Bssst ! « machte der Hofmarschall leise , ohne übrigens Stellung und Miene im Geringsten zu verändern ; denn er hatte Alles wohl verstanden und fürchtete die freche Zunge des Doktors und dessen schrille Stimme . » Uebrigens soll es mich gar nicht wundern , « fuhr dieser fort , » wenn mir nicht heute auf ' s Eklatanteste gezeigt wird , welch ' niederträchtiger Sünder ich eigentlich bin . « Und der Doktor hatte diesmal wahrhaftig Recht , denn ein paar Sekunden darauf machte der Hofmarschall vor der Front eine scharfe Wendung nach links , begleitet von einer außerordentlich tiefen Verbeugung , welche Ihrer Hoheit , der ebengenannten Frau Herzogin galt , die rauschend und majestätisch wie ein prächtiges Gewitter einherzog , gegen den Kreis der jungen Leute , dort anhielt , um mit einem Major von der Kavallerie einige sehr freundliche Worte zu sprechen . Dabei aber wandte sie sich so dicht vor dem unglücklichen Leibarzte um , daß dieser kaum Zeit hatte , sich durch einen großen Schritt in die Ecke zu retten , sonst würde er unfehlbar mit Ihrer Hoheit zusammen gestoßen sein . - Und dann , welcher Eklat ! Da hätte man deutlich wieder einmal gesehen , wie diese Leute von bürgerlicher Herkunft doch so entsetzlich ungeschickt sind und sich so gar nicht in den Hofcirkeln zu benehmen wissen . Ihre Hoheiten sprachen fast mit Jedem der ganzen Gruppe , den Doktor natürlicherweise ausgenommen , der für sie , wie er vorhin vollkommen richtig bemerkt hatte , gar nicht mehr in der Welt war . Endlich schritt Seine Majestät auf die Thüre des Speisesaales zu ; die Flügelthüren wurden geöffnet , der Hofmarschall schaute auffordernd rings im Kreise umher , und hinter ihm drein rauschte nun Alles in den anstoßenden Saal , um sich dort an der Tafel und zum Speisen niederzulassen . Dies ging nun vor sich fast wie bei einem anderen Diner , nur daß am heutigen Tage die steifen Uniformskrägen und die fest zusammen geschnürten Taillen der Eingeladenen nicht erlaubten , viel zu sich zu nehmen . Doch - » die Ehre macht satt « , meinte der Doktor am unteren Ende der Tafel . Er saß neben dem dienstthuenden Adjutanten und nicht weit vom Hofmarschall , der aber nur mit hoch empor gezogenen Augenbrauen und sehr ernstem Gesichte zu ihm sprach . Glücklicherweise ging Alles schnell vorüber ; nachher wurde freilich noch ein kleiner Cercle gehalten , aber ungezwungener , freier als vor der Tafel . Der Adjutant , dessen Dienst nun bald zu Ende ging , erkundigte sich an der Thüre des Saales , ob sein Jäger nicht zurückgekommen sei , worauf er sich , als ihm diese Frage verneint wurde , über den gegebenen Auftrag beruhigt , an eine Fensternische zurückzog , theils um auf den Kastellplatz sehen zu können , theils aber auch , um , selbst ungesehen , einige der Anwesenden zu beobachten . Wir wissen wohl , wohin seine Blicke gingen , und nicht blos er allein , sondern die meisten der jungen Leute schauten nach jener prachtvollen Gestalt , der sich aber , da sie sich unmittelbar bei der Person Ihrer Majestät halten mußte , Niemand ohne höhere Aufforderung so recht nahen durfte ; der arme Graf Fohrbach in seiner dienstlichen Stellung am allerwenigsten . Eugenie verdunkelte den ganzen Kreis , in dem sie stand , sowohl durch die Schönheit ihres Kopfes und ihrer Gestalt , als durch die Einfachheit ihres Aeußeren . Sie trug ein weißes , anliegendes Kleid von matter Seide , fast ohne Schmuck ; nur an dem seinen Handgelenk hatte sie ein schwermassives Armband - ein Erbtheil ihrer Mutter . Ihr schwarzes Haar war glatt gescheitelt , die überaus dicken Flechten hatte sie einfach um den Kopf geschlungen , und es war das , wie die Obersthofmeisterin gegen die Hofmarschallin bemerkte , eigentlich keine Frisur zu nennen - » und kann auch nur der Fräulein von S. gestattet werden , weil sie einmal die Fräulein von S. ist , ein so schönes und in der That sehr liebenswürdiges Mädchen . « Dieses Wort der alten Dame hörte Graf Fohrbach hinter seinem Vorhang und ebenso wie die Hofmarschallin antwortete : » Es ist in der That ein einziges Geschöpf ; man muß sie lieben , denn sie hat wahrhaftig keinen Fehler . « » Ja , man muß sie lieben ! « seufzte er in sich hinein . » Ah ! wenn das sogar diese beiden alten Excellenzen von Eugenie sagen , welche Worte soll dann ich gebrauchen ? « Der junge Herr Herzog hatte allein das Recht , sich seiner Mutter und also auch dem Ehrenfräulein zu nähern . Und er machte von diesem Rechte , wie immer , so auch heute , einen solch ' umfassenden Gebrauch , daß sich der arme Graf in der Fensternische fast die Lippen blutig biß und den Griff seines Säbels faßte , als habe er nicht übel Lust , diesen gegen einen sehr gefährlichen Feind zu ziehen . Bis jetzt hatte der Herzog dort hinten bei der Gruppe , wie es schien , nur allgemeine Redensarten an die Damen , die um ihn standen , gerichtet ; jetzt aber - » der Teufel soll ihn holen ! « dachte der Adjutant - wußte er sich so geschickt zu drehen , und so schön zwischen den ehrerbietigst ausweichenden Hoffräuleins zu manövriren , daß er Eugenie von den Uebrigen trennte , und nun auf einmal abseits mit ihr stand . - » Verdammt ! was hat er da zu sagen ? « Der Herzog that eine Frage - Eugenie von S. schlug leicht die Augen nieder und gab ihm eine kurze , doch wie es schien , nicht unfreundliche Antwort . Darauf zuckte er die Achseln und machte ein betrübtes Gesicht , schien aber gleich darauf über etwas nachzudenken , in Folge dessen sich sein Gesicht aufklärte . Er that noch